Gerhard Hanusch.
Lengede. Als der Jubilar 1920 in Friedersdorf, Kreis Sorgau in der der Niederlausitz zur Welt kam, stöhnte Deutschland gerade unter den Folgen des Ersten Weltkrieges. Ein Jahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird Hanusch Soldat und hält 1943 nach seinem Wechsel zur Luftwaffe seinen „Flugzeug-Führerschein“ in Händen.
„Das ist meine Focke Wulf 190“ sagt er und deutet auf ein verblichenes gerahmtes Schwarz-Weiß-Foto. Einmal versagt ihm als Teilnehmer eines Flugverbandes von 120 Maschinen der Motor und er muss umkehren. Wie durch ein Wunder explodiert die Maschine bei der Bruchlandung nicht. „Zurückgekehrt sind von dem Einsatz nur 30 Kameraden“, sagt er leise. Im Januar 1945 überlebt er bei Thorgau den Abschuss seiner Maschine.
Weil er nach der Entlassung aus der Internierung nicht in die Niederlausitzer Heimat zurückkehren kann, verschlägt es ihn nach Braunschweig, später arbeitet er als Landwirtschaftshelfer in Bodenstedt.
Dort lernt er 1948 die 23-jährige Erika aus Michelsburg bei Waldenburg erstens kennen und zweitens so sehr lieben, dass im Januar 1949 geheiratet wird. Noch im gleichen Jahr kommt der Sprössling zur Welt. Ab 1955 wohnt die Familie in Lengede.
Als sich für den ehemaligen Himmelsstürmer die Gelegenheit ergibt, als Bergmann im Lengeder „Schacht Mathilde“ sein Geld nun unter Tage zu verdienen, zögert er nicht: „Sonst war ja keine Arbeit zu bekommen“.
Dass er nicht nur in der Luft und der Liebe Glück hatte, sondern auch zu den Überlebenden des Lengeder Grubenunglücks von 1963 gehört, hält er für ein weiteres goldenes Glied in der Kette der Glücksfälle seines Lebens. Seitdem feiert er mit dem inzwischen letzten der mit ihm geretteten Überlebenden, Emil Poley, jeweils am 1. November den Tag seiner Rettung als weiteren „Geburtstag“. Über das Unglück selbst spricht er wenig, wohl aber über die Gänsehaut, die ihn befällt, wenn er heute von Bergwerks-Katastrophen erfährt.
Seine geistige und körperliche Leistungsfähigkeit hält der einstige begeisterte Hobby-Gärtner für ein ebensolches Glück wie das Kompliment seiner Augenärztin zu seiner immer noch außergewöhnlich guten Sehkraft. Und so liest er jederzeit dankbar, was eingerahmt über dem Ehebett hängt: „Der Herr hat Großes an uns getan – des sind wir fröhlich“.
Ulrich Jaschek
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