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Mit dem Fahrstuhl in die Einsamkeit

Ilsede Mit dem Fahrstuhl in die Einsamkeit

Bülten. Ulrich Tietz von der Studiobühne Bayreuth war mit Bengt Ahlfors Einpersonen-Stück "Der Liftverweigerer" auf Einladung des Kulturvereins Ilsede in der Bültener Kapelle zu Gast. Eine Stunde lang erklärte er dort dessen Leben - und was für eines.

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Ulrich Tietz (rechts) als „Liftverweigerer“ in der Kapelle in Bülten.

Quelle: im

Bisher konnte er sich seinem Lebensgefährten Kafka anvertrauen. Aber seit der sich vor 16 Jahren in den Hundehimmel verabschiedete, ist auch für seinen Herrn, den Ex-Postboten und umgeschulten Buchbinder im Ruhestand dessen einzige Kommunikationsgrundlage gekappt. Bis er es wagte, sich ersatzweise dem Fahrstuhl seines bis heute bewohnten Geburtshauses auch verbal anzuvertrauen, dauerte es seine Zeit. Als ihm seine Ärztin aber aus Gesundheitsgründen die Treppenbenutzung verordnete, wandte er sich mit seinem Mitteilungsbedürfnis an die Öffentlichkeit.

Mit der Schauspielerin Grace Kelly verbinden den Protagonisten sowohl das übereinstimmende Geburtsdatum als auch das Sternzeichen. Ihr Bild und Leben begleiten ihn durch sein eigenes. Abwechslung sucht „der Liftverweigerer“ uneingeladen auf Beerdigungen und Hochzeiten - einerseits der unterhaltsamen Reden wegen, andererseits wegen der ausgezeichneten Verpflegung.

Es fällt schwer, sich einen anderen als Ulrich Tietz in dieser Rolle vorzustellen, in diesem Monolog, den er viermal textgemäß unterbricht, um sich erklärend an das Publikum zu wenden. Und das ist überwiegend schockiert über die Auswirkungen der Einsamkeit, die wie ein eisernes Vorhängeschloss das Leben des Erzählers fesselt. Andererseits versteht es Tietz, die komischen Momente seiner Rolle so darzustellen, dass man sich als Zuhörer für vorsichtige Lacher fast schämt.

Mit dem Blick einer Stallkatze, die gelernt hat, eine Maus in Butter zu braten, erzählt Tietz von seiner Begegnung mit Diana, der Dame in schwarzer Unterwäsche in dem öffentlichen Haus, in das ihn seine Einsamkeit führt. Beschämt verzichtet er auf ihren körperlichen Einsatz und freut sich, dass sie ihm für 15 bezahlte Minuten einfach zuhört. Zunächst über Jahre vergessen, trifft er sie später unter anderen Umständen wieder und findet auf groteske Weise so den Schlüssel für eine erfüllte Restlebenszeit.

Tietz, in Ilsede als emeritierter Schulmeister seinen Ex-Zöglingen noch wohlbekannt, liefert eine sehr anerkennenswerte schauspielerische Leistung mit enormer Textdichte ab. Monologe sind seinem Berufsstand nicht unbekannt, er aber spielt, nein, erzählt sich in die Herzen der Zuhörer und gibt jenen, die dafür offen sind, den Impuls, bei nächster Gelegenheit gütig über Gartenzäune, in siebte Stockwerke oder auf mit Haustieren plaudernde Zeitgenossen zu schauen.

uj

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