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Zeugnisse aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs

Gadenstedt Zeugnisse aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs

Gadenstedt. Mit der Mobilmachung im August 1939 wird der junge Landwirt Heinrich Bertram - eigentlich zuhause auf einem Bauernhof im Kreis Holzminden - in Gadenstedt zusammen mit Männern aus Adenstedt, Wipshausen und Groß Lafferde zur Wehrmacht eingezogen. Damit beginnt der Briefwechsel „Zwischen Elternhaus und Front“, den Christa Grothe herausgegeben hat - ein sehr persönliches Buch.

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Christa Grothe hat ein sehr persönliches Buch herausgegeben: einen Briefwechsel „Zwischen Elternhaus und Front“.

Quelle: oh

Mehr als 800 Briefe finden sich auf ebenso vielen Seiten. Briefe, die sich Heinrich Bertram und seine Familie - allen voran seine Schwester Helene, die Mutter von Christa Grothe - zwischen 1939 und 1943 schrieben. „Ich habe mir die Briefe im November 2009 vorgenommen, konnte aber nichts damit anfangen“, erzählt die 64-Jährige, die in Golmbach im Kreis Holzminden lebt. Denn zum einen waren die Briefe in Sütterlin-Schrift geschrieben, zum anderen waren sie nicht in chronologischer Reihenfolge. „Ich habe sie dann Schritt für Schritt sortiert und übertragen.“ Und so erfuhr sie die ganze Geschichte.

Einberufen wurde Heinrich in Gadenstedt, wo „170 Männer aus ganz Deutschland und der Ostmark (heute Österreich) sowie 150 Pferde gemustert wurden“, wie Grothe zu berichten weiß. In Groß Lafferde wie in Bettmar habe sich damals jeweils eine Batterie, also eine militärische Einheit, befunden. Vechelde sei Sitz der übergeordneten Instanz der Abteilung gewesen. „Die Soldaten, die dort anrückten, erhielten dann in Braunschweig ihre Ausrüstung“, so Grothe. Bis es so weit war, wurden die Männer jedoch bei den Dorfbewohnern einquartiert, wie es aus einem der zahlreichen Briefe hervorgeht. Heinrich selbst war bei Familie Heinrich Hesse in Gadenstedt untergebracht, von der er später Post bekam - vermutlich hatte diese ein Proviant-Päckchen ins Feld geschickt (siehe Info).

Während Heinrich als Soldat zunächst im Westen, später in Russland eingesetzt wird, blieben seine Stiefmutter und drei jüngere Schwestern auf dem Hof zurück. Für sie galt es nun, diesen erfolgreich zu bewirtschaften.

Wie schwierig das während des Krieges im Angesicht von Seuchen, Abgaben und Güterknappheit war, lässt sich aus den langen Briefen Helenes an ihren Bruder herauslesen, der aus der Ferne versuchte, Hilfestellung zu leisten. „Ein Problem löste das nächste ab“, schildert Grothe, „erst brach eine Seuche aus, dann wurde das Futter knapp - es konnte kein Stroh gedroschen werden, weil es keinen Treibstoff für die Maschinen gab.“

Und dann war da die Sorge um den Bruder, der von seinen Erlebnissen aus dem Soldatenalltag schrieb, von seiner Sehnsucht nach dem Bauernhof im Weserbergland und der Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges, die sich für ihn aber nicht erfüllte: Er starb mit 28 Jahren 1943 an der Ostfront in Russland.

Zwar habe ihre Mutter manchmal von dieser Zeit erzählt, aber nur wenig. „Heute kann ich verstehen, dass sie nicht alles berichtet hat“, sagt Grothe. „Es war extrem, was die Frauen zu leisten hatten.“ Und dann gibt es da noch etwas, das sie ganz besonders berührt hat: Die Liebe der Familienmitglieder zueinander, die in den Briefen ganz deutlich zu spüren ist.

mir

  • Ein Lesungstermin steht noch nicht fest, soll aber rechtzeitig bekannt gegeben werden. Das Buch ist von der Sparkasse Weserbergland gefördert und für 30 Euro unter der ISBN 378-3-940751-98-0 oder per E-Mail an kontor@800-briefe.de.

Einen historischen Brief von Heinrich Hesse finden Sie in der gedruckten PAZ am Samstag.

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