Im Wohnzimmer hat sich Hans Lots eine Ecke mit Erinnerungen an die Zeit auf der Schleswig-Holstein eingerichtet. Im Mittelpunkt stehen weniger seine Kriegserlebnisse als die Weltreise, die er auf dem Linienschiff unternahm.
Edemissen. „Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen“, lauten die Worte, mit denen Adolf Hitler den Beginn des Zweiten Weltkrieges im Rundfunk verkündete. Eine Lüge, gleich in mehrfacher Hinsicht. Denn angriffen wurde Hitler-Deutschland von Polen nicht. Um 4.45 Uhr hatten Soldaten des Linienschiffes Schleswig-Holstein das Feuer mit 28-Zentimeter-Kanonen auf die Westerplatte eröffnet.
„Es hieß: ,Alle auf Gefechtsstationen‘. Dann hörten wir schrille Glocken“, schildert Hans Lots die Minuten vor dem Angriff. Der heute 90-Jährige aus Edemissen war Werksgast beim Maschinenpersonal auf der Schleswig-Holstein. Zuvor hatte die Mannschaft antreten müssen. Im Schatten der mächtigen Kanonen erfuhren Soldaten und Seeleute, dass es kein friedlicher Besuch an der Weichsel werden sollte. „Wir kamen zur Befreiung Danzigs, wie uns gesagt wurde“, erinnert sich Lots an die Worte aus der Nazi-Propaganda.
„Als dann tatsächlich der Angriff begann, haben wir uns gefragt, was die da für einen Blödsinn machen – die wollen doch wohl keinen Krieg anfangen“, sagt Lots. Viele seiner Kollegen auf dem Schiff hätten ähnlich gedacht. Doch gleichzeitig marschierte die Wehrmacht in Polen ein. Polnische Reiterverbände setzten sich verzweifelt gegen deutsche Panzer zur Wehr – vergeblich. Von all dem bekam Lots auf der Schleswig-Holstein nichts mit.
Am 7. September kapitulierten die Polen auf der Westerplatte. „Wir vom Maschinenpersonal besichtigten die Festung anschließend“, sagt Lots und zeigt eine Erinnerungsplatte mit Granatsplittern, auf dem eine Plakette mit den Daten des Beschusses prangt.
Nachdem die Schleswig-Holstein die Danziger Bucht verlassen hatte, steuerte sie die Landzunge Hela an. Dort hielten sich polnische Verbände, „die sollten wir mit dem Schiff kampfunfähig machen“, hieß es offiziell. Als die Schleswig-Holstein das Feuer auf die Landzunge eröffnete, fing sie sich einen Treffer der Gegenseite ein.
Danach verließ er die Schleswig-Holstein und ging mit einem Sonderkommando nach Norwegen. Die meisten Jahre des Weltkrieges verbrachte er dort in eher ruhigem Fahrwasser auf einem Vorpostenboot. „Wir sollten Sabotage verhindern“, erzählt er. Stürmisch im wahrsten Sinne des Wortes wurde es für Lots erst in den letzten Kriegsjahren. Er musste Nachschub um das Nordkap bringen. Oft wurden die Schiffe der Deutschen dabei von der russischen Luftwaffe beschossen. Nachdem die Deutschen 1945 kapituliert hatten, fuhr Lots unter britischem Kommando weiter – zum Minenräumen. Nur den Adler musste er von seiner Uniform entfernen.
pif
Kommentare
Norwegen sapmi – 04.09.09
Ich vergass das Jahr dieser Schandtaten zu erwähnen: 1944!Norwegen sapmi – 04.09.09
Unlängst besuchte ich im Kreise einer schwedischen Reisegruppe Honningsvag und Hammerfest in Norwegen. Hinweis der schwedischen Reiseleiterin: "Im August wurde Hammerfest von der Besatzungsmacht evakuiert, danach gesprengt und angezündet; Honningsvag (Hauptort der Nordkapkommune) ereilte im Oktober das selbe Schicksal, allerdings wurden dort vor der Evakuierung als weitere Schandtat alle Tiere erschossen." (Wer diese Besatzungsmacht war muss nicht erwähnt werden!) Dennoch finden sich auch heute noch Menschen, welche bei all dem Leid, das Deutsche während des Naziregimes über die Welt brachten, den Satz über die Lippen bringen: "Er hatte aber auch seine gute Seiten, denke man nur an die Autobahnen"! So eine Dame bei einer Silvesterfeier vor einigen Jahren in nüchternem Zustand!