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Eingeschleust: Ein Besuch in Wedtlenstedt

Die Schleuse in Wedtlenstedt Eingeschleust: Ein Besuch in Wedtlenstedt

Wedtlenstedt. Wer die Schiffe beobachtet, die die Schleuse in Wedtlenstedt passieren, den überkommt fast automatisch das Fernweh. Die meisten von ihnen sind unterwegs zum Hafen nach Beddingen oder Salzgitter - doch um dorthin zu gelangen, müssen sie in Wedtlenstedt einen Wasserstandsunterschied von 9,3 Metern überwinden.

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25,3 Millionen Liter Wasser strömen in die Schleusenkammer. Die Besatzung muss dabei das Schiff an der Wand vertäuen.

Quelle: web

Wie das funktioniert, erklärt Julia Sembritzki vom Wasser- und Schifffahrtsamt Braunschweig bei einem Ortstermin in Wedtlenstedt. Gerade ist ein Schiff in die Schleuse Wedtlenstedt gefahren, die Eingangsschleuse zum Stichkanal Salzgitter. Der Stichkanal ist 18 Kilometer lang und verbindet das Industriegebiet Salzgitter, insbesondere das Stahlwerk, über den Mittellandkanal und den Elbe-Seitenkanal mit den Übersee-Häfen in Hamburg und Bremen. Bei der Schleuse Wedtlenstedt handelt sich um eine Zweikammerschleuse ohne Sparbecken, die zwischen 1938 und 1940 zusammen mit dem Stichkanal gebaut worden ist, doch nur die Ostkammer ist in Betrieb. Sie wurde 1975/76 für Containerschiffe ausgebaut und 2012 grundsaniert. Die Westkammer dient als Ersatz. Ein Umbau ist in Planung.

Etwa 25 Minuten dauert eine Schleusung. Dabei fährt das Schiff auf Geheiß des Schleusenbedieners in die Schleuse, die auf der Südseite mit einem elektrisch betriebenen Klapptor mit 20 Tonnen Gewicht und auf der Nordseite mit einem etwa 70 Tonnen schweren Hubtor mit beidseitigen Torgegengewichten verschlossen werden kann. „Das Wasser strömt von oben aus den Umläufen in die Kammer, bis die Wasserspiegel ausgeglichen sind“, erklärt Sembritzki. Andernfalls lassen sich die Schleusentore nicht öffnen.

Die Wedtlenstedter Schleuse wird ferngesteuert. Über Kameras kann Schleusenbediener Thomas Kowalke in der Zentrale die Abläufe überwachen. Von Wedtlenstedt aus wird auch die Schleuse in Üfingen bedient.

Vom Steuerhaus aus hat der 48-jährige Braunschweiger einen guten Überblick über Kanal und Schleuse, dennoch erstreckt sich sein Arbeitsbereich eher auf den Computerbildschirm, von wo aus er die Schleuse steuert. „Ein Schiffsführer meldet sich über Funk, erhält von mir die Erlaubnis und fährt in die Kammer ein“, beschreibt er den Ablauf. Anschließend schaltet er die Schleuse auf „geschlossen“ um und 25,3 Millionen Liter Wasser strömen in die Kammer.

Bei der Schleusung muss das Schiff von der Besatzung an der Kammerwand festgemacht werden. Mit steigendem oder sinkendem Wasserspiegel muss die Vertäuung entsprechend höher oder niedriger erfolgen. „Das liegt in der Verantwortung des Schiffsführers“, sagt Sembritzki. Dass ein Unfall beim Schleusen passiert, sei eher die Ausnahme. Dennoch erinnert sich der Schleusenbediener noch gut an die Havarie in Üfingen, auch wenn er am 26. Oktober 2012 nicht im Dienst war. Damals war ein Kohlefrachter an der Brücke der L 615 hängengeblieben, ein Auto fiel von Bord und der Kapitän wurde schwer am Kopf verletzt.

Dennoch: Kowalke mag seinen Job.„Langweilig wird es nie, man hat immer was um die Ohren.“ Neben der Bedienung der Schleuse gehört auch die Statistik zu seinen Tätigkeiten: Alle Schiffe, die die Schleuse passieren, werden in ein Verkehrstagebuch eingetragen. Zudem darf er zum Beispiel wie die Schifffahrtspolizei Anordnungen erteilen. Nur eins dürfe ein Schleusenbediener nie tun: hektisch werden. „Das ist der einzige Fehler, den man machen kann“, betont Kowalke.

Wenn sich die Kammer komplett mit Wasser gefüllt hat, ertönt ein Signal, damit eventuelle Fußgänger den Übergang des Klapptores verlassen, das im Boden versenkt wird. Die Ampel schaltet auf grün und das Schiff kann aus der Kammer ausfahren.

Nach zwei bis drei Schleusungen ist der Wasserstand im Kanal so weit gesunken, dass wieder aufgefüllt werden muss. „Der Kanal ist wie eine Badewanne“, erklärt Sembritzki. Dann kommt das Pumpwerk ins Spiel, das die Verlustwassermenge wieder in den oberen Kanalteil zurückpumpt.

5670 Schiffe mit 2,7 Millionen Tonnen Fracht passierten im Jahr 2012 die Schleuse Wedtlenstedt. Geschleust wird sieben Tage die Woche, nur Weihnachten und Neujahr ruht der Betrieb.

web

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