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Lahstedts letzter Bürgermeister geht in Ruhestand

Lahstedt Lahstedts letzter Bürgermeister geht in Ruhestand

Lahstedt. Nirgendwo, so wunderte sich schon der biblische Gottessohn, gelte ein Prophet weniger als in seiner Heimat. Dass es hingegen Klaus Grimm, gebürtiger Adenstedter und Wahl-Solschener, wenn nicht zum öffentlichen Mahner und Künder aber immerhin bis ins höchste politische Amt Lahstedts schaffte und er sich darin Anerkennung allüberall erarbeitete, ist wahrscheinlich wohl doch die Ausnahme von der Regel.

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Hört auf: Klaus Grimm.

Quelle: rb

Nach einer glänzenden Karriere im Verwaltungsdienst, die er vor 42 Jahren als „Lehrling“ bei der Gemeinde Lahstedt begann, wählten ihn vor acht Jahren „seine“ Lahstedter zum Bürgermeister. Wenn er heute in seinem Gadenstedter Regierungssitz die Belegschaft in den Sitzungssaal zum Umtrunk einlädt, wird schon am nächsten Tag nichts mehr so sein, wie es war: die Gemeinde Lahstedt und ihr letzter Bürgermeister sind nur mehr verblassende Epoche. Grimm wird Pensionär, Lahstedt Anfang 2015 in der Gemeinde Ilsede aufgehen und das Rathaus in Gadenstedt eine Filiale der Ilseder Zentrale.

„Es hat Spaß gemacht“, resümiert Grimm, als er die PAZ an seinem Lieblingsplatz empfängt. „Am liebsten bin ich bei meiner Familie in unserem Haus mit Garten hier in Solschen“, erklärt er und bietet einen Platz auf dem Sofa zu Kaffee und Gebäck an. Viel Zeit will er sich selbst dort allerdings zum Ausruhen von den Irrungen und Wirrungen seines Amtes nicht nehmen, sondern freut sich besonders auf den Garderobenwechsel vom Krawattenträger zum „Blaumann“.

Denn Grimm fühlt sich nicht nur bewandert im Umgang mit der Feder („ich habe meine Reden immer selbst geschrieben“) und dem Anpacken und Bewegen kommunaler Sachthemen, sondern legt auch leidenschaftlich gerne Hand an, wenn es um Renovierungen, Verschönerungen und handwerkliche Ausformung im Heimischen geht.

So nivelliert und vorzüglich wie die beispielsweise einst von ihm höchstpersönlich vertäfelte Wohnzimmerdecke wollte er als parteiloser Bürgermeister politisch wirken, also unterschiedliche Meinungen zusammen und die Gemeinde nach vorne bringen. Aber wie man aus dem Turnunterricht weiß: Spagat können die Wenigsten. Ob er harmoniesüchtig sei?

Der zunächst zurückhaltend aber gleichermaßen offen wirkende Mann lacht auf, lehnt sich zurück: „Ausgleichend zu wirken, wo immer es ging“, sagt er, sei es gewesen, was ihm besondere Freude gemacht habe, und er erwähnt die gemeinsamen und erfolgreichen Klausurtagungen aller politischen Kräfte - wenn auch sonst nicht immer alles „eitel Sonnenschein“ gewesen sei.

Stets, aber „besonders in Krisensituationen“ habe er auf Rückhalt daheim zählen können. „Und gerne auch Besinnung in der Natur im Garten, beim Wandern, beim Radeln“, zählt er auf und lobt sogleich „die wunderschönen Radwanderwege im Peiner Land“.

Klar habe ihn gereizt, sich als Bürgermeister der neuen großen Ilseder Gemeinde zu bewerben. Ein Schreckschuss auf seine Gesundheit habe ihn vor drei Jahren allerdings umdenken lassen. Und so stapeln sich für ihn künftig nicht mehr Tagesordnungspunkte, sondern die Aufgaben im ehelichen Auftragsbuch.

Ob er in den 42 Dienstjahren im dörflichen Verwaltungsumfeld auch mal mit dem Gedanken der beruflichen und örtlichen Veränderung geflirtet habe? „Ja“, gibt er ein bisschen zögerlich zu. Vor ungefähr 20 Jahren sei es „einmal, aber nur kurz“ so weit gewesen.

Die Liebe zu Lahstedt habe aber die Verlockung besiegt und so blieb der gegen Untugenden offenbar resistente Mann („ich bin Nichtraucher und trinke kaum Alkohol“), der die Spontaneität liebt und beispielsweise sein Publikum auf Volksfesten weniger mit politischen Ausführungen zu ermüden als mit kreativen Einlagen zu ermuntern versuchte, seinen fünf Ortschaften und deren Bewohnern treu.

Diese Treue will er übrigens auch im Ruhestand halten und wunschgemäß als gelegentlicher Ratgeber „bei einer Tasse Kaffee“ wirken, „zumindest, bis die sechs Monate ohne Chefs in Lahstedt und Ilsede überstanden sind“.

Während der Solschener später auf dem Fahrrad das Peiner Land erkundet, Haus und Garten verschönt oder in Büchern blättert (zurzeit: „Mehr Zeit mit Horst“ - ein Humor-Werk über einen Neu-Ruheständler), möge der künftige Ilseder Zentral-Chef, der möglichst aus dem überregionalen Bereich stammen solle, „wertfrei und neutral seine neue Aufgabe angehen“.

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