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Als in Wendeburger Grundschulen Seidenraupen gezüchtet wurden

Wendeburg Als in Wendeburger Grundschulen Seidenraupen gezüchtet wurden

Wendeburg. Seidenraupen füttern - so lautete Gerhard Wittenbergs Auftrag in den Sommerferien 1942. Gemeinsam mit seinem Klassenkameraden Helmut Kamp war er für die Insekten verantwortlich, die an der Wendeburger Grundschule gezüchtet wurden - für die Fallschirmproduktion.

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Gerhard Wittenberg kann sich noch daran erinnern: Als Junge hat er in der Wendeburger Grundschule Seidenraupen gefüttert.

Quelle: ISABELL MASSEL

Gerhard Wittenberg war damals 13 Jahre alt, es war sein letztes Schuljahr an der Wendeburger Grundschule. „Auf dem rückwärtigen Gelände war eine Hecke mit Maulbeerbäumen gepflanzt“, erinnert sich der 84-Jährige, der in Neubrück wohnt, aber in Zweidorf geboren und aufgewachsen ist. Diese Bäume bildeten die Nahrungsgrundlage für die Seidenraupen: Denn mit deren Zweigen wurde der sogenannte Maulbeerseidenspinner gefüttert.

„Es gab ein Gestell mit mehreren Etagen, dazwischen wurden Siebe gesteckt, auf denen die Zweige lagen“, schildert Wittenberg. Hatten die Raupen eine Etage leergefressen, ging es ein Stockwerk weiter nach oben.

Gefüttert wurden die Raupen so lange, bis sie sich verpuppten: „Dann haben wir die Kokons eingesammelt und sind mit unserem Rektor nach Celle gefahren.“ Denn dort befand sich der Betrieb, der die Seide abwickelte. „Damals sagte man uns, dass man aus der Menge, die wir abgeliefert haben, einen Fallschirm nähen könnte“, berichtet Wittenberg.

Auch Inge Gratz kann sich an die Seidenraupen-Zucht erinnern. Die heute 81-Jährige berichtet sowohl von den Maulbeerbäumen auf dem Schulgelände, die dort gestanden hätten, wo sich heute der Anbau befindet, als auch von den Holzregalen, in denen die Seidenraupen lebten. Damals war sie zwölf Jahre alt. „Ich habe sie eine Woche lang gefüttert, sonst haben das die Jungen gemacht“, erzählt sie.

Auch aus Meerdorf ist überliefert, dass es dort Versuche für eine Seidenraupen-Zucht gab. Um 1750, schildert Wendeburgs Gemeindeheimatpfleger Rolf Ahlers in der Meerdorfer Chronik, sei der Seidenbau durch den Anbau von Maulbeerbäumen vorangetrieben worden - als Lebensgrundlage für Seidenraupen. Die davon produzierte Seide, ein sehr hochwertiges Produkt, versprach gute Einkünfte. „An mehreren Orten im Land gab es schließlich Plantagen mit Maulbeerbäumen, in Meerdorf um 1755 südöstlich des Ortes auf einer Fläche von unter zwei Hektar“, berichtet Ahlers.

Aber auch dort habe sich, wie an anderen Orten, kein Erfolg eingestellt. 1804 stellte ein Bericht klar, dass „mehr als fünfzigjährige Erfahrungen es nun zur Genüge nachweisen, dass der Seidenbau in den hiesigen Landen nicht gedeiht.“ Trotzdem mussten 1939 auch hier wieder Maulbeerbäume angepflanzt werden, um den Rohstoff für die kriegswichtige Fallschirmseide zu erzeugen, so der Gemeindeheimatpfleger. Allerdings habe sich die im Schulgarten angelegte Plantage auch diesmal nicht erfolgreich gezeigt.

Bald nach Kriegsende verschwanden die Maulbeerbäume, um ertragreicheren Pflanzen Platz zu machen.

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