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Der Boden der Tatsachen

Vechelde Der Boden der Tatsachen

Kreis Peine. Im Rückblick auf all die Bodenproben, die Monika Freckmann unter ihrem Mikroskop in den vergangenen 32 Dienstjahren angesehen hat, sind ihr die aus dem Jahr 2008 am eindringlichsten in Erinnerung geblieben. An gleich drei großen Kriminalfällen hat sie damals gleichzeitig gearbeitet: dem sogenannten Kettenkamp-Mord, dem Holzklotz-Mord und bei den wieder aufgenommenen Ermittlungen im Mordfall Yasmin Stieler, dessen Spuren auch nach Vechelde führten.

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Monika Freckmann hat jahrzehntelang für das LKA Spuren untersucht, unter anderem im Fall Yasmin Stieler. Jetzt ist sie in den Ruhestand gegangen.

Quelle: Archiv

In all diesen Fällen landeten unzählige Bodenproben in Freckmanns Labor - allein 200, die mit dem grausamen Verbrechen in Kettenkamp, einem kleinen Dorf in der Nähe von Osnabrück, in Zusammenhang standen.

Ein Sohn hatte dort seine Eltern erschlagen und deren Leichen verschwinden lassen. Sieben Wochen lang suchte die Kripo nach den Toten. Erst durch die Analysen von Freckmann, die Proben von Erdanhaftungen an den Kleidungsstücken des Sohnes mit diversen Proben aus der Gegend verglich, konnten die Leichen in einem Waldstück ausfindig gemacht werden.

Während die Mitarbeiterin des niedersächsischen Landeskriminalamtes (LKA) noch für die Mordermittler in Osnabrück unterwegs war, bekam sie einen weiteren Auftrag. In Oldenburg hatte der drogenabhängige Nicolai H. einen knapp sechs Kilo schweren Holzklotz von einer Brücke auf die Autobahn 29 geworfen. Das Geschoss zertrümmerte die Frontscheibe eines BMW, der gerade unter der Brücke hindurchfuhr, und tötete die 33-jährige Olga K. auf dem Beifahrersitz.
Monika Freckmann fand heraus, dass die Tatwaffe zuvor in der Nähe der Wohnung des Verdächtigen und nicht auf der Brücke gelegen hatte, wie Nicolai H. es bei der Polizei ausgesagt hatte.

Richtig stressig wurde es für die Expertin für Bodenproben in der Fachgruppe forensische Biologie, als sich dann auch noch Carsten Sommer von der Polizei in Peine mit Freckmann in Verbindung setzte. Der Mordfall Yasmin Stieler sollte neu aufgerollt werden, jenes Verbrechen aus dem Jahr 1996 an einer damals 18-Jährigen aus Uelzen. Teile ihrer zerstückelten Leiche waren an verschiedenen Orten aufgetaucht - unter anderem am Bahndamm bei Vechelde und an den Ricklinger Kiesteichen.
Sommer bat Freckmann, die Erde von einem Spaten zu untersuchen, der bei einem Tatverdächtigen sichergestellt worden war, und mit den Proben zu vergleichen, die an den Fundorten der Leichenteile entnommen worden waren. „Sie hat es tatsächlich geschafft, einen 0,3 Millimeter kleinen Lackpartikel in einer der Proben zu entdecken, der dem Spaten des Verdächtigen zugeordnet werden konnte“, erinnert sich Kriminalhauptkommissar Sommer. Das Indiz reichte allerdings nicht für eine Verurteilung. Der Fall Stieler ist bis heute ungelöst.

Dennoch ist zwischen den Peiner Ermittlern und Monika Freckmann im Laufe der Jahre eine enge Freundschaft entstanden - allerdings sah es zu Beginn der Ermittlungen nicht danach aus. „Sie war zuerst sehr hartnäckig, hat uns ganz schön herumgescheucht und hatte einen rüden, fast herrischen Ton“, erinnert sich Sommer.
Inzwischen sind die Unstimmigkeiten beigelegt, und Freckmann nimmt regelmäßig an den Stammtischen jener Ermittler teil, die mit dem Fall Stieler von Beginn an befasst waren. In Zukunft wird sie eine längere Reise zu den Treffen in Niedersachsen einplanen müssen. Monika Freckmann wird sich nach ihrem Abschied aus dem Landeskriminalamt in Süddeutschland niederlassen. „Ein Teil meiner Familie wohnt dort, und ich mag die Umgebung sehr“, sagt sie.

tm/rd

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