Podiumsgespräch: Es ging um musikalische Ausbildung.
Jazz-Duo: Alexander Ahlers (r.) und Florian Maurer.
Peine. Der Weg zu diesem ebenso erfreulichen wie erwarteten Gesprächsergebnis zeigte allerdings diverse Steine auf dem Weg zur musikalischen Reife auf: Überbelastung durch das „Turbo-Abitur“, ein für nicht alle Familien leicht zu schulternder Kostenanteil, zu wenig Musiklehrer in den allgemeinbildenden Schulen, der geringe Stellenwert von Musik in der Gesellschaft.
Für die 18-jährige Schülerin Lara Kuschmann ist das aktive Musizieren allerdings ein willkommener Ausgleich zum schulischen und häuslichen Lernstress. Das Argument des Zeitmangels lässt sie nicht gelten: „Wer Freude am Instrument hat, spielt auch darauf.“ Das bestätigten auch jene Musikschüler, die mit ihrem Konzertprogramm in den Gesprächspausen die Zuhörer erfreuten.
Elternvertreterin Christiane Borchert-Edeler gab die Kostenbelastung insbesondere für Familien mit mehreren Kindern zu bedenken. Gleichwohl, so SPD-Landtagsabgeordneter Matthias Möhle, sei musikalische Bildung längst kein elitärer Anspruch mehr. Im Gegenteil seien beispielsweise Musikinstrumente im Vergleich zu Artikeln Unterhaltungselektronik ausgesprochen günstig zu haben. Auch Andreas Stein, Schulleiter des Julius-Spiegelberg-Gymnasiums Vechelde, hielt fest: „Musisches Lernen sollte kein Privileg des bürgerlichen Milieus sein.“
Dass Sport und Musik in ihrem Bemühen, junge Menschen im Wortsinne zu bewegen, gemeinsam unterwegs seien, beteuerte der Kreissportbund-Vorsitzende Wilhelm Laaf und mahnte die Eltern zu verstärkter Förderung auch der musikalischen Bildung ihrer Kinder – selbst in Sportvereinen, die Musikausbildung beispielsweise in Spielmannszügen anböten.
Kreismusikschulleiter Daniel Keding erläuterte die unterschiedlichen Konzepte moderner Musikerziehung. Nicht nur so genannte „privilegierte Schichten“ profitierten von seiner Einrichtung. Durch deren Vernetzung mit allen Schulformen und Kindergärten erreiche man auch junges Klientel, das von Haus aus kaum mit Musik oder Gesang befasst sei. „Wir bieten Schülern ein Podium, auf dem sie sich beweisen können, geben der Musik unterschiedlicher Stilrichtungen den erforderlichen Stellenwert.“
Und dies, obwohl die Recherchen des Moderators, PAZ-Chefedakteur Dirk Borth, ergeben hatten, dass der Stellenwert von Musik in der gesellschaftlichen Wahrnehmung stetig sinke. Eine Tatsache, die auf dem Podium – was den Kreis Peine betrifft – vehement bestritten wurde.
Wie auch immer: Fraglos war es ein spannendes Gespräch, das mehr Zuhörer verdient gehabt hätte.
uj