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Wenn im Kirchenschiff der Bagger steht

Adenstedt Wenn im Kirchenschiff der Bagger steht

Stolz steht er am Rand eines großen Trümmerfeldes – stolz und ein bisschen schief. Aber das ist ja auch das Markenzeichen des Glockenturms der katholischen St.-Thomas-Kirche in Adenstedt. Doch bald wird auch er verschwunden sein. Gestern hat der Abriss des nicht mehr finanzierbaren Gotteshauses begonnen.

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Die Abrissarbeiten an der St.-Thomas-Kirche in Adenstedt haben gestern begonnen.

Quelle: mu

Lahstedt-Adenstedt . Mit lautem Getöse „beißt“ sich der Greifer des gelben Baggers am Dach der St.-Thomas-Kirche in Adenstedt fest. Gekonnt zerrt der Fahrer an der Wellblech-Konstruktion; ein Stück reißt los und wird flatternd zu Boden gedrückt. Der Motor schnellt hoch, der Hydraulik-Arm der Maschine taucht haarscharf an der Stromleitung vorbei und nimmt wieder das Dach des Gotteshauses ins Visier.

„Wir haben kurzfristig von der Kirchenverwaltung Bescheid bekommen, dass das Gebäude nun doch abgerissen wird“, sagt Ortsbürgermeister Wolfgang Rasch (SPD). Im Januar 2008 war bekannt geworden, dass das katholische Bistum Hildesheim wegen chronischen Geldmangels einige Gotteshäuser schließen muss. Auch Adenstedt war betroffen.
Baugebiet statt Gotteshaus

Seit knapp 40 Jahren gab es die St.-Thomas-Kirche, eine Filialkirche der katholischen Pfarrei von Groß Ilsede. Das Gotteshaus entstand in der Zeit von August 1968 bis Juni 1969, wurde in Fertigbauweise gebaut und kostete damals 324000 Mark. Die Inneneinrichtung mussten die Adenstedter jedoch selbst finanzieren. Ein Ehepaar stiftete sogar die Eheringe, als etwas Gold gebraucht wurde – heißt es in Erzählungen.

Vor etwa einem Jahr wurde das Gotteshaus ausgesegnet. Seitdem gab es einige Ideen zur Nachnutzung des Gebäudes oder zumindest des Grundstücks. Kurzzeitig kam sogar das Gerücht auf, dass sich eventuell ein Bordell ansiedeln könnte. „Wir sind froh, dass nun Nägel mit Köpfen gemacht werden“, sagt Ortsbürgermeister Rasch.

Zwei Wochen soll der Abriss dauern, danach wird die Kirche aller Wahrscheinlichkeit das Grundstück verkaufen. „Vielleicht könnte dort ja ein kleines Baugebiet entstehen“, überlegt Rasch.
Zunächst müsse jedoch der Abriss erledigt werden. Und der schreitet schnell voran. Vom eigentlichen Kirchenschiff steht nur noch die westliche Wand mit den Bleiglas-Fenstern, in denen sich der verhangene März-Himmel spiegelt.

Im nächsten Moment ist ein Klirren zu hören; der Greifer des Baggers hat sich wieder in die Reste des Gotteshauses verbissen. Plötzlich fallen dicke Tropfen aus den dunklen Wolken. Als würde der Himmel anfangen zu weinen.

Tobias Mull

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