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28. Juli 1914: Eine Erfindung aus Peine revolutionierte die Welt der Stahlwerke

Peine 28. Juli 1914: Eine Erfindung aus Peine revolutionierte die Welt der Stahlwerke

Peine. Heute jährt sich bei Peiner Träger ein ganz besonderer Tag. Vor genau 100 Jahren, am 28. Juli 1914, wurde im Peiner Walzwerk der erste parallelflanschige Breitflanschträger gewalzt.

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So sah es 1914 im Walzwerk aus: Die Richtpresse für Breitflanschträger.

Quelle: oh

Er ist auch unter dem Namen Peiner Träger bekannt und zugleich Namensgeber des heutigen Unternehmens.

Das 1914 gewalzte Stahlstück mit der Bezeichnung Profil P 26 war ein Träger mit sowohl 260 Millimetern Höhe als auch 260 Millimetern Flanschbreite. Es wurde in Peine entwickelt, patentiert - und steht wie kein zweites Produkt für Stahlerzeugnisse aus der Fuhsestadt.

Begonnen hatte die Geschichte des Peiner Trägers jedoch schon im Jahr 1901. Da hatte nämlich der US-Amerikaner Henry Grey im Luxemburger Walzwerk Differdingen den sogenannten Grey-Träger entwickelt, der deutlich breitere Flansche hatte als es bis dahin für Stahlträger üblich war. Möglich wurde dies durch eine neue, von Grey entwickelte Walztechnik.

Die Neuigkeiten aus Luxemburg drangen natürlich auch nach Peine, wo zur gleichen Zeit im Thomasstahlwerk ebenso Stahlträger produziert wurden. Im Jahr 1912 wurde in der Chefetage entschieden, ebenfalls etwas Neues herzustellen - nämlich neuartige breit- und parallelflanschige Träger. Ähnliche Versuche des Industriellen Hugo Sack in Lothringen hatten zur Jahrhundertwende eher unbefriedigende Ergebnisse gebracht.

Sogleich wurde mit der Errichtung einer entsprechenden Produktionsstätte begonnen, das Unternehmen investierte die stolze Summe von zwei Millionen Reichsmark (das wären in der heutigen Zeit rund acht Millionen Euro), zur Finanzierung musste sogar eine Kapitalerhöhung vorgenommen werden.

Den Plan für den Bau des ersten Spezialwerks für parallelflächige Breitflanschträger in Peine übernahm der angesehene Ingenieur Dr. Johann Puppe, wobei dieser ein eigenes Patent verwendete. Puppe war zuvor Dozent an der Technischen Hochschule Breslau gewesen und hatte dort das Fach Hüttenmaschinen und Walzwerkskunde gelehrt.

Auch wenn es im damaligen Geschäftsbericht hieß, das neue Walzwerk sei „ohne Kinderkrankheiten in Betrieb gekommen“: Die Verantwortlichen mussten schnell erkennen, dass Theorie und Praxis zweierlei sind. Denn mit der Umsetzung des Plans gab es durchaus Schwierigkeiten. Beispiel: Der allererste Träger, der am 28. Juli 1914 hergestellt wurde, hatte einen etwas welligen Steg. Das Wichtigste aber war die Erkenntnis, dass das technische Verfahren vom Prinzip her funktionierte.

Als es dann lief, wurde schnell klar, dass der neue Peiner Träger sogar dem Grey-Träger überlegen war. Denn an den nicht in Peine hergestellten Trägern mussten beim Verbauen zusätzliche Montageplatten befestigt werden, weil die Flansche zu schmal waren. Die parallelflanschigen Breitflanschträger waren besser zu verbinden, stabiler - und es galt die Faustregel: Ein Peiner Träger ersetzt bis zu drei andere Träger. Dadurch wurde Bauen natürlich automatisch günstiger.

Der Peiner Träger machte die Fuhsestadt in der Industrie weltberühmt. In den USA staunte die Stahlindustrie zunächst. Danach entstanden dort ähnliche Produktionsstätten, denen das Peiner Breitflanschträger-Walzwerk als Vorbild diente. Beispielsweise orientierten sich die Bethlehem Steel Company (Pennsylvania), die Carnegie Steel Company (Pittsburgh) und die Illinois Steel Company (Chicago) an der Erfindung aus Peine.

Das Fachmagazin „Der Bauingenieur“ erklärte 1922, welche Bedeutung die Produktion in Peine in jener Zeit hatte: „Sie ist für uns Deutsche umso wichtiger, als unsere bisherigen Bezugsquellen, nämlich das Walzwerk Differdingen der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft und das Thyssensche Werk Hagendingen gemäß Friedensvertrag nicht mehr für uns in Betracht kommen.“

Nach und nach wurden auch andere Typen entwickelt. Nachdem die Höhe und Breite beim P 26 zunächst jeweils 26 Zentimeter war, umfasste die Produktpalette Ende der 1920er-Jahre bereits parallele Breitflanschträger, deren Maße zwischen 10 und 80 Zentimetern lagen. Bis heute kamen zahlreiche Produktabwandlungen dazu - die Peiner Erfindung von 1914 hat sich längst weltweit durchgesetzt.

ale

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