Potsdam-Lengede. „Es war eine sehr emotionale und intensive Erfahrung“, beschreibt die Lengeder Lehrerin Sabine Rollwage ihre Eindrücke. Ein Schüler habe ihr hinterher erzählt, dass ihm jede Minute auf dem Friedhof im Gedächtnis geblieben ist. Erstaunt waren die Lengeder darüber, dass man ihnen vor der Friedhofskapelle heißen Tee servierte. Aufgrund der großen Anzahl der Trauergäste passten nicht alle hinein.
Der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs würdigte Frohwein als „Mahner“. Eine wichtige Stimme sei nun für immer verstummt. Mario Schubert, Geschichtslehrer an der Lengeder Realschule, sagte, was Frohwein geleistet habe, vermöge kein Geschichtsbuch. Bei seinen Besuchen in Lengede gelang es dem gebürtigen Berliner stets, von Zwangsarbeit und Gräuel zu erzählen – und das ganz ohne Hass und Wut. „Weil ditt nüscht bringt“, hatte Frohwein immer wieder mit der typisch Berliner Schnauze betont.
Am Grab Frohweins hatte dann der Chor der Realschule seinen großen Auftritt: Die sechs Schüler sangen das Gospel-Lied „Amazing Grace“. Schulleiter Jan-Peter Braun und Schülervertreterin Lena Pawelczyk legten einen Kranz aus weißen Rosen mit der Aufschrift „Du lebst in uns weiter – Deine Schule“ nieder. Nachdem die Urne herab gelassen worden war, warfen Schüler und Lehrer ebenfalls weiße Rosen ins Grab. Mit einer weißen Rose – symbolisch für den Widerstand gegen die Nazi-Diktatur – hatte sich Frohwein bei seinen Besuchen in Lengede stets bei seinen Freunden bedankt.
Die Umbenennung der Realschule in Willi-Frohwein-Realschule hatten seinerzeit Lengeder Schüler angeregt. Mit diesem Akt wollten sie ihm symbolisch seinen Namen, den er als Häftling mit der tätowierten Nummer 122785 in Auschwitz, Dora/Nordhausen und Bergen-Belsen eingebüßt hatte, zurückgeben.
mic