Applaus für Ariane Hussy (links). Poetry-Slam-Entwicklungshelfer Tobias Kunze aus Hannover wärmt das Publikum für den Wettstreit auf.
Peine. Weit origineller als sein Künstlername (Kai Nesau, keine Sau) ist der Text des 27-jährigen aus Barsinghausen. Der gelernte Altenpfleger erklärt, was ein Narkoleptiker sowohl in der Kfz-Zulassungsstelle als auch im Bett nach dem Sex tut: einfach einschlafen. Und in der H&M-Frauenumkleidekabine gibt es sogar Streicheleinheiten für den schlafsüchtigen Spanner. Nesaus Preis: ein nackter Ken mit aufgemaltem Arschgeweih.
Dass ein Barsinghäuser die Trophäe gewinnt, zeigt: Es hat sich in der Szene herumgesprochen, dass Peine einen Poetry Slam hat. Mitverantwortlich dafür ist Tobias Kunze. Der 28-jährige Rap-Poet hatte im September dem ersten jups-Poetry-Slam Starthilfe gegeben und war auch diesmal wieder als Anheizer dabei. Seit acht Jahren ist er auf nord- und westdeutschen Bühnen unterwegs und hat in diesen Tagen ein strammes Programm: Sonnabend Hamburg, Sonntag Göttingen, Montag Münster. Am Freitag aber erst einmal Peine.
Der Profi tritt außer Konkurrenz an und ermutigt die jungen Teilnehmer. Es sind vorwiegend jups-Autoren. Ariane Hussy (20) studiert seit Oktober in Passau und gewann den dortigen Poetry Slam drei Mal hintereinander. In der Garage slammt sie über Speed Dating, Kennenlernen im Geschwindigkeitsrausch. Rebekka Lenz (17) „besingt“ ihr Bett: „Kotzflecken, Tränenflecken, Schokokeksflecken.“ Und trotzdem: „Auf dir könnte ich alle meine zukünftigen Kinder gebären.“ Christian Opel (25) zittert vor Aufregung das Textblatt in der Hand.
Und die jüngste Teilnehmerin, die 15-jährige Saskia Ahlbrecht aus Vöhrum, reimt ohne Textblatt auf Englisch, dann vergisst sie ihren Text, macht aber nichts, viel Applaus gibt es trotzdem. Streicheleinheiten für alle.
Mathias Begalke