Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Richter im Ehrenamt: "An manchen Fällen hat man tagelang zu knabbern"

Sierße Richter im Ehrenamt: "An manchen Fällen hat man tagelang zu knabbern"

Sierße. Sie werden in diesen Tagen überall gesucht und stehen auf (fast) jeder Tagesordnung von Orts- und Gemeinderäten: Die Schöffen. Doch was sind Schöffen eigentlich und was machen sie? Ein Hausbesuch bei einem Richter im Ehrenamt.

Voriger Artikel
Familienzentrum feiert großes Fest
Nächster Artikel
"Schräge Vögel" auf der Bühne

Andreas Borchert vor seinem Haus in Sierße. Er ist Schöffe am Landgericht Braunschweig.

Quelle: web

Andreas Borchert wohnt in einer ruhigen Straße am Ortsrand von Sierße, auf dem Wohnzimmertisch liegt ein aufgeschlagenes Buch, mitten im Zimmer steht ein Fahrrad. In seiner Freizeit ist der 52-Jährige gern sportlich aktiv und engagiert sich bei Spendenläufen für den guten Zweck. Das Ehrenamt ist ein roter Faden, der sich durch sein Leben zieht - erst als Klassen- und Schulsprecher, später als Vertrauensmann und seit 2010 als Schöffe am Landgericht Braunschweig. Dort werden die „schwereren“ Fälle verhandelt: „Ab vier Jahren Gefängnis“, sagt Borchert.

Begonnen hatte für ihn alles mit einem Anruf: „Die Gemeinde Vechelde hat mich gefragt, ob ich das Amt übernehmen würde, wenn ich gewählt werde“, blickt der gelernte Kfz-Mechaniker zurück. Er vermutet, dass man wegen seines politischen Engagements - Borchert sitzt für die SPD im Sierßer Ortsrat und ist Bürgervertreter im Ausschuss für Sport, Kultur und Soziales - auf ihn gekommen ist.

„Das Schöffenamt ist eine Bürgerpflicht“, sagt Borchert, nur in Ausnahmefällen könne man eine Berufung ablehnen. Für den VW-Mitarbeiter kam das nicht infrage, zumal „ich keine Probleme bei der Freistellung durch den Arbeitgeber habe“, schildert er. Bei etwa vier bis fünf Fällen pro Jahr muss Borchert vor Gericht anwesend sein: „Ich bekomme dazu eine Vorladung mit etwa 15 Verhandlungsterminen“, erzählt er. Worum es bei den Fällen geht, weiß Borchert vorher nicht. Je nachdem, vor welcher Kammer der Prozess stattfindet, sind neben ihm und einem weiteren Schöffen ein bis drei Berufsrichter zugegen. „Der Berufsrichter allein kann kein Urteil fällen“, sagt der Sierßer. „Denn das Urteil soll im Namen des Volkes ergehen - daher die Schöffen.“

Sein erster Fall ist ihm noch gut im Gedächtnis: „Ich musste durch eine Sicherheitskontrolle wie an einem Flughafen. Das war ein mulmiges Gefühl.“ Vor Gericht stand damals ein Serienbrandstifter. Achtzig Prozent der Fälle seien allerdings Drogendelikte. Kalt lässt ihn das Gehörte nicht: „Man erfährt alles, manchmal hört man Sachen, an denen man tagelang zu knabbern hat.“ Trotzdem: „Ich bin ein Mensch, der an das Gute glaubt, und so gehe ich auch in die Gerichtsverhandlungen.“ Einen Freispruch habe es allerdings in „seinen“ Verhandlungen bisher nicht gegeben: „Viele haben ein Geständnis abgelegt.“

Bei den Verhandlungen dürfen die Schöffen ebenso wie die Berufsrichter Fragen stellen und „sich ein Bild davon machen, ob der Angeklagte die Tat begangen hat oder nicht“. Juristisches Vorwissen sei dabei nicht erforderlich: „Der Berufsrichter erklärt uns, welche Strafen für welche Vergehen vom Gesetz her vorgesehen sind.“

Für seine Tätigkeit am Gericht bekommt der Sierßer eine Aufwandsentschädigung. „Ich muss bei der Arbeit freigestellt werden, ohne Bezüge, und bekomme das wieder, ebenso wie meine Auslagen.“

Nun hofft Borchert auf eine weitere fünfjährige Amtszeit als ehrenamtlicher Richter, denn: „Ich habe gemerkt, das ist mein Ding.“

web

Info: Was sind Schöffen?

Schöffen sind ehrenamtliche Richter in der Strafgerichtsbarkeit. Sie entscheiden die Schuld- und Straffrage gemeinschaftlich mit den Berufsrichtern. Vor der ersten Amtsausübung werden sie vereidigt. Als Schöffen berufen werden können Personen, die die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, nicht jünger als 25 Jahre und nicht älter als 70 Jahre sind und seit einem Jahr in der betreffenden Gemeinde leben. Schöffen werden aus einer Vorschlagsliste gewählt, die im Jahr vor Beginn der neuen fünfjährigen Amtsperiode aufgestellt und von der Gemeindevertretung mit Zweidrittel-Mehrheit beschlossen wird. Die Endauswahl trifft der Schöffenwahlausschuss des Gerichts.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Lesen Sie alles rund um das traditionsreiche Peiner Fest. mehr

Rückbau auf dem Telgter Elmeg-Gelände
Veranstaltungen

Welche Veranstaltungen und Termine gibt es im Peiner Land? In unserer Datenbank finden Sie alle Infos. mehr

Sudoku

Das Zahlenrätsel Sudoku in verschiedenen Schwierigkeitsgraden

Kinoprogramm

Jeden Donnerstag neu: alle Filmstarts in Peine und Umgebung