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Auf zwei Rädern über die Alpen

Klein Lafferde Auf zwei Rädern über die Alpen

Klein Lafferde. Eine Alpenüberquerung per Fahrrad? Für Frank Harre eigentlich kein Problem, bereits 2011 war der Klein Lafferder im Fahrradsattel von der Zugspitze zum Gardasee „gereist“. Doch diese Tour war „Level 2“, jetzt hat er gemeinsam mit drei weiteren enthusiastischen Mitstreitern eine Tour auf „Level 3“ unternommen. „Das damals war eine Genuss-Tour im Vergleich zu dieser Fahrt“, sagt der Mittfünfziger – und in seiner Stimme klingen dabei die Mühen der anspruchsvollen Tour noch nach.

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Ausnahmsweise mal neben und nicht auf dem Rad (v.l.): Frank Müller-Borutta, Peter Jaretzki, Frank Harre und Jörg Reupke.

Vom Zillertal ins Veneto „mussten“ sich Frank Müller-Borutta (48), Jörg Reupke (50), Peter Jaretzki (49) und Harre (54) strampeln, in sechs Etappen, insgesamt 350 Kilometer, 8080 Höhenmeter. Ganz zu schweigen von Stürzen, Regen, etwas Schnee, bis zu 26 Prozent Steigung, Pannen, dem täglichen Platten in der Radelgruppe, einem Kettenriss und kaputten Bremsen, Matschkrusten am Radrahmen, aber auch der Vorfreude, wenn man morgens wieder aufs Mountainbike stieg.

Warum tut man sich das an? „Ich wollte das unbedingt machen, diese Tour durchs Hochgebirge, bevor es irgendwann zu spät ist“, erklärt Harre, der von Bekannten weiß, wie schnell der Punkt kommen kann, an dem man sich einen Level-3-Trip lieber verkneift – Stichwort Bandscheibenvorfall. „Außerdem wird man ein bisschen süchtig, wenn man das einmal gemacht hat“, erklärt er. Das kann auch Reupke bestätigen, der „Neuling“ der Gruppe – mit Müller-Borutta und Jaretzki hatte Harre 2011 bereits eine Alpen-Tour unternommen. „Ich will am liebsten sofort wieder los“, sagt Reupke und grinst.

Schließlich erwarten einen ja auch nicht nur Entbehrungen, Anstrengungen und schlechtes Wetter in den Alpen. Im Gegenteil: „Die Landschaften, die man mit dem Rad durchfährt, sind einfach grandios“, schwärmen beide. Die Fahrt vom Monte Grappa aus in die venetische Tiefebene etwa – und das mit diesem unbeschreiblichen Ausblick: „Das ist fast wie fliegen“, schildert Harre. „Da musst du auch mal anhalten, einfach nur, um die Bremsen abzukühlen“. Die schroff-steinigen Dolomiten am legendären Falzarego-Pass in Sichtweite der Marmolata über steile Schotterfälle durch Naturparks, deren Klippen schon als Panorama für den Film Cliffhanger mit Sylvester Stallone dienten, an idyllischen Bergseen im Morgennebel in Alleghe vorbei – auch ohne Drahtesel unter sich hätte dieses Landschaft bleibende Eindrücke hinterlassen. Aber mit dem Mountainbike kommt eben noch der Fahrspaß hinzu: Von der Ankunft am Gipfel nach einem stundenlangen Anstieg im „Schneckentempo“ bis zur schier endlosen spektakulären Trailabfahrt hinter den legendären Felsbrocken, den Cinque Torri.

Da muss dann natürlich auch die technische Ausrüstung stimmen: „Wir haben die Tour ja nicht auf eigene Faust unternommen, sondern unsere Gruppe wurde von dem Anbieter ,go-alps begleitet, der diese Touren samt Hotels und Bergführung organisiert.“ So hatte zwar jeder Radler Ersatzschläuche und ein Ersatzteil für seine Schaltung einpacken müssen, weiteres Material wurde aber auf die Gruppe so verteilt, dass man mitten in den Alpen nicht „auf dem Schlauch steht“. Zwar ging jeden Tag etwas kaputt, „aber das wurde meistens schnell repariert. Der Rekord waren etwa drei Platten an einem Tag“, sagt der Klein Lafferder. „Die Organisation war super und man half sich auch untereinander. Wir hatten nie das Gefühl, aufgeschmissen zu sein.“

Dennoch sei eine Alpen-Tour nichts für Anfänger – das wusste Neuling Reupke aber auch schon vor dem Unterfangen. Auf den Rat von Harre hin hatte er deshalb seit Februar mit dem Mountainbike trainiert auch mit dem erfahrenen Jaretzki im Harz. „Die mentale Vorbereitung ist auch wichtig – deswegen sollte man vorher schon mal beim Bergauf- und Bergabfahren 1500 Höhenmeter mit dem Fahrrad geleistet haben“, erklärt Harre.

Gut vorbereitet fühlte sich Reupke zwar schon, die Alpen seien aber ein ganz anderer Schuh – und das nicht nur, weil man im Harz immer Bäume im Blick hat und in den Alpen das grandiose Panorama. „Wir können hier nicht alles trainieren. Man kommt an seine fahrerische Grenze, wenn man einen engen Schotterweg entlangfährt und links neben einem geht es 30 Meter bergab“, erzählt Harre. „Absteigen war keine Schande, sondern oft auch notwendig“, fügt Reupke hinzu. Denn bei einigen Streckenabschnitten war der Weg ins Tal zum Biken vom Veranstalter untersagt: Wegen des felsigen Untergrundes durfte man das Rad hier nur schieben – oder besser: tragen.

Aber auch diese Momente wollen die Radler um Frank Harre nicht missen. Und die Alpen-Sehnsucht wird sich bestimmt auch bei dem 54-Jährigen zurückmelden: „Aber dann höchstens noch eine Level-2,5-Tour“, sagt er und kratzt sich am Kinn, „in zwei Jahren vielleicht“. Dann aber gerne auch wieder mit mehr Genuss. Im Hochgebirge könnte man dafür ja mal klettern gehen…

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