Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Jazz und Tango mit Quetsche, Wal und Klampfe

Stellmacherei Gadenstedt Jazz und Tango mit Quetsche, Wal und Klampfe

Noch eine halbe Stunde bis Konzertbeginn. Kaum noch ein Stuhl frei in der alten Stellmacherei zu Gadenstedt. Die Gäste holen sich noch ein Schmalzbrot, ein Glas Wein, plaudern und lachen. Der Ofen bullert, draußen liegt noch Schnee. Gleich geht es los: Zwei Stunden lang Jazz, Latin und ganz viel französische Leichtigkeit von Cara Vie aus Oldenburg und Jever.

Voriger Artikel
„Diese Regierung ist eine Katastrophe“
Nächster Artikel
„Change Partners“: Musik mit Gänsehaut-Faktor

Legten richtig los: Das Trio Cara Vie jazzte in der Alten Stellmacherei.

Quelle: Isabell Massel

Lahstedt-Gadenstedt. Manchem ist das Akkordeon ja nur als Schifferklavier oder – ganz despektierlich – als Quetsche bekannt und allenfalls geeignet, um rauh-kehlige Seemanns-Shantys zu begleiten. Na ja, und so ein mannshoher Kontrabass prahlt ja eher mit seiner breithüftigen barocken Üppigkeit. „Bomm-Bumm-Bomm“ kann der höchstens machen: völlig falsch, denn: Was Ralf Dohmen am Akkordeon, Kai Leinweber am Kontrabass und Wilhelm Magnus an der Gitarre von Cara Vie in der alten Stellmacherei auf ihren Instrumenten boten, war ein solch unerhörter Reichtum von Klangfarben, Stimmungen und nuanciertesten Tonschattierungen, mit der sie ihre Jazz- und Tango-Arrangements darboten, dass die etwa 60 Gäste am liebsten noch bis Sonntagabend Zugaben gefordert hätten.

Pünktlich um acht betreten drei ernste Herren in rabenschwarzen Zweireiher die Bühne, greifen sich ihre Instrumente und legen los. Legen so richtig los und schon nach den ersten wenigen Takten ist die komplette Stellmacherei in eine sommerwarme Brasserie auf Montmartre umgezogen.

Anspruchsvolles Repertoire

Das anspruchsvolle Repertoire von Cara Vie adaptiert Komposition von Jazz- und Tangogrößen wie Richard Galliano, Astor Piazzolla oder Django Reinhardt – um nur einige zu nennen. Die Phrasierungen, die individuellen musikalischen Artikulationen von Leinweber, Magnus und Dohmen sind dabei aber auf fast ungreifbare Weise von einer federleichten Melodik französischer Chanson-Tradition durchzogen. Die meisterliche Instrumentenbeherrschung, ihr Gefühl für Timing, Dramatik und Gefühl erzeugen filigrane Stimmungsbilder und sehnsuchtsschöne, sepia-gelbe Assoziationsketten von einem Frühling in Paris, dass es nur in unseren Köpfen oder in Filmen mit Audrey Tautou gibt. Einfach großartig.

Zu lernen gibt es auch etwas. Zwischen den Stücken erklärt Leinweber im launigen Plauderton Entstehung und Besonderheiten der nächsten Nummern, gibt einige biographische Pointen der Komponisten zum Besten oder plaudert über Band und Instrumente: „Das Akkordeon nennt man ja gerne Quetsche, klingt ja eher wie eine fette, überreife Frucht und meinen Kontrabass bezeichnet meine Familie als Wal. Wal – weil der halt immer überall rumliegt.“

Und dann jazzen Quetsche, Wal und Klampfe wieder los und der Wein schmeckt prima und alle haben gute Laune und am Besten sollte das hier gar nicht mehr aufhören. Einziger Wehmutstropfen: Die Band hat noch keine CD herausgebracht – die kommt aber bald und Stellmacherin Jutta Reuting verspricht die Jungs wieder einzuladen.

Björn Wulfes

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lahstedt

Lesen Sie alles rund um das traditionsreiche Peiner Fest. mehr

157d6b0e-8102-11e7-8a9d-ecf16cf845db
„Begehbare Kunst!“: Impressionen von der Vernissage

In seinem Atelier 53 in Groß Ilsede interpretiert Fritz Lutz mit Teppichstücken Werke namhafter Künstler.

Veranstaltungen

Welche Veranstaltungen und Termine gibt es im Peiner Land? In unserer Datenbank finden Sie alle Infos. mehr

Sudoku

Das Zahlenrätsel Sudoku in verschiedenen Schwierigkeitsgraden

Kinoprogramm

Jeden Donnerstag neu: alle Filmstarts in Peine und Umgebung