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Mit dem Porsche zur Feldarbeit

Lahstedt Mit dem Porsche zur Feldarbeit

Der Schalensitz ist im Jahr 1958 schon eine Luxusausstattung für einen Traktor. Bei dem Gefährt von Willi Hentis handelt es sich sozusagen um den Porsche unter den Traktoren. Wer genau hinschaut, sieht ganz schnell: Der Trecker ist tatsächlich ein Porsche.

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Der kleine rote Traktor und der große Grüne.

Quelle: cb

Lahstedt-Gadenstedt. Für 8000 Deutsche Mark gab es 1958 schon einen Porsche. 14 Pferdestärken hatte der Motor und die frische Luft für den Fahrer gab es gratis dazu. Denn ein Dach über dem Kopf gibt es nicht. Eine besondere Luxusausstattung ist der Schalensitz – und die Möglichkeit, eine Hackmaschine unter den Motorblock zu montieren. Der Gadenstedter Landmaschinen-Mechanikermeister Willi Hentis hat auch lange Zeit mit landwirtschaftlichen Maschinen gehandelt.

Ein Audi oder Mercedes unter den Traktoren ist der große Grüne von Landwirt Christian Wohlenberg aus Gadenstedt. Seine Maschine hat 200 Pferdestärken unter der Haube – und Wohlenberg als Fahrer auch ein Dach über dem Kopf. Der Traktor kostet etwa 100 000 Euro – netto. Und wer in die Führerkabine klettert, mag ihn sogar für ein Spielzeug halten, denn innen gibt es direkt neben dem Lenkrad auch einen Schalthebel, der an den Bord-Computer angeschlossen ist und an den „Joystick“ für die Computer der 80er und frühen 90er Jahre erinnert.

„Der Porsche war für den Ein-Mann-Betrieb ausgelegt“, erklärt Hentis. Das war schon fast revolutionär für die damalige Zeit, sagt er. Ältere Traktoren mussten mit zwei Leuten gefahren werden. Einer saß am Lenkrad, der andere bediente die Geräte für die Feldarbeit. Dabei schaffte der „moderne“ Porsche mit seinen drei Vorwärtsgängen und einem Rückwärtsgang an einem Acht-Stunden-Tag etwa drei bis vier Morgen Land. Wohlenbergs Traktor schafft locker das 15-Fache – allerdings legt der Landwirt dafür einen Zehn-Stunden-Tag zugrunde.

Hentis kleiner roter Traktor kommt noch ohne Hydraulik aus. Die landwirtschaftlichen Geräte werden per Hand mit Muskelkraft und Federunterstützung bedient. Er war geeignet zum Pflügen und anderen kleinen Feldarbeiten. Dabei waren die Fahrer stets Wind und Wetter ausgesetzt. Wohlenbergs Schlepper hat eine Klima-Anlage. „Das ist seit Anfang der 90er Jahre Standard“, sagt Hentis.

Doch Wohlenberg nutzt die Klima-Anlage nur selten. Meist hat er die Kabine sogar offen, wenn er auf dem Acker ist. „Wenn ich die Kabine schließe, ist es tatsächlich sehr leise“, sagt er – und das sei nicht immer gut. Denn dann fehlt ihm die Kontrolle mit den Ohren: „Zum Beispiel das Klappern der Kreiselegge kann sich beim Drillen verändern, das würde ich sonst nicht so schnell mitbekommen.“

Ganz moderne Anbaugeräte verfügen auch über Lichtschranken oder andere Sensoren, die anzeigen, wenn eines der Geräte nicht optimal läuft, aber die Investitionen dafür sind Wohlenberg zurzeit noch zu hoch. Die Möglichkeiten, moderne Schlepper aufzurüsten, sind inzwischen fast grenzenlos. Es gibt sogar schon die Technik, Schlepper mit Satelliten-Steuerung auszustatten. Wohlenberg sagt: „Da bräuchte ich nur noch zur Kontrolle in der Kabine sitzen. Dann sucht sich der Schlepper seinen Weg fast von ganz alleine.“

Stichwort Schlepper

Der Schalthebel in der Kabine des Schleppers von Landwirt Christian Wohlenberg erinnert stark an einen „Joystick“ – den Steuerknüppel – der Computer aus den 80er-Jahren. Der Hebel ist aber eines der wichtigsten Arbeitsgeräte auf dem Schlepper. Mit ihm steuert Wohlenberg nicht nur seine Maschine, er bedient damit auch den Bordcomputer und somit seine landwirtschaftlichen Geräte. Wäre Wohlenbergs Schlepper ein ganz normales Büro, sähe der Joystick sicher aus wie eine Computer-Maus.

Die Fahrerkabine seines Schleppers ähnelt auch mehr einem Cockpit, als der klassischen Vorstellung von einem Ackergerät: Im Bordcomputer sind die einzelnen Arbeitsabläufe gespeichert. Wohlenberg muss nur noch auf Start drücken und das Fußpedal betätigen, damit sich der Schlepper in Bewegung setzt. Eine Gangschaltung hat sein Schlepper nicht mehr – zumindest nicht im klassischen Sinne: Auch vorwärts und rückwärts steuert er über seinen Joystick.

Dokumentation am Computer

Bei so viel Technik kann ein Einsatz auf dem Schlepper ganz schön eintönig werden, vor allem wenn Wohlenberg stundenlang auf seinen Ackerflächen hin und her fährt. „Aber es bleibt viel Zeit zum Nachdenken“, sagt Wohlenberg und nennt betriebliche Abläufe als Beispiel, manchmal bleibt auch Zeit für ganz private Gedanken.

Ganz allein fährt der Schlepper noch nicht. Die Technik für eine Steuerung über Satellit gibt es zwar bereits, doch die Investition lohnt sich nicht, um sie auf vergleichsweise kleinen Flächen wir im Peiner Land einzusetzen. Demnächst will sich Wohlenberg auch in eine Computer-Schnittstelle für die Dokumentation seiner Arbeit zulegen. Damit kann er zum Beispiel verbrauchte Mengen von Düngemittel oder Diesel direkt auf heimischen Computer überspielen und braucht die Daten nicht mehr mühselig zu übertragen.

Thorsten Pifan

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