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Syrische Familie rettet sich nach Ölsburg

Ilsede Syrische Familie rettet sich nach Ölsburg

Ölsburg. Gut ein Jahr sind Shahyat (36), seine Frau Heven (31), Tochter Ronaz (4) und Sohn Mohamed (2) unterwegs, um Krieg, Angst und Ungewissheit hinter sich zu lassen. Seit Oktober wohnen die kurdischen Syrer in Ölsburg und haben das Kriegsgetöse hinter sich gelassen.

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Heven Habib und Shahyat Atmann mit ihrem neugeborenen Sohn, Tochter Ronaz (4) und Mohamed (2).

Quelle: im

Angst und Ungewissheit sind ihre ständigen Begleiter geblieben.

Als reguläre syrische Soldaten ihn zwingen wollten, in ihren Diensten gegen sein eigenes Volk zu kämpfen, als seine Frau miterlebte, dass diese Soldaten auf dem Nachbargrundstück ihre Freundin vergewaltigten, als der Krieg ihrer Heimatstadt Qamischli, etwa 300 Kilometer östlich von Kobane, immer näher kam, suchten sie ihr Heil in der Flucht.

Heven leide, so übersetzt Caritas-Kulturdolmetscherin Cihan Aslan, an Schlaflosigkeit und Panikattacken. Während Heven sehr lebhaft vom Horror ihrer Flucht berichtet, scheint der Ehemann in sich gekehrt und still. Leise und tonlos zählt er die illegalen Grenzübertritte auf, für die sie Schleppern drei- und vierstellige Euro-Summen zahlten: von Syrien in die Türkei, von dort nach Bulgarien und über Serbien und Österreich nach Deutschland. Lächelnd berichten sie von der freundlichen Kurdin, die der ihr unbekannten Familie vorübergehend Aufnahme in ihrer Wohnung in Istanbul anbietet, mit verschlossenen Gesichtern fegen sie die Gedankentrümmer zusammen, die sie wohl bis zu ihrem Lebensende mit ihren Erfahrungen mit Bulgarien verbinden werden: Gefängnis, unvorstellbare Zustände in einer Flüchtlingszeltstadt im Winter, von den Tagen, die sie mit ihren Kindern auf der Straße leben mussten. Von den Nöten, ihre Kinder in den entscheidenden Momenten still und geduldig zu halten und ihnen zu erklären, warum man nicht mehr nach Hause könne, weil ihre Heimatstadt inzwischen von diversen Milizen eingekesselt sei. Die „Buschtrommeln“ funktionieren gut - auch in Bulgarien.

Dabei habe man einst im syrischen Qamischli gut gelebt: ein etabliertes Bekleidungsgeschäft bringt guten Gewinn, der Ehemann verdient im Bau dazu. Vom Verkauf ihres Geschäftes und den Ersparnissen finanzieren sie die Flucht.

Nun seien sie zwar völlig mittellos, aber „unsagbar glücklich in Ölsburg“. Die Gemeinde Ilsede hat ihnen eine leer stehende Wohnung zugewiesen. Ein Glücksfall: Ihr Einzugstag fällt mit dem Zeitpunkt der Sperrmüllabholung zusammen, sodass aus diesem Fundus die erste spärliche Möblierung gelingt, denn außer Bett, Tisch und Stühlen war die Wohnung leer.

Heven indessen ist begeistert und lässt den Tränen der Rührung immer wieder freien Lauf: Im Grenzdurchgangslager Friedland habe sich ein Arzt (!) um sie gekümmert, man habe sie angelächelt, und über die Freundlichkeit im Ilseder Rathaus kann sie sich kaum beruhigen. Und die Hilfsbereitschaft der Nachbarn! Inzwischen schlafen Ronaz und Mohamed in gespendeten Kinderbettchen, haben Spielzeug, gebrauchte Kleidung sei vorhanden und mit einem geschenkten Fahrrad fährt der Vater regelmäßig nach Peine, um bei einem kurdischen Einzelhändler die Zutaten für den heimatlichen Speisezettel zu besorgen.

Geradezu überwältigt ist die Familie von der Hilfsbereitschaft der Caritas und der Kirchen: Dass Andersgläubigen wie ihnen mit offenen Händen geholfen werde, bleibe ihr als Kontrast zu den zuvor erlebten Furchtbarkeiten für immer im Gedächtnis.

Dass Heven dann am vergangenen Sonntag ins Peiner Klinikum musste, sorgte bei ihr wiederum für Angst und Freude zugleich. Nicht einmal einen Vormittag hielt es sie im Krankenhaus - sie wollte sofort wieder zu Mann und Kindern. Nur nicht getrennt sein, sich nicht verlieren: Die Angst ist stets dabei. Dabei konnte der Grund des Klinikaufenthaltes gar nicht erfreulicher sein: Die Geburt ihres jüngsten Sohnes. Nur gut, dass sie eine Herberge haben.

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