Senioren am Steuer: Ein 82-jähriger Peiner soll nach dem Willen seiner Tochter seinen Führerschein abgeben.
Peine. Hilfe suchte sich Dagmar S. beim Straßenverkehrsamt in Peine. Die Mitarbeiter führten ein Gespräch mit dem 82-Jährigen. Freiwillig will er seinen Führerschein nicht abgeben. Seine Krankheit hätte er im Griff, beteuert er. „Der Senior ließ sich im Gespräch allerdings überzeugen, ein Gutachten von sich erstellen zu lassen“, sagt Kreis-Sprecher Henrik Kühn.
Wenn der Landkreis Peine Hinweise bekommt, muss er tätig werden. Oft melden sich Angehörige, manchmal auch die Polizei. Doch wir müssen auch die Interessen der Person wahren, um die es geht“, betont Kühn. Daher setzen die Mitarbeiter im Straßenverkehrsamt zunächst auf eine freiwillige Mitwirkung.
„Solche arbeits- und betriebsmedizinischen Gutachten erstellt zum Beispiel der Werksarzt der Peiner Träger Gesellschaft“, sagt Kühn. Das Ergebnis der Untersuchung muss innerhalb von sechs Wochen beim Straßenverkehrsamt vorgelegt werden. Geschieht dies nicht, hat der Landkreis die Möglichkeit, eine Begutachtung anzuordnen. „Dann wird ein verkehrsmedizinisches Gutachten vom TÜV erstellt“, erklärt Kühn.
Betroffene, die bei den Gutachten für fahruntauglich erklärt werden, müssen dann ihren Führerschein abgeben. Rechtsgrundlage dafür ist das Straßenverkehrsgesetz in Verbindung mit der Fahrerlaubnisverordnung, sagt Kühn.
Dagmar S. hofft nun, dass ihr Vater möglichst schnell zum Arzt geht und nach der Untersuchung seinen Führerschein freiwillig abgibt. „Er trinkt zu wenig, dadurch unterzuckert er schnell. Ich habe einfach Angst um ihn – und um Menschen, die er gefährden könnte.“
pif
STICHWORT
Führerscheinentzug
Das Verwaltungsgericht Mainz hat im vergangenen Jahr entschieden, dass Diabetikern die Fahrerlaubnis entzogen werden kann, wenn sie mehrere Unfälle verursacht haben, die auf einer Unterzuckerung beruhen. In diesem Fall bestehen gegen ihre Fahreignung schwere, nicht ausgeräumte Bedenken, Aktenzeichen: 3 L 1058/09.
In dem Fall hatte ein Mann auf der Autobahn die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und eine Betonwand gestreift. Trotzdem fuhr er in unverminderter Geschwindigkeit weiter, geriet ins Schleudern, prallte zwei Mal in die Leitplanken und blieb schließlich quer zur Fahrbahn stehen. Weitere Fahrzeuge waren nicht beteiligt.
Entgegen der Anordnungen nach früheren Unfällen hatte der Mann seinen Blutzuckerspiegel vor der Fahrt nicht kontrolliert. Daher sah es das Gericht als erwiesen an, dass dem Mann die Eignung zum Fahren fehle.
pif
Kommentare
Führerschein Gogomil – 06.09.10
Nach und: und ich habe mit 70 noch alle Bootsführerscheine und den Motorradführerschein gemacht, die Prüfungen jeweils im 1. Anlauf bestanden. Solange man körperlich und geistig auf der Höhe ist kann man so was auch noch mit Hundert schaffen.Korrektur und Ergänzung jemand – 04.09.10
Nicht drei Jahre, sondern zwei Jahre beträgt der Überprüfungsintervall in Italien, in Schweden z.B. sind es drei Jahre.Dann noch etwas:
Ein Kumpel von mir wird in drei Wochen den Pilotenschein für Hubschrauber machen. Er ist 60 Jahre jung!
Wie bitte jemand – 04.09.10
@bella italiaWoher saugen Sie den Unsinn, man müsse in Italien den Führerschein mit 65 abgeben? Man muß sich dort ab 65 alle drei Jahre überprüfen lassen, wie das auch in einigen anderen Ländern der EU geregelt ist, nur in teilweise anderen Intervallen, mehr nicht. Aber vielleicht verwechselten Sie etwas: Beim LKW/BUS-Führerschein stimmt es, da ist auf dem Stiefel mit 65 der Ofen aus. Nur, in Italien gilt auch Rente mit 60!!!!! und nicht mit 67! Was machten deutsche Berufskraftfahrer vor allem dann, wenn die "Rente mit 67" bliebe, oder das Rentenalter auf 70 erhöht würde, wie manche Politiker und Verbände es fordern? Mit einem Renten-Zwangsabschlag von 10,8% (oder mehr) das Leben fristen? Alleine daran erkennt man, wie dumm gerade bei der Fahrerlaubnis argumentiert wird. Die Fähigkeit, ein Kraftfahrzeug sicher zu führen, hängt nicht vom Alter ab, sondern alleine von der Fähigkeit. Und Unfähig sind eher junge Menschen, wie es die Statistik zeigt. Für mich kann ich "sagen", dass meine "unfallträchtigste Zeit" mit meinen Jugendjahren einher ging. Inzwischen liege ich bei 40 Jahren unfallfreier und knöllchenfreier Fahrt, und das trotz auch heute noch mindestens 30000km Fahrleistung im Jahr - mit weit über 60 Jahren.
Deshalb mein Tipp: Unfallmeldepflicht, auch der Versicherungen, an die Verkehrsbehörden, für Jung und Alt. Und wer da besonders auffällig erscheint, wird anhand eines Maßnahmenkataloges gemaßregelt, Jung wie Alt!
Ich entscheide selbst Prod. Bien – 02.09.10
Falls ich mal 82 werde, möchte ich auch selbst entscheiden, wann ich meinen Führerschein abgebe, und nicht mein verzogenes Blag.@Niggys Schwester Bella Italia – 02.09.10
So kann nur jemand schreiben der mit seinen Angehörigen nicht so ein Schicksal hat.Sicherlich geht die "schlechte" Tochter womöglich auch nur arbeiten, damit sie sich allen erdenklichen Luxus leisten kann, sich aber nicht um ihren Vater kümmern will (diese Aussage ist zynisch gemeint).
Mit Blick in andere EU-Länder muss man feststellen das man in Italien spätestens mit 65 den Führerschein für immer abgeben muss, egal wie gesund oder krank man ist.
Mir ist der von Obelix geschilderte Fall auch noch hinreichend bekannt, aber es handelte sich damals um kein diabetisches Koma, sondern um einen diabetischen Schock und dazu in Verbindung mit Alkoholkonsum. Der Fall ging damals auch durch die Presse, noch immer ist das nachbarschaftliche Verhältnis verstimmt.
Opi mit böser Tocvhter Niggy`s Schwester – 01.09.10
Mein Vater würde mich enterben, würde ich sowas tun.Klar ist das für alle wohl besser, wenn der gesundheitliche Zustand es nicht erlaubt, das der alte Herr noch fährt. Aber wenn die Tochter schon soviele Vorsorge trifft,und es zur Zeitung bringt, was dem alten Herrn garantiert nicht gefällt, da ja Peine ein kleines Dorf ist, und es je jeder morgen weiß, wer damit gemeint ist.
Wieso braucht Sie jetzt die Presse, um gegen Ihren Vater vorzugehen? Wäre Sie eine Tochter, würde Sie Ihn doch sicherliche jede Zeit fahren, wohin er gerne möchte, oder ist Sie Berufstätig und hat keine Zeit dafür?
Ich würde lachen, wenn der Doktor bestättigt, das er noch fahren darf.
Zu dem alle 15jährigen Test kann ich nur sagen: Reine abzocke des Pleitesstaates. Warum testet man nicht erst den geistigen Zustand unserer Landesführer,bevor die einen Job bekommen, um solche Gesetze herausbringen zu dürfen?
Lebenslängliche Busfahrkarte: Was macht man wenn man auf dem Land lebt, und es gibt keine Busverbindung? Schon mal daüber nachgedacht, bevor man das hier von sich gibt?
Führerschein Obelix – 01.09.10
Es ist oft die Unvernunft, hinzu kommt womöglich auch die Senilität in diesem Alter. Man versucht die Fahrfehler durch Routine auszugleichen, aber das geht auch nur bis zu einem gewissen Punkt. Jeder Arzt, insbesondere Hausarzt kann übrigens entscheiden, ob er auf Grund des vorliegenden Krankheitsbildes die Straßenverkehrsbehörden darüber informieren, ob die Fahrsicherheit noch gegeben ist. Aber welcher Arzt möchte schon Patienten verlieren, denn solcherei "Gesten" sprechen sich sehr schnell herum. Ich selbst habe es schon erlebt, dass mir einer im Zustand des diabetischen Komas mit dem Fahrrad auf mein geparktes Auto gefahren ist. Hinterher wurden mir von der Ehefrau und Nachbarn noch Vorwürfe gemacht, dass ich a. mein Fahrzeug ordnungsgemäß auf der Straße geparkt hatte und b. die entstandenen Reparaturkosten (immerhin rund 2000 € (!))erstattet verlangte. Leider sind immer noch sehr viele gesundheitlich tickende Zeitbomben auf der Straße. Wie z. B. schlecht eingestellter Morbus Parkinson, beginnende oder fortgeschrittene Demenz und nicht zu vergessen die unter Alkohol und Drogen stehenden Fahrzeugführer. Es sind nicht nur die Kraftfahrzeugführer, die sich in einem solch gesundheitlich desolaten Zustand befinden, es sind auch Radfahrer und Fußgänger. Wenn man sich vorstellt, dass bei bundesweit durchgeführten Verkehrskontrollen nur jeder 1.000 Verkehrsteilnehmer mit gesundheitlichen Handicaps und Ausfallerscheinungen angetroffen wird, ist die Wahrscheinlichkeit, eine solche gesundheitliche Zeitbombe zu erwischen, eher gering.mit verbindung des neuen Führerscheins MD – 01.09.10
Wenn die das mit den alle 15 jahre Führerschein erneuerung machen, könne die doch gleich eine Ärztliche untersuchen ab dem 50 Lebensjahr mit einführen??? Währe für alle doch das beste oder nicht?Führerschein N. N. – 01.09.10
Es bleibt nur zu hoffen dass es nicht auf Grund einer Unterzuckerung zu einem Unfall kommt. So viel Einsicht sollte sein, zumal man sich im öffentlichen Straßenverkehr befindet. Wenn erhebliche ärztliche Bedenken gegen die Fahreignung bestehen, muss schon aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung gehandelt werden und der Führerschein eingezogen werden. Vielleicht wäre eine lebenslange kostenlose Busfahrkarte ein gewisser Anreiz für den Betroffenen, sich von seinem Führerschein freiwillig zu trennen.