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„Kann keinem Blumenstrauß beim Sterben zuschauen“

Lahstedt „Kann keinem Blumenstrauß beim Sterben zuschauen“

Gadenstedt. Ein Prophet gelte nirgends weniger, als in seiner Heimat, sagt die Bibel. Seit Sonntag ist das zumindest in Gadenstedt anders. Denn seit der Gadenstedter Dr. Peter Schmidt seine durch Autismus und das Asperger Syndrom veränderte Wahrnehmung erkannte, seine Erfahrung zwischen zwei Buchdeckeln sammelte und kürzlich herausgab, reißen sich selbst die internationalen die Medien um ihn (PAZ berichtete).

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Stellte sein Buch erst im Fernsehen und jetzt auch in Gadenstedt vor: Peter Schmidt (rechts) in der Alten Stellmacherei.

Quelle: im

In der kuscheligen Kaminzimmeratmosphäre der Alten Stellmacherei präsentierte er nun erstmals seinen dörflichen Mitbewohnern sowohl einen Teil seiner Autobiografie („Ein Kaktus zum Valentinstag“), sich selbst und Aha-Erlebnisse am laufenden Band.

Und tatsächlich ist alles so ganz anders als bei einer der üblichen Autorenlesungen. Der Autor steht schon lange vor Beginn auf der Bühne, wirkt dabei wie ein Prüfling vor der verschlossenen Tür zum Examenszimmer.

Als ihn Stellmacherei-Intendantin Jutta Reuting vorstellt, unterbricht er sie mit Kommentaren und Ergänzungen. Und nach exakt 57 Minuten Lesezeit wird ihn Ehefrau Martina wunschgemäß auf die ablaufende Stunde hinweisen.

Ohne exakte Einhaltung von Regeln geht nämlich beim Autor gar nichts, wird er dem Publikum nach der Lesung erklären, wenn es ihn wissbegierig mit unzähligen Wie-ist-das-denn-bei-Ihnen-wenn...?-Fragen löchert. Regelverstöße, lässt er wissen, quittiert der promovierte Geophysiker Schmidt, der sich selbst als hochfunktionaler Autist mit ausgeprägtem Asperger-Syndrom bezeichnet, mit emotionalen Vulkanausbrüchen. Und dann, so vermutet man, bleibt vermutlich wenig bis gar nichts übrig der Freundlichkeit des lächelnden Mannes, der so überaus humorvoll und gewinnend eine Auswahl der 224 Seiten seines Buches vorliest.

Über seine Schulzeit in Gadenstedt beispielsweise, wo er die letzten Sympathien verspielt, weil er den Rat seiner Eltern, sich „durchzubeißen“, wörtlich nimmt. Oder die „ostpreußische Flirtkunde“, die ihm seine Zimmerwirtin später in Bezug auf seine Bemühungen um Cordula oder die Zahnarzthelferin Martina erteilt.

Auch zum Vorlesen wählt Schmidt die schwierigste Variante: Rezitierend wandert er über die Bühne, zitiert direkt aus dem Buch - kein Pult, kein Tisch, er ist dauernd in Bewegung. Auch emotional übrigens - besonders, wenn er an einer Stelle nur mit Mühe die Fassung wahrt und es ihm „aus dem Gesicht zu regnen“ droht.

Dazu passt, dass er, auch um „Blumen in der Vase nicht beim Sterben zuschauen“ zu müssen, seiner Liebsten lieber einen Kaktus schenkt.

uj

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