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Salon-Konzert mit Patina

Bodenstedt Salon-Konzert mit Patina

Bodenstedt. Dass sich in der Beschränkung erst der Meister zeige, erkannte schon Dichterfürst Goethe - was sich kürzlich in Bodenstedts „ZeitRäumen“ als glänzende Gewissheit erwies.

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Spielte sich in die Herzen der Konzertbesucher: Pianistin Svetlana Kouznetsova.

Quelle: rb

Die „ZeitRäume“-Organisatoren hatten nämlich die russische Pianistin Svetlana Kouznetsova für ein Konzert im „Salon“ ihres „ZeitRäume“-Hauses gewonnen. Die diplomierte Musikpädagogin und mehrfach ausgezeichnete Konzertpianistin studierte an der zentralen Musikschule für Hochbegabte in Moskau und lernt derzeit an der Musikhochschule in Detmold. Sie präsentierte Musik von Bach bis Franck - unter wahrhaft erschwerten Bedingungen.

Denn die „Zeit-Räume“ verfügen lediglich über ein aus den Glanzzeiten des 1878 erbauten Haupthauses stammendes Klavier aus Braunschweiger Produktion. Das Instrument mag nicht nur wegen der klimatischen Bedingungen eine gewisse nicht mehr zu beseitigende klangliche und technische Patina angesetzt haben und verlangt deswegen vom Interpreten spezielle Fähigkeiten, die ihm ein moderner Konzertflügel erspart.

Und obwohl in keiner Hinsicht von „wohltemperiertem Klavier“ im Sinne Bachs die Rede sein konnte: Die junge Pianistin kam, sah und spielte sich in die Herzen der etwa 30 Freunde klassischer Werke.

Mit Haydns c-moll-Sonata wärmte sie die in Winterkleidung lauschenden Gäste und bei Brahms‘ „Fantasiestücken“ griff sie zuweilen geradezu wuchtig in die Tasten, als würde sie das Instrument nach der Pause nicht mehr brauchen - um sich die Klaviatur zärtlich kraulend im folgenden sanft-filigran angelegten Satz quasi bei ihm zu entschuldigen.

Nach der Pause schien Beethoven Klavier und Pianistin endgültig zu versöhnen. Und wer sich mit geschlossenen Augen der klingenden Kunst Kouznetsovas hingab, blendete so kurzerhand die noch sehr improvisierte und eher brüske Atmosphäre des „Salons“ aus: die nackte Glühbirne unter der Zimmerdecke beispielsweise oder die abweisenden leeren Fächer hinter den Glasscheiben der Vitrine und nicht zuletzt die geradezu greifbare atmosphärische Kälte.

Von alledem war Kouznetsova im ärmellosen Kleid nichts anzumerken, wenn sie unter anderem bei Francks Preludie, Choral und Fuge längst mit dem Instrument auf du und du war.

Das Publikum applaudierte minutenlang und bekam als Konzert-Sahnehäubchen ein bisschen Chopin. Kurzkritik: Auf einem alten Fahrrad lernt es sich am besten!

uj

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