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Das „Wunder von Lengede“: 80 Besucher lauschten den Erzählungen der Geretteten

Lengede Das „Wunder von Lengede“: 80 Besucher lauschten den Erzählungen der Geretteten

Lengede. Neben der Gedenkfeier am 24. Oktober war es vielleicht die emotionalste Veranstaltung im Zuge der Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des Lengeder Grubenunglücks: Am Montagabend sprachen die zwei Geretteten Emil Pohlai und Adolf Herbst im Lengeder Bürgerhaus über ihre ganz persönlichen Erlebnisse.

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Die beiden Überlebenden Emil Pohlai (kleines Foto links) und Adolf Herbst (rechts) sprachen über ihre Erlebnisse – etwa 80 Besucher hörten gebannt zu.

Quelle: mea

Starkstrommonteur Herbst war am Unglückstag durch Zufall noch untertage gewesen. Er wollte Überstunden machen, um sich am nächsten Tag für die Planung seiner Verlobung frei zu nehmen. Doch dann brach das Wasser in die Grube ein. „Ich bin ja kein Bergmann, musste mich daher komplett auf die anderen verlassen“, so der damals erst 20-jährige Herbst, der zum ersten Mal untertage war. Zentimeter für Zentimeter sei das Wasser immer höher gestiegen. „Ich meinte dann zu den Kumpel, dass wir jetzt noch eine rauchen und das war‘s dann.“

Der sogenannte Alte Mann, ein verlassener Hohlraum, stellte für die Männer die letzte Chance dar. „Vor Erschöpfung schliefen wir ein. Die Grubenlampen brannten währenddessen weiter, sodass wir schon bald kein Licht mehr hatten.“ Nach der ersten Nacht waren bereits sechs der 21 Männer im Alten Mann erschlagen worden oder vor Erschöpfung umgekommen.

„Wir haben zusammen gebetet, einige von uns haben begonnen zu phantasieren.“ Am zehnten Tag stieß schließlich der Bohrer zu den Männern durch. „Es war ja komplett finster. Durch Zufall hat einer von uns den Bohrer erfasst, sodass wir Klopfzeichen geben konnten.“ Übertage hatte jemand sein Ohr an das Metallrohr gehalten, sonst wären die mit einem Taschenmesser gegebenen Klopfzeichen nicht gehört worden.

„Wir bekamen schließlich eine Taschenlampe. Das war schrecklich. Nun sah man die Gefahr um einen herum ganz deutlich.“ Nach und nach erhielten die Männer Verpflegung und konnten mit Angehörigen sprechen. „Das beruhigte uns und gab Hoffnung.“

Am 7. November fuhren dann zwei Bergleute hinunter, die den Eingeschlossenen bei der Auffahrt halfen. „Ich wusste nicht mal, dass das eine Dahlbuschbombe ist, in der ich mich dann schließlich befand. Das war mir auch egal“, berichtet der 70-Jährige. Während der Auffahrt habe er Gott gedankt. Als vierter erblickte Herbst mit den Worten „So, habt ihr mich wieder“ nach 14 Tagen das Tageslicht.

Es gebe weiterhin eine „schwarze Box“ mit Erinnerungen, die so grauenvoll sind, dass er sie in seinem Leben weder für sich noch für die Öffentlichkeit öffnen werde.

Pohlai erlebte das Unglück auf der 100-Meter-Sohle, auf der er an diesem Tag jemanden vertreten hatte. Zusammen mit zwei weiteren Kumpel sei er dem Wasser entgegengelaufen, sodass sie schließlich umkehren mussten. „Zwei Meter hoch stand das Wasser. Die halbe Strecke war überschwemmt“, so Pohlai. Als das Wasser schließlich etwas ablief, gingen die Bergleute davon aus, dass es bereits abgepumpt werde. „Als sich der Wasserspiegel schließlich einpendelte, konnten wir nur noch warten.“

Die Kumpel hatten sich in eine Luftblase gerettet, in der Überdruck bestand. Nach drei Tagen begannen die Such- und Rettungsbohrungen. „Durch den Überdruck musste mit großer Vorsicht und spezieller Technik gebohrt werden. Das wussten wir untertage allerdings nicht“, erklärte Pohlai. Nach drei Tagen ohne Essen und Trinken wurden die drei Bergmänner schließlich gerettet.

Die etwa 80 Zuhörer im Lengeder Bürgerhaus waren von den Erzählungen sehr ergriffen. Damit das Unglück nicht in Vergessenheit gerate, wünschte sich Adolf Herbst eine würdevolle Pflege der Gedenkstätte.

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Weitere Veranstaltungen

In mehreren Veranstaltungen wird in diesen Tagen in der Gemeinde Lengede dem 50. Jahrestag des Grubenunglücks vom 24. Oktober 1963 gedacht. Damals wurden 129 Bergleute untertage verschüttet, von denen 100 das Grubenunglück überlebten. Dabei ging die Rettung von elf Verschütteten nach 14 Tagen als „Wunder von Lengede“ in die Geschichte ein.

Auch die Lengeder Schulen (IGS, Hauptschule und Willi-Frohwein-Realschule) beteiligen sich an den Gedenkfeierlichkeiten. Aus diesem Anlass findet am morgigen Donnerstag, 7. November, ein Marsch zur Gedenkstätte des Grubenunglücks sowie eine Gedenkfeier vor Ort statt. Ab 8.45 Uhr wollen sich die Schüler auf dem Schulhof der IGS Lengede versammeln, um 9 Uhr startet der Marsch zur Gedenkstätte.

benfalls am morgigen Donnerstag kann ab 13 Uhr im Lengeder Rathaus die Fernsehübertragung der Rettung von 1963 mitverfolgt werden.

Jeweils um 19 Uhr wird am Dienstag, 12. November, über die Nachbetrachtungen des Unglücks gesprochen und am Dienstag, 19. November, über Veränderungen im Ort, die der Bergbau mit sich bringt. Beide Veranstaltungen finden im Lengeder Rathaus statt.

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