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Vor 200 Jahren hatte ein Müller die Idee zur Begradigung der Fuhse

Steinbrück / Groß Lafferde Vor 200 Jahren hatte ein Müller die Idee zur Begradigung der Fuhse

Steinbrück / Groß Lafferde. Durchaus idyllisch ist der Eindruck, den die Fuhse in der Gemarkung von Groß Lafferde, Steinbrück und Söhlde momentan vermittelt: Von Grün gesäumt fließt das Wasser selbst bei Regenfällen im nahezu schnurgeraden Bett sanft dahin.

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Seit rund 200 Jahren verläuft das Bett der Fuhse schnurgerade.

Quelle: Marcel Giffey

Dass das nicht immer so war, weiß der Geschichtsstudent Marcel Giffey zu berichten.

Vor mehr als zwei Jahrhunderten trat die Fuhse regelmäßig über die Ufer, schädigte die umliegenden Wiesen und bereitete den angrenzenden Gemeinden einige Sorge. Eine Begradigung des Flusses leistete schließlich Abhilfe. Doch bis dahin war es ein langer Weg.

Die Groß Lafferder gaben dem Wassermüller des Nachbarortes Steinbrück an den Überschwemmungen Schuld. Im Auftrag des Domkapitels suchte der Landbaumeister Held nach den Ursachen und stellte fest, dass nicht die Stauhöhe zu Überschwemmungen führte, sondern das schadhafte Dammwerk entlang der Fuhse. Trotz dieser Erkenntnis setzten die Groß Lafferder ihren Wunsch nach einer Höchstgrenze des Wasserspiegels zunächst durch. Als Nachweis erhielten sie eine Holzlatte von der Länge 8 Fuß 9 ¾ Zoll kalenbergischen Maßes - „damit sie sich nachher von der richtigen Höhe […] überzeugen könnten“.

Mühlenpächter Bendler war mit dieser Regelung nicht einverstanden, denn bei dem derzeitigen Wasserstand könne er den Mahlvorgang nicht aufrechterhalten. Die Limitierung sei ohnehin sinnlos, die Fuhse trete auch weiterhin über die Ufer, sagte er. Zudem hielt er die ihm auferlegte Pflicht zur Reinigung der Fuhse für unzumutbar.

Doch worin konnte die Lösung liegen? In der Reparatur der Dämme? Bendler verneinte: Er habe den Versuch bereits unternommen, „aber ohne Erfolg“. Doch dem Müller kam eine kluge Idee: Beseitigte man die Krümmungen der Fuhse, würde eine Reinigung unnötig - „Da der Fluß schneller werde, und den Schlamm fortführe.“

So simpel die Idee, so kompliziert doch die Umsetzung: Während sich die Gemeinde Groß Lafferde nach einer Abstimmung auf dem Thie für die Begradigung aussprach und sogar Arbeitsleistungen anbot, hielt sich der Zuspruch aus Söhlde in Grenzen. Der dortige Bauermeister Oelkers versuchte zwar, die Dorfbewohner vom Nutzen zu überzeugen - „allein alle Mühen sind vergeblich gewesen und die Gemeine wolle sich, selbst wenn sie auch an den Kosten keinen Teil zu nehmen brauche, nicht darzu verstehen“, gab er am 19. Juli 1807 resigniert zu Protokoll.

Erst nahezu drei Jahre später, nach einer Vielzahl kontroverser Diskussionen, wurde schließlich der Durchbruch erreicht: Seit dem 1. Juli 1810 verläuft die Fuhse in einem begradigten Bett. In mühevoller Handarbeit beseitigten die Bewohner von Groß und Klein Lafferde, Söhlde, Woltwiesche und Steinbrück fünf Krümmungen. „Ein dauerhaftes, erstes, wenigstens 60 Jahre haltendes Werk zur Verhütung neuer kostspieliger Durchbrüche ist hingestellt“, lautet das Resümee im Abschlussbericht der Bauarbeiten.

von Marcel Giffey

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