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Lengede

Kampf um Gesamtschule gewonnen

Die Integrierte Gesamtschule in Lengede ist genehmigt. Nach langem Tauziehen zwischen dem Landkreis Peine und der zuständigen Landesregierung wurde gestern die Entscheidung verkündet. Die Schule soll noch im August diesen Jahres eröffnet werden.

Künftiger Gesamtschulstandort: In der Lengeder Hauptschule sollen einige der Unterrichtsräume enstehen.

© cb

Kreis Peine. Am Ende ging alles ganz schnell. „Die niedersächsische Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann hat mir heute telefonisch mitgeteilt, dass die Integrierte Gesamtschule in Lengede genehmigt ist“, sagt ein sichtlich erleichterter Landrat Franz Einhaus (SPD). Vorausgegangen war ein monatelanges Hin-und-Her zwischen dem Landkreis Peine als Schulträger und dem Kultusministerium als Genehmigungsbehörde.

Doch von dem Streit will heute niemand mehr etwas wissen. „Wir sind froh über die Entscheidung und danken der Ministerin“, sagt Einhaus. Im Gespräch mit der PAZ sagte Heister-Neumann (CDU) gestern: „Ich wünsche der IGS in Lengede, dass sie eine gute Schule wird.“ Die Ministerin hatte bereits vergangene Woche von der Landesschulbehörde die Bestätigung erhalten, dass nun alle Voraussetzungen für die Integrierte Gesamtschule in Lengede erfüllt seien und das Schreiben abgezeichnet. Heister-Neumann unterstrich dabei, dass die zweite Elternbefragung keine Schikane, sondern notwendig gewesen sei. „Eine neue Schule muss auch Sicherheit haben“, sagte die Ministerin. So müsse später auch die Frage, ob es an der Integrierten Gesamtschule in Lengede eine gymnasiale Oberstufe gibt, in einem weiteren Genehmigungsverfahren geprüft werden.

„Ich freue mich sehr“, sagt Lengedes Bürgermeister Hans-Hermann Baas (SPD). „Wir haben über fünf Jahre für diese Schule gekämpft“, erklärt der Verwaltungs-Chef weiter. Er wertet die Gesamtschule als Stärkung des Schulstandortes Lengede. Das unterstreicht auch der Lengeder CDU-Vorsitzende Michael Kramer. Er hatte die Entscheidung für Lengede als einer der ersten im Kreis erfahren, da er kurzerhand im Ministerium angerufen hatte. „Die CDU-Lengede begrüßt die Sicherung des Schulstandortes in unserer Gemeinde. Damit ist von der Landesschulbehörde dem Drängen zahlreicher Eltern nach Einrichtung einer zweiten Gesamtschule im Landkreis Peine gefolgt.“

Der Zeitplan bis zur Eröffnung der Schule im August diesen Jahres ist eng getaktet. So soll Anfang Februar eine Arbeitsgruppe unter Leitung der Landesschulbehörde ins Leben gerufen werden (siehe Stichwort). Die Experten arbeiten das pädagogische Konzept der neuen Schule aus, ermitteln den Personalbedarf und entwickeln einen Plan, wie die Gesamtschule parallel zu den bestehenden Schulformen eingeführt werden soll. Denn Haupt- und Realschule laufen weiter – es ist gesichert, dass alle Schüler den Abschluss an „ihrer“ Schule machen können. Die Haupt- und die Realschule laufen allerdings sukzessive aufsteigend aus. Das bedeutet, dass es an diesen beiden Schulen zum nächsten Schuljahr keine fünfte Klassen mehr gibt – und so weiter.

Um über weitere Details zu sprechen, will der Landrat das Genehmigungsschreiben abwarten, in dem zum Beispiel noch genau technische und räumliche Anforderungen formuliert werden. An Zahlenspekulationen über mögliche Kosten eines Umbaus der bestehenden Schule wolle er sich deshalb nicht beteiligen.

Michael Lieb und Tobias Mull

Stichwort

Der lange Weg zur Gesamtschule

Mitte Februar 2009 war die politische Entscheidung gefallen, eine zweite Integrierte Gesamtschule im Kreisgebiet zu errichten. Auf Grundlage einer Untersuchung des Schulexperten Karl-Heinz Uflerbäumer hatte sich Lengede als Standort durchgesetzt. Es folgten politische Diskussionen im Kreis, da die CDU gegen die SPD-Pläne einer zweiten Gesamtschule stimmten.

Außerdem kam es zu Verzögerungen, weil das Land nach einer ersten Elternbefragung argumentiert hatte, dass die Schülerzahlen im Schuljahr 2016/17 nicht mehr ausreichen würden. Deshalb wurde die Befragung kurzerhand wiederholt – mit eindeutigem Ergebnis: Neben den gesetzlich geforderten Mindestschülerzahlen der Klassen eins bis vier sind auch die mittel- und langfristigen Bedarfsfeststellungen erreicht worden. Die Debatte um die Gesamtschule gewann immer mehr an Schärfe. SPD-Kreistagsfraktions-Vorsitzender Günter Hesse schlug dabei sogar vor, im Zweifelsfall das Land zu verklagen. Gestern wurde die Entscheidung bekannt, dass die Gesamtschule genehmigt wird.

mu

Hintergrund

Gebundene oder offene Ganztagsschule

So groß die Freude im Kreis, so groß die Kritik beim Thema Nachmittagsangebot. Bisher hatte die Integrierte Gesamtschule eine pädagogische Sonderstellung inne – sie war per Definition eine Ganztagsschule. Dies ist im aktuellen Schulgesetz der Landesregierung jedoch nicht mehr vorgesehen. Gesamtschulen sind nun nicht mehr „gebundene“ Ganztagsschulen mit verbindlichem Nachmittagsunterricht, sondern „offene“ Ganztagsschulen, die an drei Nachmittagen in der Woche freiwillige Angebote machen. Bei der Neugründung einer Integrierten Gesamtschule muss der Antragsteller auf zusätzliche Ressourcen wie Lehrerstunden und Geld seitens des Landes verzichten. Für ein erweitertes Ganztagsangebot muss zum Beispiel auf Vereine oder andere Institutionen zurückgegriffen werden. Landrat Franz Einhaus (SPD) macht finanzielle und politische Gründe dafür verantwortlich. „Wir sind aber überzeugt, dass sich da in dem kommenden Jahren etwas ändern wird“, sagt er.

mu

Stichwort

Planungsgruppe

Erster Schritt zur Vorbereitung der fünfzügigen Integrierten Gesamtschule in Lengede ist die Einrichtung einer acht- bis zehnköpfigen Planungsgruppe. Diese soll bereits im Februar die Arbeit aufnehmen. Laut Dr. Christian Zachlod von der Landesschulbehörde in Lüneburg werden noch diese Woche sämtliche Kollegien im in Frage kommenden Umkreis von Lengede angeschrieben, um dort für die Mitarbeit in der Planungsgruppe zu werben. Im Zuge dieses Verfahren wird auch ein Leiter oder eine Leiterin für die Planungsgruppe gesucht.
Aufgabe der Planungsgruppe ist unter anderem die Vorbereitung der Curricula, also der Ausbildungsmodule. „Es muss zum Beispiel geklärt werden welche Themen wann dran sind“, erläutert Zachlod. Außerdem müssten neue Lehrbücher angeschafft werden. Eine wesentliche Aufgabe sei es auch, die Eltern über die Schule zu informieren.
Auch das Raumkonzept, insbesondere das für die Fachräume, muss von der Planungsgruppe eruiert werden. „Der Bedarf an einer IGS ist ganz anders als beim dreigliedrigen Schulsystem, da es statt Biologie, Chemie und Physik nur das integrierte Fach Naturwissenschaften gibt. Darüber hinaus müssen Lehrerzimmer und Verwaltung eingerichtet werden. Laut Zachlod zeige die Erfahrung, dass zur Vorbereitung einer IGS ein Schulhalbjahr ausreicht.

mic


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