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Hohenhameln-Mehrum

Baby-Helm: Streit mit der Krankenkasse

Heide Löhr aus Mehrum ist sauer: Weil ihr sieben Monate alter Sohn Henrik einen „windschiefen Kopf“ hat, braucht er einen Baby-Helm. Sonst drohen laut Arzt-Gutachten schwere Folgeschäden. Doch die Krankenkasse weigert sich, die Kosten zu übernehmen.
Kämpft für die Hilfe für ihren Sohn Henrik: Heide Löhr aus Mehrum will zur Not den Rechtsweg gehen, um von der Krankenkasse den wichtigen Helm bezahlt zu bekommen.

Kämpft für die Hilfe für ihren Sohn Henrik: Heide Löhr aus Mehrum will zur Not den Rechtsweg gehen, um von der Krankenkasse den wichtigen Helm bezahlt zu bekommen.

© azi

Mehrum. „Man fühlt sich wirklich allein gelassen“, sagt Löhr. Auf dem Kopf ihres Sohnes sitzt ein weißer Plastikhelm – eine sogenannte Kopforthese. „Henrik lag im Mutterleib lange auf einer Seite“, so die 35-Jährige. Die Folge: Henriks rechte Kopfseite war nicht gerundet, sondern flach.

Laut Hannelore Willenborg, Fachärztin für Kinderorthopädie am Diakoniekrankenhaus Annastift Hannover, erfordert die Verformung eine umgehende Helm-Behandlung. Sonst drohe später eine „kostspielige und langwierige kieferorthopädische Behandlung“. Auch mit psychosozialen Problemen sei zu rechnen, weil Henriks Kopfform „stark von der Norm abweicht“.

Doch die Krankenkasse weigert sich, die Kosten in Höhe von 1800 Euro zu übernehmen. Die Begründung der Barmer GEK: Die Leistungspflicht einer gesetzlichen Krankenversicherung setze eine Krankheit voraus. Laut Landespressesprecher Michael Erdmann ist bisher aber nicht geklärt, wie schief ein Kopf sein müsse, um von einer Krankheit auszugehen. Es handele sich um eine „wissenschaftliche Grauzone“.

Ein Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) geht noch weiter: Um sicher zu sein, ob eine Kopf-Verformung wirklich zu Funktionsstörungen oder einer Behinderung führt, brauche es weitere Untersuchungen. Das wollte Löhr nicht abwarten. Sie legte Widerspruch ein. Mittlerweile sogar zweimal.

Nun beschäftigt sich der Widerspruchsausschuss der Barmer GEK mit dem Fall. Bei einer Ablehnung bleibt Löhr nur der Rechtsweg. Die Mehrumerin hofft, dass es dazu nicht kommt: „Klar ist aber, dass wir uns nach einer anderen Krankenversicherung umschauen werden.“


HINTERGRUND: Die Stellungnahme der Barmer GEK zu Baby-Helmen

Baby-Helme gibt es seit 1979. Dennoch handelt es sich laut Barmer-Landespressesprecher Michael Erdmann um eine „Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethode (NUB)“. Der therapeutische Nutzen sei nicht ausreichend belegt.

Außerdem ist ein windschiefer Kopf laut dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen keine „lebensbedrohliche oder vergleichbare Erkrankung“, die „den Einsatz einer NUB rechtfertigen würde“.

Stattdessen empfiehlt die Barmer GEK Physiotherapie und Mobilitätsübungen. „Wir gehen davon aus, dass sich die Kopfform mit der Zeit von allein normalisiert“, erklärt Erdmann. Ein Helm würde diesen Prozess lediglich beschleunigen. Sollte sich die Asymmetrie von Henriks Kopf dagegen verstärken, müsse man den Fall neu begutachten.

Das sieht Hannelore Willenborg, Fachärztin für Orthopädie, anders: „Wir haben schon mit einer Therapie begonnen, da sonst wertvolle Zeit verstrichen wäre.“ Ihrer Meinung nach wäre der Kopf ohne Helm in der gleichen Form weitergewachsen: „Wodurch die Therapie erfahrungsgemäß immer langwieriger geworden wäre.“

Auch Achim Balkhoff, Leiter der Unternehmenskommunikation der Diakonischen Dienste Hannover, zeigt für die Haltung der Barmer GEK wenig Verständnis: „Andere Krankenkassen zahlen sofort.“

azi


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