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Der Autist Dr. Peter Schmidt aus Gadenstedt

Ein Leben hinter der unsichtbaren Mauer

Als Vierjähriger wollte er wissen, wie es hinter dem Horizont aussieht, als Jugendlicher zeichnete er seine Schulbücher mit Autobahnskizzen voll und auch als Erwachsener fühlte er sich „einfach anders“. Im Alter von 41 Jahren bekam er dann die Diagnose: Autismus.
Klare Strukturen: Dr. Peter Schmidt stellt seine Weltsicht in der documenta-Halle aus.

Klare Strukturen: Dr. Peter Schmidt stellt seine Weltsicht in der documenta-Halle aus.

© oh

Gadenstedt. Aus Anlass des heutigen Welt-Autismus-Tages erzählt Dr. Peter Schmidt aus Gadenstedt über seine „besondere Rolle im Lebensfilm“ und sein Motto „Wer neue Wege finden will, muss ohne Wegweiser auskommen“.

„Autismus ist wie eine geheimnisvolle, unsichtbare Mauer. Sie blockiert den emotionalen Zugang zu allem, was zwischenmenschlich abläuft“, bringt Dr. Peter Schmidt seine Beeinträchtigung auf den Punkt. „Und das bringt viele Nachteile mit sich, die der Autist ohne dieses Problem nicht hätte.“ Der Gadenstedter erzählt, dass es immer dann, wenn sein Autismus der Intelligenz im Wege steht, zu einem bizarren Emotions-cocktail aus Frust, Trauer, Wut und Verzweiflung kommt.

Erst mit 41 Jahren hat Schmidt erfahren, dass er hoch funktionaler Autist mit einem ausgeprägtem Asperger-Syndrom ist. Bis dahin türmten sich lediglich ungezählte Warum-Fragen. „Gerade im Bereich der Sprache der Emotionen gab es ein Geheimnis, das auf Enthüllung wartete“, erklärt der Gadenstedter. So wie ihm das Verhalten seiner Mitmenschen rätselhaft erschien, so erschien den Menschen sein Verhalten oft als undurchschaubar. Bis zu jenem 6. Februar 2007.

Beim Zappen blieb er bei einem Film hängen, in dem eine chemische Versuchsapparatur sein Interesse weckte. Daran werkelte ein 18-jähriger Junge, in dem er sich spontan wiedererkannte. Der sollte angeblich ein Asperger-Syndrom haben. Dann kam ein seltsamer Traum von einem verlorenen Autoschlüssel. „Und als ich den Schlüssel im Traum wiederfand, stand auf dem blinkenden Metall dieses merkwürdige Wort mit dem Syndrom“, erinnert sich Schmidt.

Als Asperger-Syndrom wird dabei eine besondere Form des Autismus bezeichnet, was wiederum als tiefgreifende Entwicklungsstörung beschrieben wird. Autismus gilt als eine angeborene, unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns, die Schwächen in sozialer Interaktion und Kommunikation sowie stereotype Verhaltensweisen nach sich zieht.

„Dieser Traum war für mich der Moment des Verstehens. Der Moment des Schocks, der Moment der Erleichterung“, sagt der heute 45-Jährige. „Ich erkannte meinen Lebensfilm und die Rolle darin: Autist.“

Seit diesem Erlebnis hat sich sein Leben in vielen Bereichen verändert. So hält der Gadenstedter bundesweit Vorträge zum Thema Autismus. Dabei schildert er sein inneres Erleben von Alltagssituationen, gibt dem Publikum aber stets auch wertvolle Hinweise, wie man mit autistischen Menschen umgehen sollte.

Natürlich wurde Schmidt auch zum heutigen Welt-Autismus-Tag mehrfach angefragt. Aber an diesem Tag ist er noch in Damaskus. Syrien ist für ihn noch eine zu schließende Lücke in der großen Überlandroute von Gadenstedt nach Kapstadt. Denn die bereits im Kindesalter ausgeprägte Sehnsucht nach der Ferne ist Peter Schmidt geblieben. Abenteuerreisen jenseits der Touristenrouten haben ihn fast rund um den gesamten Globus geführt. „Wer neue Wege finden will, muss eben wirklich ohne Wegweiser auskommen“, sagt Schmidt mit einem Lachen.

mu


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