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Lyrik als Geschichtsstunde

Vechelde Lyrik als Geschichtsstunde

Vechelde. „Gedichte vermitteln ein Zeitgefühl“ - davon ist der 63-jährige Leipziger Autor Ralph Grüneberger überzeugt. Im Gespräch über seine Gedichte im Vechelder Julius-Spiegelberg-Gymnasium trat sie wieder vor Augen, die DDR, mit ihrem Grenzzaun, dem Minenfeld.

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Sprach vor etwa 110 Zehntklässlern: Autor Ralph Grüneberger im Vechelder Gymnasium.

Quelle: oh

Vechelde. Bei der Leipziger Buchmesse 1995 hatte sich Grüneberger anhören müssen, er sei ein Nestbeschmutzer, als er ein Gedicht mit dem ironischen Titel „Es war nicht alles schlecht“ vorstellte. Eine Überschrift, die er bewusst wählte, denn „innerdeutsche Grenze“ hätte keine interessante Möglichkeit geboten, das Gedicht zu eröffnen.

Wie aus einem anderen Land, so wirkten auf die 110 Zehntklässler die Erfahrungen des Autors. Als langhaariger Siebzehnjähriger hatte er sich 1968 einem Auflauf von Menschen angeschlossen, welche die Sprengung der Leipziger Universitätskirche beklagten. Das genügte für eine Verhaftung. Grünebergers wichtigster Schatz aber fiel den Häschern nicht in die Hände: Drei Langspielplatten mit West-Musik, auf dem Schwarzmarkt für einen Monatslohn erstanden. Die angedrohten 15 Monate Jugendhaft musste er nicht antreten, aber das Betreten des Stadtzentrums blieb ihm vorerst verboten. „Die DDR könnte heute wirken wie ein Kabarett“, sagte Grüneberger. „Es gab einen Hausbuchführer, der Westbesuche notierte und diese meldete. Die Miete orientierte sich an dem Wert von 1937 und wurde niemals erhöht. Oft wurde daher das Erbe von Immobilien verweigert, denn Vermietern fehlte das Geld für Renovierungen. Es gab in der DDR keinen Wohnungsmarkt. Liebesbeziehungen wurden daher zur Ehe erklärt, um so eine Wohnung zugewiesen zu bekommen.“

„Haben Sie manchmal nicht Angst davor, dass jemand zu viel aus Ihrem Leben erfährt?“, fragte Schülerin Johanna Lies. „Ein Autor darf keine Scheu haben, Erlebtes zu beschreiben“, so Grüneberger. „Aber man macht sich damit nicht nur Freunde.“

Viel Beifall gab es für zwei Unterrichtsstunden, die dreißig Jahre deutsche Geschichte reflektierten.

sip

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