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Willi Frohwein ist tot

Lengede Willi Frohwein ist tot

Trauer an der Willi-Frohwein-Realschule in Lengede. Deren Namensgeber ist am Wochenende im Alter von 86 Jahren gestorben. In einer Schweigeminute wurde dem KZ-Überlebenden gedacht. Die Schüler wurden in der Aula informiert – und waren bestürzt.

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Willi Frohwein suchte den Kontakt zu Schülern. Er wollte, dass sie wissen, was er wusste, damit sich die Geschichte nicht noch einmal wiederholt.

Quelle: archiv

Lengede . Sie war etwas ganz besonderes, die Verbindung zu dem gebürtigen Berliner, der drei Konzentrationslager überlebte. Denn Willi Frohwein gab der Lengeder Realschule nicht nur seinen Namen, er teilte mit ihren Schülern und Lehrern sein Schicksal, seine Lebensgeschichte. Ab heute soll vor dem Sekretariat eine Kondolenzliste ausliegen, in die sich auch ehemalige Schüler eintragen können.

Nach Informationen der Schule starb Willi Frohwein am Sonnabend im Alter von 86 Jahren in seiner Wohnung in Potsdam. Aus seinem Familienkreis hieß es, er sei friedlich eingeschlafen.

Frieden – das war für Willi Frohwein etwas, dass er viele Jahre nicht hatte. Denn über seine Gefangenschaft in den Konzentrationslagern Dora, Auschwitz und Bergen-Belsen zu sprechen fiel ihm schwer. „Selbst seiner Frau gegenüber konnte er sich lange Zeit nicht öffnen“, erzählt Mario Schubert, Geschichtslehrer an der Lengeder Realschule, der ein guter Freund Frohweins war. Seine Geschichte blieb jahrelang ein Geheimnis, sie verbarg sich wohl auch hinter der Gefangenennummer – 122785 –, die man dem „Halbjuden“ in Auschwitz in seinen linken Arm eintätowiert hatte.

Dass der Kontakt zwischen der Lengeder Realschule und Willi Frohwein überhaupt zustande kam, war vielleicht auch so etwas wie Schicksal. 1999 besuchte Geschichtslehrer Schubert mit einer Schülergruppe die Gedenkstätte Dora in Thüringen und kam dort zufällig mit Willi Frohwein ins Gespräch. Über die Jahre entstand ein intensiver Austausch.

Frohwein war mehrfach in Lengede zu Gast. Es entstanden Freundschaften. Der Wunsch, die Schule nach ihm zu benennen, kam 2007 aus den Reihen der Schüler, die von dem alten Mann aus Berlin von Anfang an begeistert und fasziniert waren.

Wer Frohwein einmal erlebt hat, weiß um sein außergewöhnliches Charisma. Wenn er mit der typischen Berliner Schnauze von seinem Leben, von Zwangsarbeit und Gräuel erzählte, ganz ohne Hass und Wut – „weil ditt nüscht bringt“ – ohne den Zeigefinger zu erheben, war es mucksmäuschenstill in der Aula der Realschule, hörten 200 Schüler vier Stunden lang bedächtig zu.

Mit der Namensgebung wollte die Realschule seinerzeit nicht nur Frohwein ehren, sondern auch der vielen Opfer des NS-Regimes gedenken und gleichzeitig ein Zeichen gegen die aufkommende Gefahr von Rechts setzen. Frohwein hatte seine eigene Sprache, in der seine Gefühle ausdrückte. Menschen, denen er dankbar war, überreichte er stets eine weiße Rose. Neben der Kondolenzliste vor dem Sekretariat der Schule soll ab heute auch eine weiße Rose stehen.
Die Weihnachtsfeier der Realschule am Freitag ab 9.30 Uhr soll wie geplant stattfinden, im Sinne des Namensgebers. Frohwein soll am 8. Januar in Potsdam beigesetzt werden. Eine Delegation aus Lengede wird bei der Trauerfeier dabei sein.

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