Lengede. Kurzarbeit, Umsatzrückgang, gestoppter Produktionsumbau: Der Lengeder Landmaschinenhersteller Stoll steckt nach eigenen Angaben tief in der Krise. „Wir kämpfen täglich ums Überleben“, sagte Geschäftsführer Karsten Rewitz gestern auf PAZ-Anfrage. Stoll sei allerdings kein Ausnahmefall, der gesamten Branche gehe es schlecht.
Mehr als 250 Mitarbeiter seien momentan von Kurzarbeit betroffen. Das ist nahezu die komplette Belegschaft. In den vergangenen Monaten sei im Schnitt jeweils acht bis zehn Tage kurz gearbeitet worden. Regelmäßig fänden Gespräche zur weiteren Strategie mit dem Betriebsrat statt. Entlassungen seien aber nicht geplant. Rewitz: „Die Kurzarbeit hat sich bei uns als relativ guter Mechanismus erwiesen.“
Den Vorjahresumsatz von 85 Millionen wird Stoll in diesem Jahr kaum erreichen. Bei den Frontladern, mit denen das Unternehmen am meisten Geld verdient, seien die Umsätze um rund 30 Prozent eingebrochen, bei den Erntemaschinen sogar um 50 Prozent, sagte Rewitz, der als Hautpgrund das schleppende Auslandsgeschäft anführt. Vor allem in Osteuropa und Großbritannien sei die Nachfrage stark zurückgegangen. Zuwächse verzeichnet Stoll trotz Krise in Frankreich, wo der Vertrieb zu Jahresbeginn massiv ausgebaut wurde.
Auf Eis liegen derzeit die Pläne für den Produktionsumbau am Standort Lengede. „Solange wir weniger Geld verdienen, müssen wir sparen“, sagte Rewitz. Stoll hatte im Frühjahr begonnen, nach der Einführung der neuen Frontlader-Generation „Robust FZ“, die Produktion am Verwaltungsstandort zu konzentrieren.
Nicht sparen will Stoll bei seinem Messeauftritt bei der Agritechnica, die vom 10. bis 14. November in Hannover stattfindet. „Viele Landmaschinenhersteller haben in diesem Jahr abgesagt oder kleinere Stände gebucht“, sagte Rewitz. Stoll will dagegen einige Neuheiten präsentieren. Auch wenn Rewitz noch „kein Licht am Ende des Tunnels“ sieht, lautet sein Credo nach wie vor: Gestärkt aus der Krise gehen. Mit einem Ende der Rezession rechnet er frühestens im Frühjahr.
mic