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Schul-Namensgeber starb vor 70 Jahren

Ilsede Schul-Namensgeber starb vor 70 Jahren

Ilsede. Seit zwei Jahren hat die Ilseder Förderschule am Sportzentrum einen neuen Namen: Janusz-Korczak-Schule. Jetzt ist es 70 Jahre her, dass ihr Namensgeber, der Arzt und Pädagoge starb. Die PAZ erinnert an den jüdischen polnischen Humanist, der die ihm anvertrauten Waisenkinder in die Gaskammer des Vernichtungslager Treblinkas begleitete. Seine Ideen leben heute noch fort - nicht nur in Ilsede.

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Die Skulptur „Korczak und die Kinder des Ghetto“ an der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem.

Max ruckelt sich kurz auf seinem Stuhl zurecht und macht den Rücken gerade. „Hat jemand ein Lob?“, fragt der Siebenjährige in die Runde. Heute leitet er in der Klasse 1a der Findorffschule in Osterholz-Scharmbeck bei Bremen den wöchentlichen Klassenrat. Lehrerin Imke Komesker sitzt zwar dabei, ihre Stimme wiegt aber nicht mehr und nicht weniger als die jedes Kindes im Stuhlkreis. Der Rat beginnt positiv, doch bald geht es ans Eingemachte.

Der Pole Janusz Korczak hätte seine Freude daran. Der jüdische Arzt, Schriftsteller und Pädagoge, als Henryk Goldszmit geboren, gründete 1912 unter seinem literarischen Pseudonym in Warschau ein Waisenhaus für arme und verwahrloste Kinder. Überzeugt davon, dass sie selbstbestimmt leben können, ermutigte er seine Schützlinge dazu, ein Parlament zu wählen, ein Gericht einzusetzen und eine Wochenzeitung herauszugeben. Ein radikaler pädagogischer Ansatz, der bis heute wirkt, auch wenn Korczak vor 70 Jahren von den Nationalsozialisten getötet wurde.

Einrichtungen wie der Klassenrat in der Findorffschule gehen auf seine Ideen zurück. „Die Kinder sollen selbst regieren“, schrieb Korczak in der Heimzeitung seines Waisenhauses. „Wenn sie das gut besorgen, dann wird es ihnen gut gehen; wenn sie schlecht regieren, wird es ihnen schlecht gehen. So werden sie lernen, gut zu regieren, sie werden vorsichtig sein, weil sie wollen, dass es ihnen gut geht.“ Kinder dürfen nicht Objekt der Erziehung sein, sondern sind handelnde Subjekte, verdeutlicht der Bielefelder Arzt, Erziehungswissenschaftler und Korczak-Experte Michael Kirchner die Überzeugung des Polen.

Korczak ist international vor allem bekannt, weil er seine jüdischen Waisenkinder während der deutschen Besatzung nicht im Stich ließ. Auch nicht, als das Heim ins Warschauer Ghetto verlegt werden musste. Als ihm Helfer eine Möglichkeit zur Flucht anboten, blieb er. Am 6. August 1942 deportierten die Nazis ihn und etwa 200 seiner Waisen in das Vernichtungslager Treblinka, wo sie wie die meisten der Warschauer Juden ermordet wurden. Korczak wich die ganze Zeit nicht von der Seite seiner Kinder.

Heute sind Schulen, Kindergärten, Straßen und Häuser nach ihm benannt - so auch die ehemalige „Schule am Sportzentrum“ in Groß Ilsede. Mit der Namensgebung vor zwei Jahren wollten Lehrer und Schüler ihre Verbundenheit und ihre Hochachtung vor dem Wirken des Pädagogen ausdrücken, aber auch sich selbst stärken: Die Namensgebung „Janusz-Korczak-Schule“ sei nichts weniger als der „stolze Schritt heraus aus der Anonymität“, betonte Schulleiterin Astrid Rehberg im Sommer 2010. „Wir haben sechs Schulen in unmittelbarer Nähe. Mit dem alten Namen ,Förderschule Lernen am Sportzentrum‘ wurden wir zu oft verwechselt - und niemand wusste, wo er uns findet“, sagte die Rektorin.

epd/sip

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