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„Musik liegt in der Gruft“: Heitere Tötungsdelikte in Gadenstedt

Lahstedt „Musik liegt in der Gruft“: Heitere Tötungsdelikte in Gadenstedt

Gadenstedt . Als Mörder gilt, wer beispielsweise heimtückisch, grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln aus niedrigen Beweggründen einen Menschen tötet. Wer sich die lebenslange Haftstrafe ersparen möchte, lässt sich entweder nicht erwischen oder presst seine mörderischen Pläne ausschließlich zwischen Buchdeckel und kombiniert so strafrechtliche Unbescholtenheit mit Literaten-Ruhm.

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Eine gruselig-musikalische Lesung mit Kai Engelke und Helm van Hahm gab es in der Stellmacherei.

Quelle: im

Autor Kai Engelke sieht die Mörderei eher heiter. Er präsentierte das Programm „Musik liegt in der Gruft“ mit dem Gitarristen Helm van Hahm in der komplett ausgelasteten Alten Stellmacherei. Und es begann so verheißungsvoll wie klischeehaft: Klaus Doldingers „Tatort“-Thema von der Gitarre und gleich darauf die flott-fröhlich vorgetragene Gift-Attacke an der galligen Gattin.

Überhaupt schöpft der Autor seine mörderischen Eingebungen beinahe ausschließlich aus dem Milieu erloschenen Eheglücks. Dabei verspritzt er allerdings kein Blut, sondern lässt der Heimtücke den Vortritt. Die vorgelesenen Kurzgeschichten waren meist ziemlich lang, aber von schlichtem Reiz und übersichtlicher Heiterkeit.

Was Engelke auszeichnet, ist sein geradezu kabarettistischer Vortrag, die überspitzte Darstellung seiner Akteure, mit dem er sofort die Gunst des Publikums gewinnt. Die Pointen arbeitet er genussvoll heraus, wenn beispielsweise die im lichtlosen Kellerraum wegen vorenthaltener medikamentöser Versorgung verblichene Ehefrau noch nach ihrem Ableben mit vergifteten Pralinen vom Gatten Abschied nimmt oder der Grabredner seine künftige Kundschaft geschickt zu Tode erschreckt.

Da lässt er den Ehemann vom Stier auf die Hörner nehmen oder den unbeliebten Bauern in der Güllegrube ersaufen.

Dazwischen van Hahm mit selbstgemachter Mordsmusik und einem hübschen Fernsehkrimi-Musik-Rätsel, bei dem das Publikum zuweilen auch daneben lag. Was dramaturgisch ansprechend und stimmungsvoll hätte gestaltet werden können, entpuppte sich allerdings überwiegend als knapp dreistündige Bühnenblödelei. Überraschend kurzweilig gestaltete sich jedoch die halbstündige Verlängerung mit makaberem Gesang, gruseligem Gedicht und gefühlvollem Gitarrenklang.

Die Freizeit-Kommissare aus dem Publikum hätten übrigens Blaulicht und Martinshorn gebraucht, um noch pünktlich am Sonntags-„Tatort“ anzukommen.

uj

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