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Mitreißendes Portrait einer außergewöhnlichen Frau

Groß Ilsede Mitreißendes Portrait einer außergewöhnlichen Frau

Groß Ilsede. Weil sie den linken Fuß manchmal nicht mehr richtig spürte, ging die Groß Ilsederin Ulrike Westphal vor 17 Jahren zum Arzt und bekam eine niederschmetternde Diagnose: Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS – eine tödliche Erkrankung des motorischen Nervensystems. Ihren Lebensmut hat die heute 56-Jährige aber nicht verloren. Sie trotzt der Krankheit, fängt mit dem Schreiben an, veröffentlicht bis heute drei Bücher. Doch jetzt hat sie die Seiten getauscht: Die Groß Ilsederin ist Hauptperson in einem Buch. „Mit Willen zum Leben“ heißt das Werk, und es ist die Abschlussarbeit der Journalistik-Studentin Sarah Weil.

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Die Autorin Sarah Weil (links) mit Ulrike und Dietmar Westphal. Die PAZ hat schon mehrfach über die Ilsederin berichtet (Ausriss rechts).

Quelle: im

„Ich habe mich bewusst für ein medizinisches Thema entschieden, weil ich vor meinem Studium als Gesundheits- und Krankenpflegerin tätig war“, sagt die 27-jährige Studentin. Ratgeber, Lebensbegleiter und Mutmacher solle das Buch sein, schreibt sie im Vorwort. Doch es ist mehr – es ist auch ein außergewöhnliches Porträt einer außergewöhnlichen Frau: Ulrike Westphal.

Die Diagnose „ALS“ war für die Groß Ilsederin ein einschneidendes Erlebnis. Von einen Tag auf den anderen änderte sich ihr Leben komplett; ihr körperlicher Zustand verschlechterte sich rapide, schließlich verlor sie sogar fast ihre Stimme. Doch anstatt in Selbstmitleid zu versinken, nahm Westphal die Krankheit als Herausforderung an, arrangierte sich so gut es geht mit der neuen Situation.

Und es ist dieser Lebensmut, der die Autorin so begeistert. „Ich bewundere Frau Westphal aus tiefstem Herzen“, sagt Weil. „Ihren Mut, ihre Energie und auch ihre Offenheit, mit der sie mir über ihre Erkrankung erzählt hat.“ Über die Deutsche Gesellschaft für Muskelkrankheiten ist der Kontakt der beiden Frauen entstanden. „Der Landesleiter der Länder Niedersachsen und Bremen, Manfred Schulz, hat mich an die Leiterin der ALS-Gesprächskreise weiter verwiesen, Ingrid Haberland. Und die wusste sofort eine Patientin, die perfekt geeignet wäre und auch Freude daran hätte, mich in meinem Projekt zu unterstützen“, sagt die Studentin.

Im November vergangenen Jahres haben sich die beiden Frauen dann erstmals getroffen. In einem gemütlichen Gespräch hatte zunächst Dietmar Westphal im Beisein seiner Frau viele Geschichten aus deren Leben erzählt. Fortan standen die beiden Frauen im regen E-Mail-Kontakt, denn aufgrund der Erkrankung fällt Ulrike Westphal ein Unterhaltung äußerst schwer.

Die Autorin durfte außerdem an einem Treffen des ALS-Gesprächskreises teilnehmen. „Die Stimmung dort war ziemlich betrübt, die meisten Betroffenen und Angehörigen hatten ihren Lebensmut verloren“, erzählt die Autorin. „Frau Westphal dagegen ist ganz anders. Sie hat so viel Energie und genießt das Leben in vollen Zügen. Das kann man nur bewundern. Vielleicht hilft das Buch ja anderen Erkrankten, neuen Mut zu fassen.“

Die Arbeit an dem Buch habe sie jedenfalls selbst auch ein wenig verändert, sagt die Studentin. „Als ich das Buch verfasst habe, sind meine eigenen Gedanken immer tiefgründiger und existenzieller geworden. Die Tatsache, dass man sich täglich Gedanken über Dinge macht, die es nicht wert sind, und damit seine Zeit vergeudet, ist immer offensichtlicher geworden“, erklärt die 27-Jährige. „Das Leben leben, so, wie es kommt, so, wie wir es nicht beeinflussen können, ist die hohe Kunst, die ich zumindest noch lernen muss.“

Und es sind auch solche beinahe philosophischen Betrachtungen, die das Buch so besonders machen. Außerdem werden auf den rund 100 Seiten des Werkes zahlreiche emotionale Momente geschildert. Doch ist es vor allem die genaue Beschreibung des Alltags der erkrankten Groß Ilsederin, die tief bewegt. Und dabei zeigt sich, dass nicht nur Frau Westphal geradezu heldenhaft mit ihrer Krankheit umgeht – auch Herr Westphal ist täglich ein kleiner Held. Um vier Uhr in der Früh steht er zum Beispiel jeden Tag auf, bereitet alles für seine Frau vor. Sein ganzer Tagesablauf ist auf die Pflege und Unterstützung seiner Frau ausgelegt. Es sind die rührendsten Szenen in einem äußerst gefühlvollen Buch. Dabei drückt Weil nie billig auf die Tränendrüse. Sie erzählt einfach von der wahrhaftigen Welt der Ulrike Westphal – und es ist eben dieser spezielle Charakter dieser außergewöhnlichen Frau, der daraus ein außergewöhnliches Buch macht.

mu

  • Wer mehr über das Buch erfahren möchte kann sich per E-Mail an die Autorin wenden. Die Adresse lautet sarah.weil@gmx.de
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