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Harvesse: „Stadtbahn-Anbindung würde 4,8 Millionen Euro jährlich kosten“

Interview mit ZGB-Direktor Hennig Brandes Harvesse: „Stadtbahn-Anbindung würde 4,8 Millionen Euro jährlich kosten“

Wendeburg. Viel diskutiert wird in Wendeburg in diesen Tagen eine mögliche Reaktivierung des Personenverkehrs auf der Bahnstrecke zwischen der Ortschaft Harvesse und der Stadt Braunschweig. Über die Hoffnung auf Realisierung, Kosten für den Betrieb und Kritik der Bürgerinitiative „Pro Zug-kunft“ sprach die PAZ mit Hennig Brandes, Direktor des Zweckverbands Großraum Braunschweig (ZGB), der für den regionalen Nahverkehr zuständig ist.

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ZGB-Direktor Hennig Brandes sprach mit der PAZ über die Reaktivierung der Bahnstrecke Harvesse-Braunschweig.

Quelle: oh

Das niedersächsische Wirtschaftsministerium prüft die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken. Die Gemeinde Wendeburg hofft nun darauf, den Personenverkehr auf den Schienen zwischen Harvesse und Braunschweig wieder zu beleben. Wie realistisch sind diese Hoffnungen?

Die Auswahl von zu reaktivierenden Bahnstrecken wird nach fachlichen Kriterien von der Landesnahverkehrsgesellschaft durchgeführt. Diese Kriterien und die Anwendung auf die Strecken des ZGB vollziehe ich mit meinen Mitarbeitern nach. Da geht es um Fakten, Spekulationen führen hier nicht weiter.

Spezieller Wunsch der Wendeburger ist eine Stadtbahn - das Landes-Projekt befasst sich aber explizit mit der Eisenbahn. Gibt es eine Möglichkeit, den Wunsch der Wendeburger in das Untersuchungsverfahren einzubringen?

Ja, in der nächsten Stufe des Auswahlverfahrens habe ich angemeldet, dass neben einer Eisenbahnanbindung auch eine RegioStadtBahn-Anbindung bewertet wird.

Ein Projekt dieser Größenordnung kostet Geld. Bislang ist die Rede davon, dass das Land 75 Prozent der Investitionskosten tragen würde. Zudem plant VW das Gleis für sein Logistik-Optimierungszentrum in Harvesse für den Güterverkehr instand zu setzen. Die Betriebskosten sind Sache des ZGB. Mit Kosten in welcher Höhe rechnen Sie und kann der ZGB diese stemmen?

Der ZGB hat nach derzeitigem Stand keine Mittel für eine Reaktivierung. Wir sind so mit dem Land verblieben, dass die Finanzierung zum Ende des Auswahlverfahrens mit dem Land geklärt wird. Der Betrieb einer RegioStadtBahn-Anbindung würde bei einem 30-Minuten-Takt von Harvesse zum Braunschweiger Hauptbahnhof nach erster Abschätzung rund 4,8 Millionen Euro pro Jahr kosten.

Die Bürgerinitiative „Pro Zug-kunft“, die sich für den Bahnanschluss einsetzt, hat kritisiert, Ihr „Umsetzungswille“ sei „sehr gering“. Was entgegen Sie dem?

Das stimmt nicht. Das Reaktivierungsverfahren macht allerdings das Land, nicht der ZGB. Das bedeutet, auch für die Finanzierung und Umsetzung ist aus meiner Sicht das Land zuständig. Ich achte sehr wohl darauf, dass die Strecke korrekt bewertet wird.

Das Projekt hat auch auf Seiten der Stadt Braunschweig Unterstützer, gerade im Hinblick auf die Entspannung der Verkehrsproblematik. Sie kandidieren in Braunschweig für das Amt des Oberbürgermeisters. Sollten Sie die Wahl im Mai kommenden Jahres gewinnen, setzen Sie sich für das Projekt ein?

Die Stadt ist nicht Träger einer solchen Regionalbahnstrecke. Es ist zunächst die Sache des Landes die Auswahl zu treffen, die Finanzierung und Umsetzung zu ermöglichen und dann Sache des ZGB, der diese regionale Aufgabe hat, den Betrieb zu organisieren und ihn zu bestellen.

Interview: Mirja Weber

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