Waren von den Anschlägen betroffen: Ali Ihsan Yildirim vom Juwelier Dilan, Friseur Murat Yilmaz (Bild oben) und Ömer Benzer vor der zerstörten Scheibe.
Peine. Neonazis warfen in der Nacht zum Montag, 21. November 2011, einen Pflasterstein in das Schaufenster des Reisebüros Benzer an der Peiner Querstraße und zerstörten es. An der Schützenstraße wurden Fenster von Geschäften ausländischer Mitbürger mit Hakenkreuzen und antisemitischen Schriftzügen zerkratzt. Doch das war nicht der einzige braune Spuk in Peine: Am 4. Juni 2011 demonstrierten Rechte in der Peiner Innenstadt.
Deshalb hat Peines Bürgermeister Michael Kessler (SPD) die Mitarbeiter im Rathaus aufgerufen, sich heute an der Schweigeminute zu beteiligen. Auch die Vorsitzende der Peiner Landfrauen, Cornelia Könneker, hat einen Aufruf gestartet. Die von den Anschlägen betroffenen Peiner Geschäftsleute berichteten von einer großen Unterstützung der Bevölkerung (siehe Hintergrund). Sie wollen sich mit ihren Mitarbeitern ebenfalls an der Schweigeminute beteiligen. Ekrem Kocak, türkisch-deutscher Familienvater aus der Peiner Südstadt, hat die Schulen im Peiner Land angeschrieben und aufgefordert, dass sie bei der Schweigeminute mitmachen. „Das Ratsgymnasium hat mir schon geantwortet, Schüler und Lehrer wollen teilnehmen“, sagte Kocak.
Ömer Benzer vom Reisebüro Benzer erklärte: „Ich freue mich, wenn viele Peiner bei der Aktion mitmachen.“ Er habe viel Solidarität erfahren, viele Kunden seien extra vorbeigekommen, um sich von den rechten Anschlägen zu distanzieren. Das betonten auch Ali Ihsan Yildirim von Juwelier Dilan und Friseur Murat Yilmaz.
pif
Hintergrund
In der Nacht zum 21. November 2011 flog ein Stein in das Reisebüro Benzer an der Peiner Querstraße. Auch ein Imbiss am Rosenhagen war das Ziel rechtsgerichteter Randalierer. In der Schützenstraße zerkratzten die Täter die Schaufensterscheiben eines Friseurs und eines Juweliers. Die Polizei ging damals davon aus, dass die Täter rechtsgerichteter Gesinnung sind. Bei dem Juwelier wurden Hakenkreuze in das Schaufenster geritzt, beim Friseur hatten die Unbekannten antisemitischen Schriftzug in die Scheibe geritzt.
Am Imbiss waren die Täter beobachtet worden. Sie konnten jedoch unerkannt flüchten.
Als Folge gab es in Peine eine Welle der Solidarität mit den Inhabern der Geschäfte und den Gemeinschaften ausländischer Mitbürger. Bürgermeister Michael Kessler (SPD) hatte damals spontan zu einer Demonstration aufgerufen. Er erwartete etwa 300 Teilnehmer – und war am Ende sehr überrascht: Denn es kamen rund 1000 Peiner, um gegen die rechte Gewalt in Peine Flagge zu zeigen. Kessler hatte auch eine Belohnung von 1000 Euro zur Ergreifung der Täter ausgesetzt. Die Ermittlungen der Polizei waren aber bisher erfolglos.
Wichtig ist Kessler allerdings, dass es nicht bei einzelnen Aktionen gegen rechte Gewalt bleibt. Er hatte im Dezember zu einem „Runden Tisch gegen Rechts“ eingeladen.
Auch die Peiner SPD ist aktiv und bemüht sich, ein Bündnis für Toleranz und Demokratie ins Leben zu rufen. Das soll aber auf breiter Basis aufgestellt werden und nicht parteipolitisch geprägt sein, damit alle Demokraten mitgenommen werden können.
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