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Luftmine lässt Lengede beben

Lengede Luftmine lässt Lengede beben

Gründonnerstag 1945. Es ist 16.45 Uhr: Eine gewaltige Explosion erschüttert Lengede. Mitten im alten Ortskern schlägt eine Luftmine ein, lässt Gebäude wie Kartenhäuser zusammenknicken. 16 Menschen sterben sofort oder an den Folgen ihrer Verletzungen. Der Luftangriff vor 65 Jahren galt eigentlich dem Benzol-Werk in Salzgitter.

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Werner Cleve zeigt die Stelle des Einschlages.

Quelle: Michael Lieb

Lengede. Unvorstellbar sind die Szenen, die sich zwei Wochen vor Ende der Kampfhandlungen im Peiner Land in Lengede ereigneten. „Die Sirenen ertönen, Fliegeralarm, ohne Vorwarnung“, schreibt Werner Cleve in der Ortschronik. Panik. Menschen schreien, versuchen, sich in Sicherheit zu bringen.

Wie der Heimatforscher herausgefunden hat, lösten die Zünder der mit 1338 Kilogramm Sprengstoff bestückten Luftmine beim Aufschlag auf eine Esche aus. Die Detonation im damaligen Sackpiepen-Gebiet erzeugte eine so gewaltige Druck- und Sogwelle, dass die meisten Dächer des Altdorfes abgedeckt wurden und hunderte Fenster zersprangen.

Die Uhren bleiben stehen

Wilhelm Sievers arbeitete an jenem Gründonnerstag im Garten, als er Augenzeuge des Bombenabwurfs wurde.„Wie ein Jauchefass, das vom Himmel fiel“, erinnert er sich. Weitere Zeitzeugen schilderten ohrenbetäubenden Lärm und eine riesige Staubwolke. Als der Himmel wieder aufklärte, habe man aus dem Altdorf durch die Dächerreihen bis nach Klein Lafferde blicken können, sagt eine weitere Zeitzeugin.

Aus den Trümmern der zusammengefallenen Häuser und aus dem näheren Umkreis der Einschlagstelle wurden zunächst 13 leblose Menschen geborgen. Die Zahl der Toten erhöhte sich später auf 16, weil drei Opfer an den Folgen ihrer Verletzungen starben. Fünf Menschen überlebten schwer verletzt.

Fast zeitgleich fielen auch Bomben auf Klein Lafferde. Eine Detonation zerstörte das Wohn- und Stallgebäude des Mühlenbesitzers und forderte ein Menschenleben.

Recherchen ergaben später, dass die Alliierten am 29. März 1945 einen Luftangriff auf die Benzol-Destillationsanlage der Hermann-Göring-Werke in Salzgitter-Hallendorf flogen. Die Einsatzpläne, die Cleve vorliegen, bestätigen, dass 130 Lancaster-Bomber der britischen Royal Air Force beteiligt waren. Voran flog ein Aufklärungsflugzeug vom Typ „Mosquito“. Warum sie so weit vom Kurs abkamen, ist unklar: Unter anderem ist von Flak-Beschuss die Rede.

Bestückt waren die Lancaster auch mit hochexplosiven Bomben vom Typ HC (117 Stück HC 4000, 3 HC 8000 und einer HC 12000). Diese wurden eingesetzt, um flächenmäßig große Zerstörungen zu erzielen. Auf Klein Lafferde fielen kleine Sprengbomben.

Dass die Mine exakt um 16.45 Uhr einschlug, ließ sich an den meisten Uhren im Dorf noch Tage später ablesen: Durch die Druckwelle waren sie stehen geblieben.

Michael Lieb

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