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Maßregelvollzug für 20-jährigen Lengeder

Lengede Maßregelvollzug für 20-jährigen Lengeder

17 Straftaten enthielt die Anklageschrift gegen einen 20 Jahre alten Mann aus Lengede: Das Amtsgericht Peine verurteilte ihn nun zu einem Jahr und acht Monaten im Maßregelvollzug. Der junge Mann leidet unter dem Klinefelter-Syndrom.

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Das Amtsgericht in Peine.

Quelle: A

Wegen gefährlicher Körperverletzung, gemeinschaftlichem Diebstahl mit Waffen, Beleidigung, Sachbeschädigung, übler Nachrede und Widerstands gegen Vollzugsbeamten verurteilte ihn das Jugendschöffengericht zu einem Jahr und acht Monaten im Maßregelvollzug. Denn der junge Angeklagte leidet unter dem Klinefelter-Syndrom, einer genetisch bedingten Fehlentwicklung, und ist laut Gutachter nur eingeschränkt schuldfähig.

Leicht hatte es sich das Gericht mit der Urteilsfindung nicht gemacht. Aber schwer hatte es zuvor der junge Mann teilweise seinen Mitmenschen - und damit letztendlich sich selber - gemacht. So hatte er unter anderem gleich bei Antritt seines zweiten vierwöchigen Jugendarrests in Nienburg 2013 das komplette Zellenmobiliar zu Kleinholz verarbeitet und sogar den Waschtisch aus der Wand gerissen und zertrümmert. Für fünf Euro mache sie alles, hatte er in einem sozialen Netzwerk im Internet über eine Freundin geschrieben und ihre Telefonnummer genannt. Als „Scheißbullen“ und „Wichser“ titulierte er zwei Polizeibeamte, als sie versuchten, den randalierenden Mann festzunehmen. Dabei warf er mit einem großen Stein nach einem Beamten, dessen Kollegin trat er später heftig gegen den Kopf und beschädigte ein Polizeiauto derart, dass sich unter anderem eine Tür nicht mehr schließen ließ.

Im Juli 2014 lenkte der Angeklagte an einer Tankstelle in Lengede die Tankstellenmitarbeiterin ab, während ein Kumpel Wodka und Energiedrinks aus dem Kühlschrank klaute. Weil dieser Freund des 20-jährigen Lengeders mit einer gewissen kriminellen Kreativität an einem Handschuh die scharfen Hauer eines Wildschweins befestigt hatte, war diese Tat juristisch als „Diebstahl mit Waffen“ zu werten.

All diesen Taten geht eine tragische Familiengeschichte voraus. Der Junge besuchte von Anfang an Förderschulen, blieb ohne Abschluss und Berufsausbildung. Verschiedene ambulante Maßnahmen wurden abgebrochen - entweder durch die Träger oder ihn selber. Die Mutter starb Ende 2013, im Spätsommer 2014 nahm sich sein alkoholkranker Vater das Leben. Mit ihm habe er seine ersten Räusche erlebt, sagte der junge Mann, der schon unter geringem Alkoholeinfluss noch leichter als sonst ausrastet.

Auch, wenn der junge Angeklagte oft angab, dass ihm seine Taten leid täten und er „keine Scheiße mehr bauen“ werde, musste der Gutachter doch vorwegnehmen, dass durch die aus der Erkrankung resultierenden Persönlichkeitsveränderung auch in Zukunft solche Taten, womöglich mit schlimmeren Folgen für die Betroffenen, zu befürchten seien. Verminderte Intelligenz und Verhaltensauffälligkeiten seien signifikant für das Klinefelter-Syndrom. Der Arzt empfahl die Unterbringung in einer beschützten und strukturierten Wohnform, möglichst mit angeschlossener Werkstatt.

hui

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