Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
„Sprachbrocken als Ausdruck eines Schmerzes“

Ilsede „Sprachbrocken als Ausdruck eines Schmerzes“

Klein Ilsede. „Wenn ich alt bin, werde ich Schriftstellerin!“ Als Christina Sufka aus Klein Ilsede zu dieser Berufsentscheidung kam, war sie ein Schulmädchen, das gerne las und Aufsätze schrieb. Schriftstellerin und somit „alt“ ist sie dann 1979, als sie mit 34 Jahren ihre ersten Geschichten schreibt - in ostfälischem Platt, wie sie es von ihren Großeltern einst hörte und man es im Südkreis des Peiner Landes sprach.

Voriger Artikel
Emotionale Reise in die Vergangenheit der Ölsburger „Liebes-Schmuggler“
Nächster Artikel
St. Urban Gospelchor: Kraftvoller Gesang brachte Gebläsehalle förmlich zum Beben

Hat sich dem ostfälischen Platt verschrieben: Christina Sufka.

Quelle: oh

Inzwischen ist die Klein Ilseder Autorin für ihre Werke in diesem Mundart-Genre mehrfach preisgekrönt - heute wird sie nun mit dem renommierten „Borsla-Preis“ der „Borsla-Vereinigung für niederdeutsche Sprache und Literatur“ in Bösel für ihren Gedicht-Zyklus „Henrike“ ausgezeichnet. Die Laudatio hält Hermann Gelhaus, Professor im Fachbereich Germanistik der Universität Trier.

Zur Fastnacht 1979 sei sie einst mit ihrer ersten plattdeutschen Geschichte in Klein Ilsede in die Bütt gestiegen, erzählt die Preisträgerin bei Tee und Keksen und dass sie damals mit dem Text vielen Leuten „ganz schön auf die Füße getreten“ sei. Entmutigen lässt sie sich „natürlich nicht“, sondern entwickelt sich zwischen ihren Pflichten als Ehefrau, Hausfrau und Mutter zweier Kinder schriftstellerisch kontinuierlich weiter - ohne je irgendeine Ausbildung oder Schreibwerkstatt besucht zu haben, wie sie immer wieder betont. 1983 verfasst sie ihre erste Lyrik in ostfälischem Platt.

Prompt ist sie ein Jahr später Lyrik-Preisträgerin der Soltauer Freudenthal-Gesellschaft und kann diesen Erfolg sieben Jahre später mit dem Titel „Wassen“ (Wachsen) wiederholen, einer fiktiven Tagebuchaufzeichnung einer Spätgebärenden, pikanter Weise genau in der Zeit, in der die Öffentlichkeit leidenschaftlich über den Abtreibungsparagrafen 218 diskutiert.

Aber Sufka kann auch hintergründigen Humor: Für die PAZ verfasst sie zu Beginn der 1990er Jahre als „Stine Lütjohann“ Glossen auf Plattdeutsch zum Zeitgeschehen.

Nur drei Jahre später der nächste Erfolg: Für ihr Hörspiel „Graffklied“ (Grabkleid) wird sie mit dem Hans-Henning-Holm-Preis der Niedersächsischen Sparkassenstiftung ausgezeichnet. Kurios: In ostfälischem Platt wird das Stück im Norden zwar nicht gesendet. Dafür geht Sufkas Hörspiel im November vor zehn Jahren beim Südwestrundfunk in einer schwäbischen Version „A Kloed für s Grab“ über den Sender.

Sufkas Texte sind ernst, ihre Lyrik meditativ, ihr jüngst preiswürdiges Werk „Henrike“ besteht aus „Sprachbrocken als Ausdruck eines Schmerzes, für den es keinen Ausdruck gibt“, wie ein Jurymitglied erklärte.

Sufka beschränkt sich indessen nicht nur auf das Schreiben: Lesungen von Travemünde bis München, ein stabiles Netzwerk zu anderen Autoren und ihre Aufgabe als Prädikantin der lutherischen Kirche runden Sufkas Leidenschaft für das ostfälische Platt ab. Und Zeit für Ehemann, Familie und Freizeit bleibe auch noch. „Ich bin rundherum glücklich“, sagt sie, während sie am Tee nippt. „Alt“ ist sie übrigens längst noch nicht. Obwohl sie schon lange Schriftstellerin ist. Und erfolgreich!

uj

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Lesen Sie alles rund um das traditionsreiche Peiner Fest. mehr

Rückbau auf dem Telgter Elmeg-Gelände
Veranstaltungen

Welche Veranstaltungen und Termine gibt es im Peiner Land? In unserer Datenbank finden Sie alle Infos. mehr

Sudoku

Das Zahlenrätsel Sudoku in verschiedenen Schwierigkeitsgraden

Kinoprogramm

Jeden Donnerstag neu: alle Filmstarts in Peine und Umgebung