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Hohenhameln-Mehrum

Vier Jahrzehnte Kunst auf einem Bauernhof

Kunstwerke aus vier Jahrzehnten kann man auf einem alten Bauernhof in Mehrum bestaunen: Dort lebt seit den 1970er-Jahren der Bildhauer Hans-Tewes Schadwinkel. Und dort stößt man überall auf seine Skulpturen: In der Scheune, auf dem Dachboden, im Garten.
Umringt von Kunst: Der Bildhauer Hans-Tewes Schadwinkel in seiner Werkstatt in Mehrum. Vor ihm auf dem Tisch steht ein Spiel, das er selbst geschnitzt hat. Die Skulptur rechts im Text ist im Original drei Meter hoch und drückt Angst aus.

Umringt von Kunst: Der Bildhauer Hans-Tewes Schadwinkel in seiner Werkstatt in Mehrum. Vor ihm auf dem Tisch steht ein Spiel, das er selbst geschnitzt hat. Die Skulptur rechts im Text ist im Original drei Meter hoch und drückt Angst aus.

Kleines Museum: Schadwinkel besitzt Tausende Klingen.

Kleines Museum: Schadwinkel besitzt Tausende Klingen.

© sur/5

Mehrum. Sogar die Stühle in der Scheune sind Kunstwerke: Schadwinkel hat sie aus ganzen Baumstämmen geschnitzt, sie wiegen jeweils anderthalb Zentner. Noch massiver sind die vielen Skulpturen auf dem Dachboden, die der Künstler teils detailreich mit dem Messer geschnitzt, teils grob mit der Kettensäge bearbeitet hat.

Studiert hat Schadwinkel in den 1970er-Jahren in Hannover – und er ist überzeugt, dass der Zeitgeist aus den Anfangsjahren fürs Leben prägt. „Ich kann bei Kollegen an der Arbeit erkennen, in welcher Zeit sie studiert haben“, sagt der Bildhauer.

Auch die Kindheit prägt, und Hans-Tewes Schadwinkel ist ein Kriegskind. Acht Jahre war er alt, als seine Familie 1945 aus Pommern floh – und den Schrecken des Krieges sieht man vielen seiner Skulpturen an. Eine scheint vor Angst zu zittern, eine andere baumelt am Galgen von der Decke, eine dritte sieht aus, als habe ihr ein Schuss den Hinterkopf zerfetzt.

„Meine Tante hat so einen Schuss überlebt“, erzählt Schadwinkel. „Die Russen haben sie 1945 in Magdeburg an die Wand gestellt. Zwei Tage lag sie da, dann hat ihre Tochter sie gefunden und mit dem Bollerwagen nach Hannover gebracht. Zu Fuß und ohne ärztliche Versorgung.“

Doch längst nicht alle seine Werke sind von Krieg und Leid geprägt. Schadwinkel hat auch unzählige kurvige Frauenfiguren geschnitzt, und er hat Holzbalken wie Puzzleteile zu abstrakten Kunstwerken zusammengefügt, die an ein Katapult oder an die Waage der Justitia erinnern – das liegt im Auge des Betrachters.

sur

Im Atelier schlummern Tausende Werkzeuge

Mehrum. Mit den Werkzeugen des Bildhauers könnte man ein Museum bestücken: Hans-Tewes Schadwinkel sammelt Klingen von Beilen und Äxten. Er besitzt Tausende davon, die ältesten stammen aus vorchristlicher Zeit.

„Damit haben die alten Germanen Bäume zerhackt“, sagt Schadwinkel und nimmt eine Eisenklinge aus dem Regal. Sie stammt aus dem Jahr 200 oder 300 nach Christus, schätzt er. Er besitzt Klingen aus dem Mittelalter und slawische Äxte, deren Klingen stärker gekrümmt sind als die germanischen.

Die Sammelwut fing schon im Studium an: Von 1965 bis 1974 hat Schadwinkel in Hannover Bildhauerei studiert. „Im Studium lernt man ja nur das Intellektuelle, die Theorie“, sagt er. „Das handwerkliche muss man sich selbst beibringen, zum Beispiel wie man das Werkzeug halten muss oder wie viel Widerstand das Holz hat.“

Als junger Student wusste Schadwinkel deshalb noch nicht, welches Werkzeug er überhaupt braucht – und begann zu sammeln. „Ich habe wahllos welches gekauft und ausprobiert“, erzählt er.

Sein Werkzeug fand er auf Flohmärkten, in Werkstätten, auf dem Schrottplatz. Irgendwann fing er an, sich für die Geschichte der Beile und Äxte zu interessieren, verglich die Formen und fand heraus, wie alt die Werkzeuge ungefähr sind. Gern würde Schadwinkel seine Sammlung an ein Museum abgeben. „Aber die nimmt keiner, weil es so viel ist.“

sur


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