Krankenhaus auf Rädern: Mit diesem Wagen ist die Besatzung der Hohenhamelner Rettungswache unterwegs.
Die Rettungsassistenten Thomas Kuss (links) und Sven Wansner schieben die Trage aus dem Krankenwagen. Wenn der Pieper schrillt, müssen sie sofort losfahren.
Hohenhameln. Erst eine Woche ist es her, da raste nachts noch der Rettungswagen aus Peine mit Blaulicht über die Bundesstraße nach Hohenhameln. In 13 Minuten müssen die Retter am Einsatzort sein, jedenfalls in 93 Prozent der Fälle – so hat es das Rote Kreuz mit dem Landkreis vereinbart.
„Nachts schafft man es in der Zeit von Peine nach Hohenhameln“, sagt Karl-Heinz Nowa, Leiter des Rettungsdienstes beim DRK. Weil der Krankenwagen manchmal aber auch bis nach Harsum oder Sehnde muss, ist die Rettungswache im Hohenhamelner Rathaus jetzt dauerhaft rund um die Uhr besetzt – nach einer Versuchsphase, in der es nur alle zwei Wochen einen nächtlichen Bereitschaftsdienst gab.
Wenn der Pieper schrillt, sind die Retter in 30 Sekunden im Auto. „Sobald das Ding los geht, geht es von Null auf Hundert“, sagt Andreas Christ vom DRK Peine. Im Wagen schalten die Retter das Funkgerät an, lassen sich durchgeben, wo sie hin müssen und was passiert ist – und brausen los. Im Wettlauf gegen die Zeit bringen sie Schlaganfall-Patienten in die Klinik oder versorgen Unfall-Opfer. Manchmal wird sogar im Auto operiert.
Der aufregende Beruf kann aber mitunter ganz schön langweilig sein. Die Retter arbeiten immer zu zweit und in Zwölf-Stunden-Schichten, von sieben bis sieben. Manchmal fahren sie zehn Einsätze am Tag – und manchmal passiert gar nichts. Dann sitzen sie stundenlang auf dem Sofa in der Wache. Theoretisch dürfen sie auch dösen – „aber es kann ja jederzeit der Pieper losgehen“, sagt Rettungsassistent Thomas Kuss. Er spricht von einem „Beruf der Extreme“, auch wenn er sich inzwischen an die Anspannung gewöhnt hat und daran, dass es nicht jeder Patient schafft. „Wenn ich abends die Tür zu mache, denke ich da nicht mehr dran“, sagt er. „Wenn man in diesem Beruf das Abschalten nicht lernt, geht man daran kaputt“.
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„So ein Auto ist eine kleine Intensivstation“, sagt Rettungsassistent Sven Wansner. An den Wänden hängen Defibrillator, Beatmungsgerät und EKG – damit können die Retter die Sauerstoffversorgung des Patienten messen oder seine Herzfrequenz.
Sogar kleine Operationen sind im Wagen möglich, etwa wenn eine offene Wunde genäht oder ein zerquetschter Finger amputiert werden muss. Dafür muss allerdings ein Notarzt mit an Bord sein. In der Rettungswache in Hohenhameln ist kein Arzt stationiert – der kommt, wenn nötig, mit dem Auto aus Peine. Und ist der Peiner Notarzt schon anderswo im Einsatz, fliegt sein Kollege mit dem Hubschrauber aus Wolfenbüttel oder Hannover her.
Im Rettungswagen lagern in etlichen Einbau-Schränken und Schubkästen Verbandsmaterial, Medikamente und Beatmungs-Schläuche. „Alle unsere Wagen sind exakt gleich eingerichtet – die Besatzung ist ja nicht immer mit dem selben Auto unterwegs“, erklärt Karl-Heinz Nowa vom DRK. Finanziert wird der Rettungsdienst von den Krankenkassen: Eine Blaulichtfahrt kostet 215 Euro, ein einfacher Krankentransport bis 50 Kilometer 79 Euro. „Das ist günstiger als ein Taxi“, sagt Nowa.
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