Dorlis und Reiner Schirmer im Wohnzimmer in Osorno.
Lengede. Vor 54 Jahren packte Schirmer zwei Koffer und setzte mit einem französischen Frachter über. In der neuen Heimat machte er sich durch gute Arbeit schnell einen Namen. Schließlich wurde die Familie Schickedanz, Gründerin des inzwischen Pleite gegangenen Kaufhauskonzerns Quelle, auf ihn aufmerksam und stellte ihn als Gutsverwalter ein. Über seine Erfahrungen in Südamerika und die Zusammenarbeit mit der Familie Schickedanz schreibt Schirmer auf der Internet-Seite www.picaflor.de.
Auf der Seite sind auch Passagen seines Buches „Ein Leben zwischen zwei Kulturkreisen“ nachzulesen, dass er 2003 veröffentlicht hat. Das Buch stieß vor allem in seiner Heimat auf großes Interesse.
Um die deutsche Sprache zu pflegen, trifft sich Schirmer bis heute regelmäßig mit Landsleuten. „Wir finden uns zwei Mal pro Woche zum Kaffeeklatsch zusammen. Wir haben zwar alle verschiedene politische Interessen und Konfessionen, aber über allem steht die alte deutsche Heimat“, erklärt Schirmer. „Und da können auch kleine Meinungsverschiedenheiten das Gemeinsame nicht zerstören.“
Weiterhin beschreibt Schirmer die Situation in Osorno während und nach dem Erdbeben: „Hier bei uns im Süden, 300 Kilometer südlich des Zentrums, wurden wir in den drei Minuten der Dauer von einer Wand an die andere geworfen. Allein konnte man nicht auf dem Boden stehen, daher hatte ich hinterher Muskelkater. Straßen und Strom sind nun wieder funktionsfähig“, berichtet er.
Abschließend bleibt noch eine Frage zu klären: Macht Auswandern glücklich? „Finanziell vielleicht schon, aber in der Welt eine wirkliche, zweite Heimat zu finden, ist schwer. Wer nur in Deutschland gelebt hat, wird nie erfahren, in welches Paradies er hineingeboren wurde. Trotz ausfallender Klimaanlagen oder sonstiger, zu bemängelnder Kleinigkeiten.“
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Kommentare
Chile? Monarchist – 30.07.10
Wie kommt man denn auf Chile?? Das wäre mir so nie eingefallen.