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Das Dorf, das einst zwei Bürgermeister hatte

Dorfspaziergang in Klein Lafferde Das Dorf, das einst zwei Bürgermeister hatte

Frisch im Amt ist Gerlinde Perschall in ihrer Funktion als Ortsbürgermeisterin in Klein Lafferde, kommunalpolitisch tätig ist sie aber schon seit vielen Jahren im Ortsrat. Zum Dorfspaziergang hat sie sich mit Herbert Meier, Mitglied im Orts- und Gemeinderat Lengede, und Berend Kleingeist, Pastor i.R. und seit 25 Jahren Ortsheimatpfleger, Verstärkung geholt.

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Herbert Meier, Gerlinde Perschall und Berend Kleingeist vor dem Mehrzweckgebäude.

Quelle: jaw

Klein Lafferde. Ganz frisch im Amt ist Gerlinde Perschall in ihrer Funktion als Ortsbürgermeisterin in Klein Lafferde, kommunalpolitisch tätig ist sie aber schon seit vielen Jahren im Ortsrat. Zum anberaumten Gesprächstermin hat sie sich mit Herbert Meier, Mitglied im Orts- und Gemeinderat Lengede, und Berend Kleingeist, Pastor i.R. und seit 25 Jahren Ortsheimatpfleger, Verstärkung geholt.

Gemeinsam geben sie einen Überblick über ein Dorf am Rand der Gemeinde Lengede mit einer interessanten Geschichte. Start ist am Mehrzweckgebäude in direkter Nachbarschaft zur Kirche. „Hier war früher die Schule untergebracht“, sagt Kleingeist, dessen Spezialgebiet die historischen Fakten sind. In naher Zukunft sollen dort in unmittelbarer Nähe 18 Bauplätze erschlossen werden, nachdem das bisher jüngste Baugebiet im Südosten vor kurzem fertiggestellt wurde. Der Straßenendausbau soll bald erfolgen.

Zufrieden sind die Klein Lafferder mit dem Kreisel in der Ortschaft: „Dadurch ist eine wesentlich bessere Verkehrssituation entstanden“, so die Ortsbürgermeisterin.

Auf dem Weg vorbei an der alten Hollandmühle weist Meier schmunzelnd darauf hin, dass Klein Lafferde sogar einen Flugplatz hat: Hier treffen sich regelmäßig Modellflieger und lassen ihre Maschinen starten. Und Pastor Kleingeist hat noch eine erstaunliche Geschichte in petto: „Im Zweiten Weltkrieg wurde zwischen Klein Lafferde und Liedingen eine Attrappe der Hermann-Göring-Werke in Salzgitter errichtet. Dadurch sollten Fliegerbomben abgehalten werden, indem die Piloten irritiert wurden“, so der Ortsheimatpfleger. „Es fuhren sogar extra Züge, Hochöfen-Schornsteine wurde errichtet und entsprechend angeleuchtet“, weiß er zu berichten. Genutzt hat die Attrappe jedoch wenig.

Als Nächstes geht es um das Vereinsleben, das laut Perschall sehr vielfältig ist. „Es ist viel los, obwohl auch hier alle mit Nachwuchssorgen zu kämpfen haben“, so Perschall. Aktuell steht die Auflösung des Männergesangvereins im Raum.

Doch der Schützenverein, der Sportverein TSV Klein Lafferde, der 120 Jahre alt und mit 300 Mitgliedern auch der größte Verein ist, der Siedlerbund und die Frauenhilfe tragen ihren Teil zum bunten dörflichen Leben bei. „2017 organisieren alle Vereine gemeinschaftlich sogar ein Familienfest“, verkündet Perschall nicht ohne Stolz. Bei einer vor kurzem durchgeführten Visitation des Superintendent Dr. Volker Menke habe auch dieser gesagt, dass in Klein Lafferde viel los sei, erzählt Perschall.

Der Rückweg führt durch den alten Kernort. Hier hat das Feuerwehrgerätehaus in jüngster Vergangenheit seinen prominenten Platz gefunden. Zudem prägen hier noch an mehreren Stellen Obststreuwiesen das Ambiente.

Den Abschluss findet der Rundgang bei der letzten verbliebenen Gaststätte im Dorf. Daneben steht noch heute ein Teil einer sehr alten Eiche. „Der Baum wurde 1818 gepflanzt und verlor 1988 seine Spitze“, berichtet Perschall aus eigener Erinnerung. „Am 1. Juni 1988 um 13 Uhr fegte eine Windhose durch Klein Lafferde und brach die Spitze des Baums ab“, konkretisiert Meier.

Letzte Station ist der erhaltene Luftschutzbunker hinter dem Pfarrhaus. Hier findet an Himmelfahrt seit Jahren ein Freilichtgottesdienst statt.

„Klein Lafferde ist liebens- und lebenswert“, zieht Perschall eine Bilanz. „Es geht jetzt erst einmal primär darum, das Bestehende zu wahren und die politische Arbeit fortzusetzen. Daraus können dann neue Sachen entstehen.“

Warum es zwei Bürgermeister gab

Eine Anekdote aus der Geschichte: Von 1883 bis 1890 hatte Klein Lafferde zeitgleich zwei Bürgermeister. Der Hintergrund: Seit jeher stritten sich das Königreich Hannover und später Preußen einerseits und das Herzogtum Braunschweig andererseits um das Gebiet an der Grenze. Bis heute zeige sich das im „Streit“ um den bevorzugten Fußballclub, wie Meier erklärt.

Dieser Streit gipfelte in Klein Lafferde also damit, dass es kurzzeitig zwei Bürgermeister gab: „Einen Preußen und einen Welfen“, so Kleingeist.

Ein weiterer Fakt aus der Historie ist zudem, dass „Klein Lafferde 1823 das viertgrößte Dorf im heutigen Kreis Peine war“.

von Jasper Warzecha

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