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„Wir geben den Menschen ein Gesicht“

Bodenstedt „Wir geben den Menschen ein Gesicht“

Historische Fahndungsblätter, Dorfchroniken, Lazarettakten – durch all das hat sich der Historiker Dr. Jens Binner gearbeitet, um das Thema „Zwangsarbeit im Landkreis Peine während des Zweiten Weltkrieges“ zu durchleuchten. Freitagabend hat er seine Ergebnisse in einem Vortrag in den ZeitRäumen der Hofstelle in Bodenstedt präsentiert.

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Historiker Jens Binner (links) sprach vor zahlreichen Gästen in Bodenstedt.

Quelle: ju

Bodenstedt. „Ich bringe Dokumente zum Sprechen“, sagt Binner, der zweiter Vorsitzender des Kreisheimatbundes Peine ist. Aus welchen Ländern kamen die Zwangsarbeiter? Wie verlief ihr Weg in den Landkreis Peine? Wie ist es ihnen hier ergangen?  Antworten auf diese Fragen hat Binner in historischen Aufzeichnungen gefunden.

Akribisch und respektvoll hat der Historiker unter anderem alte Peiner Ortschroniken durchsucht. „Sie sind besonders wichtig, da sie eine weite Verbreitung finden“, so Binner. „Allerdings kommen darin häufig nur deutsche Zeitzeugen zu Wort.“

Gearbeitet haben die Zwangsarbeiter oft in der Landwirtschaft, aber vor allem auch in der Schwerindustrie und im Bergbau. So beschäftige die Ilseder Hütte Zwangsarbeiter, ebenso wie das Peiner Walzwerk. Dokumente dazu hat Binner unter anderem von Udo Meier, Betriebsratsvorsitzender der Peiner Träger, erhalten, der etwa einen alten Lageplan zur Unterbringung der Zwangsarbeiter vor der Vernichtung bewahrt hat. „Auch die Ilseder Hütte müsste mehr die Aufklärung fördern“, sagte Binner.

Auch alte Zeitungen hat Binner in seine Arbeit einbezogen. „Sie haben die Zeit allerdings stark propagandistisch begleitet“, so Binner. Zudem fände man häufig Berichte zu den Verordnungen der Polizei, die in gemeinsamen Treffen der Zwangsarbeiter im Park oder etwa in einer Karussellfahrt auf dem Schützenfest ein „anmaßendes Verhalten“ sah.

Auch im Schriftgut der Verwaltung und in Kriegschroniken, die jedes Dorf fertigen musste, sowie aus Personalkarten der Arbeitskommandos  konnte Binner Informationen sammeln. „Häufig findet man darauf Eintragungen über Fluchten“, so Binner. „Das war ihre häufigste Widerstandshandlung, die mit verschärften Arresten oder sogar mit dem Tod bestraft wurde.“

Mit seiner Arbeit will Binner Mut machen, auch mal die Perspektive zu wechseln. Dass er bei seinen Recherchen auf alte Personalkarten gestoßen ist, freut ihn dabei besonders: „So geben wir den Menschen endlich ein Gesicht.“

ju

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