Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
16 Jahre „Entwicklungsarbeit für die Gemeinde“:Hartmut Marotz verlässt den Chefsessel

Vechelde 16 Jahre „Entwicklungsarbeit für die Gemeinde“:Hartmut Marotz verlässt den Chefsessel

Vechelde. „Abschiede sind Tore in neue Welten“ - ganz diesem Einsteinschen Zitat folgend freut sich Hartmut Marotz in seinem bevorstehenden Ruhestand auf mehr „Freiheiten“, die „fehlende Erwartungshaltung“ und auch das „Nichtstun“. Gerade das Nichtstun ist wohl in den am 31.  Oktober endenden 16 Jahren seiner Amtszeit als Bürgermeister der Gemeinde Vechelde zu kurz gekommen.

Voriger Artikel
Wissenschaftler aus Rumänien kommen nach Wendeburg
Nächster Artikel
Märchenhafte Musikwelt mit „Bube, Dame, König“

So kennt man ihn: Hartmut Marotz an seinem Schreibtisch im Rathaus.

Quelle: mir

An erster Stelle stand für ihn immer das Wohl der Gemeinde Vechelde - und um das war es nicht besonders gut bestellt, als er damals, 1998, nach einem Wahlerfolg mit 65,2 Prozent den Chefsessel im Vechelder Rathaus bezog. Die Kommune sei finanziell angeschlagen gewesen und hatte ein Defizit von 1,6 Millionen Euro angehäuft. „Im Schlosspark überwucherten in den letzten Jahren vor meinem Amtsantritt Wildkräuter die Rosenbeete und die Brücke über die Aue war nicht begehbar, weil sie völlig vergammelt war“, beschreibt Marotz seine Eindrücke von damals. Wichtigstes Ziel sei also die Konsolidierung des Haushaltes gewesen, was auf Anhieb durch ein rigoroses Sparkonzept gelang, das vor allem das Personal betraf. „Aber nicht durch Entlassungen, sondern indem wir Stellen nicht wiederbesetzt haben - von der Putzfrau bis zum Amtsleiter“, erklärt er. So konnten 600 000 Euro pro Jahr eingespart werden.

Die Finanzen waren also geordnet, und so konnte sich Marotz als bekennender Opern- und Klassikfan einem seiner liebsten Betätigungsfelder zuwenden: der Kultur. „Einer meiner wesentlichen Ansatzpunkte war es, kulturelle Angebote zu schaffen und das Bewusstsein dafür zu schärfen.“ Zur Herzensangelegenheit wurde etwa die Umgestaltung des Schlossparks nach historischen Plänen in einen Barockgarten. Auch die Partnerschaft mit der finnischen Stadt Valkeakoski, die seinerzeit am Boden gelegen habe, sei durch ihn wiederbelebt worden. Eine weitere Partnerschaft wurde zur polnischen Gemeinde Niemodlin geknüpft, die sich auch in Schüler- und Vereinssport-Austausch niederschlägt.

Auch dem Thema Natur und Umwelt hatte man sich zu öffnen und so zeigte sich der in Braunschweig geborene Marotz als überzeugter Gegner des Endlagers Schacht-Konrad in Salzgitter-Bleckenstedt. Des weiteren wurde eine 1,5 Hektar große Streuobstwiese angelegt und ein 2,1 Hektar großer Schulwald in Wierthe entwickelt. Auch beim Bau von Radwegen brachte sich die Gemeinde ein und finanzierte viele Strecken mit.

Neue Kitas entstanden und wo kein Neubau notwendig war, wurde angebaut. Die Zweizügigkeit der Grundschule Wedtlenstedt konnte bewältigt werden, und auf das Gymnasium ist der scheidende Verwaltungschef nach wie vor sehr stolz. „Ich danke dem Landkreis, dass er das umgesetzt hat und ein sehr modernes Schulprojekt verwirklicht hat“, so der „geistige Vater des Vechelder Gymnasiums“.

Auch auf die Angebote für Senioren, zwei Seniorenpflegeheime und betreutes Wohnen, ist Marotz stolz - wie auf die Feuerwehr. „Wir haben als einzige Landgemeinde im Landkreis einen Feuerwehrschwerpunkt und dafür ein erweiterungsfähiges Feuerwehrhaus errichtet und eine Drehleiter beschafft.“ Und auch die „kleinen“ Feuerwehren seien nicht vergessen worden. Des Weiteren wurden zwei Sporthallen mitfinanziert, mehrere Plätze grunderneuert und das Hallenbad mithilfe der Bevölkerung, die eine Grundsteuererhöhung von 30 Prozentpunkten „fast klaglos hinnahm“, vor der Schließung bewahrt.

Im Jahr 2006 konnte Marotz sein Wahlergebnis auf 73,5 Prozent steigern und weiter „Entwicklungsarbeit für die Gemeinde“ leisten. Das Ergebnis: Ein Dutzend Baugebiete, fast allerorten. Nicht zu vergessen: das Geld für die Gemeindekasse. Auch der Einstieg ins Stromgeschäft, bei dem die Gemeinde Vechelde anders als die anderen Landkreis-Kommunen auf ein Pachtmodell mit der Avacon setzte, lässt die Kassen klingeln.

In seiner Amtszeit sei die Einwohnerzahl um 900 Personen gestiegen, was „Bewegung im Handel und den Dienstleistungen“ erzeugt habe. Und so konnte Vechelde auch zu einem „beachtlichen Gewerbestandort“ werden, dessen Einnahmen an dritter Stelle im Landkreis Peine stehen, hinter der Stadt Peine und der Gemeinde Hohenhameln. Mitgewirkt an diesem Erfolg hätten natürlich auch die günstigen Rahmenbedingungen und - nicht zu vergessen - die Mitarbeiter im Rathaus.

Ein Projekt zu dem er nach wie vor steht, das ihn aber „an den Rand des persönlichen Leidens“ brachte, war das umstrittene Museum „ZeitRäume“ Bodenstedt. Doch durch Kritik könne man sich schließlich auch verbessern, wenngleich der 66-Jährige bedauert, dass „sich manche Gegnerschaft nicht wandeln ließ“.

Schon als 14-Jähriger wollte Marotz Bürgermeister werden, ordnete tagträumerisch kleine Bereiche um die 40 Steinbaracken für Heimatvertriebene, in denen seine aus Pommern stammenden Großeltern lebten, und die später zu Sozialsiedlungen wurden, in einer Art Bebauungsplan mit Spielplatz und Springbrunnen. „Ich bin auch als Schüler zu Ratssitzungen gegangen“, berichtet er. Und konnte es kaum erwarten, mit 21 in die SPD einzutreten. „Vielleicht, weil mein Vater, der Schneidermeister war, infolge der Konfektionsschneiderei Arbeiter werden musste“, sagt er. „Und weil es eine moderne Partei war.“

Zielstrebig erklomm er die Karriereleiter, arbeitete 24 Jahre bei der Stadt Braunschweig als Beamter des gehobenen Dienstes, später des höheren Dienstes. Nebenbei engagierte er sich in der Lokalpolitik - er gehörte dem Gemeinderat an, war Fraktionsvorsitzender, Ortsbürgermeister von Vechelde/Vechelade, ehrenamtlicher Bürgermeister von Vechelde und Kreistagsmitglied. Erst als er 1989 Gemeindedirektor in Lengede wurde, legte er seine politischen Ämter nieder. Als sich die Einführung des eingleisigen Bürgermeisters abzeichnete und sein bisheriger Posten damit wegfiel, stellte sich Marotz in Vechelde zur Wahl - alles weitere ist bekannt.

Mit seinem Arbeitsergebnis ist Marotz zufrieden, mit manchen „Randerscheinungen“ weniger. Manchmal sei er „unbeherrscht aufgetreten“, habe Entscheidung nicht immer vermitteln können. Und dann gab es da „Eitelkeiten, die nicht immer auf Beifall stoßen konnten“.

Inzwischen kann Marotz gelassen auf sein Dienstende am 31. Oktober blicken, das er erst als Belastung empfunden hatte. Statt sich gleich ehrenamtlich zu engagieren, will er erst einmal einen Schritt zurücktreten, seinen Enkel nach der Schule zum Sporttraining fahren und „mehr im Garten machen als nichts“ - schließlich habe er das seiner Frau versprochen. Auch Tennisspielen will er weiterhin im Doppel und Konzerte und Opern besuchen. Als nächstes auf dem Programm steht Wagners „Tannhäuser“ seine Lieblingsoper, „weil sie dem Leben entspricht“.

Umgehungsstraße oder aber das Dornberg-Carree, es sind viele Projekte, die die Einwohner in ihrer Erinnerung vielleicht mit dem Namen Marotz verknüpfen werden. Und wer weiß, was da noch kommt - wie heißt es doch: „Abschiede sind Tore in neue Welten“.

mir

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Lesen Sie alles rund um das traditionsreiche Peiner Fest. mehr

Rückbau auf dem Telgter Elmeg-Gelände
Veranstaltungen

Welche Veranstaltungen und Termine gibt es im Peiner Land? In unserer Datenbank finden Sie alle Infos. mehr

Sudoku

Das Zahlenrätsel Sudoku in verschiedenen Schwierigkeitsgraden

Kinoprogramm

Jeden Donnerstag neu: alle Filmstarts in Peine und Umgebung