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„Der Junge vom Saturn“ und seine Kindheit in Gadenstedt

Lahstedt „Der Junge vom Saturn“ und seine Kindheit in Gadenstedt

Gadenstedt. Heute muss er zuweilen selbst lachen, wenn er aus seinen Erinnerungen vorliest: Seit der Gadenstedter Dr. Peter Schmidt als Erwachsener rein zufällig seine durch Autismus und das Asperger Syndrom veränderte Wahrnehmung erkannte und sein zweites Buch darüber vorlegte, reißen sich Medien und Fachleute um ihn.

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Las in der Alten Stellmacherei: Dr. Peter Schmidt, der „Junge vom Saturn“.

Quelle: rb

In „Der Junge vom Saturn“ beschreibt er sein Dasein vom allerersten Moment an. Und so drängelten sich seine dörflichen Mitbewohner in der Alten Stellmacherei, um aus erster Hand zu erfahren, warum ihnen Peter stets „komisch“ erschienen war. Als er sich selbst wie ein Kaktus unter Blumen fühlte, die Welt anders sah, als der Rest der Welt. Und auch seine Autorenlesungen sind anders. Der erfolgsverwöhnte Autor mischt sich vor Beginn unter das Publikum: „Fotografieren Sie, wann Sie wollen“, ermuntert er die Pressefotografen.

Nach 45 Minuten Redezeit wird ihn Ehefrau Martina wunschgemäß auf die ablaufende Stunde hinweisen. Er muss als Autist über ein phänomenales Gedächtnis verfügen, denn er berichtet, wie er die Stunden seiner Geburt erlebt haben will - und sogar über die davor. Über das „wummernde Duttumm“ als Herzschlag im Mutterleib beispielsweise und das „Wattewischelwuselweichweiß“ seines Bettchens. Mit den Zuhörern begibt er sich in die „tiefen Straßenschluchten zwischen den Regalen“ des ehemaligen „Centralmarktes“, den er zur Orientierung in „Stadtteile“ gliedert und sich später gerne den Arm brechen möchte, um dann statt in den Kindergarten in die Schule gehen zu dürfen. Mit drei Jahren bringt er sich selbst das Lesen bei und will beim schulischen Vorlesewettbewerb aus dem Duden vorlesen, weil ihn Geschichten und Gefühle verwirren. Und wenn es im Unterricht darum geht, hagelt es bei ihm „Lehrerrot“ und schlechte Noten.

Beinahe widerwillig entlässt er das Publikum in die Pause und überzieht dafür zu dessen Wohlwollen den zweiten Teil trotz immer dringender werdender Zeithinweise seiner Ehefrau. Er lässt sich sichtlich gerne von den „Wie-war-das-denn-bei-Ihnen-als“-Fragen aus dem Parkett löchern - und findet weise Kritik beispielsweise zum heutigen Schulsystem und dessen eher administrativem statt pädagogischem Umgang nicht nur mit autistischen Schülern. Betörende verbal-sinnlichen Kreationen, geschickter sein Erzählstil, den er vom naiv-kindlichen in die bedrückende Entdeckung seines Andersseins gleiten lässt - aber stets humorvoll und zuweilen witzig. Kurzkritik: unbedingt lesenswert!

uj

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