Der Punkrock-Barde A. Kuersche rockte die Stellmacherei, das Publikum ging mit.
Lahstedt-Gadenstedt. Man hätte vielleicht schon ahnen können, dass es sich bei dem drahtigen Menschen im grün-weiß gestreiften Poloshirt und hochwasserkurzen blauen Baumwollhosen nicht um einen betulichen Folk-Gitarristen handelt, der sich an Bob Dylan Songs abarbeiten wird. A. Kuersche strahlt pure Energie aus, hibbelt, springt und ruckt vor seinen mannshohen Boxen hin und her und vermittelt in der kaminwarmen Stellmacherei die Attitüde eines Punkrock-Gitarristen, der eben einfach mal ohne Band rockt.
„Hallo zusammen! Bin ich zu laut?“, fragt er in den Applaus nach dem ersten Stück hinein. „Ey, ich spiele hier leiser als in meinem Proberaum. Okay, nächste Lied.“ Ausfallschritt, Gitarre auf Kniehöhe und wieder volle Kanne in die Saiten gehämmert. Kuersches Lieder bestechen durch ihre stets harmonischen Phrasierungen, in die sich nur selten schräge Akkorde mischen. Über allem thront die großartige Stimme des Hannoveraners, die sich selbst noch in ihren Obertönen und im gefühlzartesten Schmelz der wenigen Balladen nach einer herb-kehliger Liverpooler Kneipenband anhört.
Neben dieser rauen, leidenschaftlichen Stimme hinterlässt die schier unerschöpfliche Energie und Ausdauer der rechten Schlaghand den stärksten Eindruck. A. Kuersche haut so kraftvoll, präzise und akzentuiert in die Saiten, dass man die fehlende Rhythmusgruppe Schlagzeug und Bass zu keinem Zeitpunkt vermisst.
Und er ist ein famoser Selbstdarsteller: Selbstironische Kommentare zur unerträglichen Ulkigkeit des Seins, bewusst abgebrochenen Sätze vor der erlösenden Pointe, die jeder Zuhörer für sich selbst ergänzen kann und – das Publikum kräht vor Vergnügen.
Zugabe? Na klar, und zwar gleich ungefragt, weil es draußen zu kalt ist, um zu warten. Hammer!
wu
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