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Dr. Peter Schmidt - ein Autist und die Liebe

Klein Ilsede Dr. Peter Schmidt - ein Autist und die Liebe

Gadenstedt. Die Gefühle seiner Mitmenschen sind ihm ein Rätsel, beim Smalltalk tritt er unfreiwillig von einem Fettnäpfchen ins andere. Erst vor fünf Jahren hat der Gadenstedter Dr. Peter Schmidt die Ursache für seine ungewöhnlichen Verhaltensweisen herausgefunden: Er ist Autist – und diese Wahrnehmungsstörung des Gehirns macht die soziale Interaktion so schwierig. Jetzt hat der 46-Jährige ein Buch geschrieben.

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In dem Buch „Ein Kaktus zum Valentinstag“ erzählt Dr. Peter Schmidt auch von seinen vielen Reisen – auf dem Foto ist er mit seiner Frau Martina in Indien zu sehen.

„Alles fing mit einem Vortrag bei der Autismus-Bundestagung in Nürnberg im Jahre 2008 an“, sagt Dr. Peter Schmidt aus Gadenstedt. „Dort wurde mir rückgemeldet, dass ich wie niemand anders zuvor einen Weg gefunden hätte, transparent zu machen, was in mir vorgeht, wie ich das für andere Menschen Unbegreifliche erlebe.“ Immer wieder drängten ihn Besucher, ein Buch über seine Empfindungen und Erlebnisse zu schreiben. Doch Schmidt zögerte. „Es bedurfte einer reiflichen Überlegung, sich in dieser Form zu outen“, erklärt der Gadenstedter. „Und außerdem will ein wirklich gutes Buch aus der Distanz geschrieben sein. Denn nur wer auf dem Berge steht, sieht, wie die Strukturen in den Ebenen zu Füßen des Berges wirklich aussehen, wie das alles so zusammenhängt und aus den Details sich das ganze Bild, die Landschaft zusammenfügt.“

Landschaft, Struktur, Zusammenhänge – all das ist für Schmidt schon als kleiner Junge faszinierend. Seit seiner Kindheit malt, zeichnet und fotografiert er Straßen. Während später die anderen lieber in die Disco gingen, entstanden immer wieder papierne Flächen mit ganzen Straßenwelten, das Wachstum dieser Landschaften bereitete ihm eine Freude, die niemand mitempfinden konnte.

In seinem Buch „Ein Kaktus zum Valentinstag“ schafft es Schmidt nun, den Leser an dieser ganz speziellen Gefühlswelt teilhaben zu lassen. Mal humorvoll, mal ernst, mal mit überraschenden Wortkreationen. Und die Medien reißen sich um den Gadenstedter – gestern trat er mit Heiner Lauterbach im WDR-Fernsehen auf, heute ist er im ORF und am Sonntag bei RTL zu sehen.

„Autismus ist wie eine unsichtbare Mauer. Sie blockiert den emotionalen Zugang zu allem, was zwischenmenschlich abläuft. Manchmal fühle ich mich so einsam wie eine Insel im weiten Meer, abgetrennt vom Rest der Welt“, bringt Schmidt seine Beeinträchtigung auf den Punkt. Erst mit 41 Jahren hatte der Gadenstedter erfahren, dass er hoch funktionaler Autist mit einem ausgeprägtem Asperger-Syndrom ist. Bis dahin türmten sich lediglich ungezählte Warum-Fragen auf. Das Verhalten seiner Mitmenschen erschien ihm rätselhaft, auf andere wirkte er „irgendwie seltsam“ und für ihn selbst war sein Verhalten undurchschaubar.

Klarheit brachte dann ein seltsamer Traum im Jahre 2007. „Dieser Traum war für mich der Moment des Verstehens“, sagt der heute 46-Jährige. „Aber auch ein Moment des Schocks. Ich erkannte meinen Lebensfilm und die Rolle darin: Autist.“ Es sind Beschreibungen wie diese, die das Buch „Ein Kaktus zum Valentinstag“ so eindrucksvoll machen. Die Autobiographie dreht sich dabei vor allem darum, wie Schmidt trotz seiner Erkrankung seinen Traum von Liebe und Familie verwirklicht hat. Und das war wahrlich kein leichter Weg für den zweifachen Vater und promovierten Geophysiker. So hat er extra für seine Frau das Lächeln erlernt. Auch davon erzählt dieses ungewöhnliche Buch, das auch als Plädoyer für die Vielfalt gelesen werden kann.

Das Buch „Ein Kaktus zum Valentinstag – Ein Autist und die Liebe“ ist im Patmos Verlag erschienen, kostet 19,99 Euro und enthält auf 224 Seiten auch viele Fotos. ISBN 978-3-8436-0211-2.

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Autismus wird als eine Entwicklungsstörung oder angeborene Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns beschrieben, die sich schon im frühen Kindesalter bemerkbar macht. Der Begriff geht auf den Schweizer Psychiater Eugen Bleuler zurück, der im Jahre 1911 damit unter anderem Symptome wie die Zurückgezogenheit in die innere Gedankenwelt bei seinen Patienten beschrieb.

Experten gehen davon aus, dass bis zu ein Prozent der Bevölkerung von einer autistischen Störung betroffen ist – weltweit gebe es 67 Millionen Autisten. In Deutschland gibt es nach Schätzungen etwa 60000 Autisten.

Die Interessen von Autisten sind meist auf bestimmte Gebiete begrenzt, jedoch besitzen manche von ihnen auf dem Gebiet ihres besonderen Interesses außergewöhnliche Fähigkeiten, zum Beispiel im Kopfrechnen, Zeichnen oder in der Merkfähigkeit. Dr. Peter Schmidt bezeichnet sich selbst als hochfunktionaler Autist mit einem ausgeprägten Asperger-Syndrom.

Als Asperger-Syndrom wird eine Störung bezeichnet, die vor allem durch Schwächen innerhalb der sozialen Interaktion gekennzeichnet ist. Beeinträchtigt ist insbesondere die Fähigkeit, die Mimik bei anderen Personen zu erkennen und intuitiv selbst auszusenden. Das Verhalten von Asperger-Autisten erscheint deshalb oft merkwürdig. Das Asperger-Syndrom ist jedoch häufig auch mit erheblichen Stärken verbunden, etwa in den Bereichen der Wahrnehmung oder der Gedächtnisleistung.

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