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Hähnchenmäster: „Ich würde essen, was ich produziere!“

Ilsede-Solschen Hähnchenmäster: „Ich würde essen, was ich produziere!“

Brechend voll ist es in der Solschener Begegnungsstätte. 80 Bürger aus Solschen und benachbarter Ortschaften drängeln sich in dem kleinen Raum, um Landwirt Christoph Ehlers zuzuhören – er will eine Hähnchenmastanlage für 39500 Tiere südlich von Klein Solschen bauen.

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Angespannte Situation: Landwirt Christoph Ehlers (ganz rechts) plant eine Hähnchenmast-Anlage. Jetzt stellte er Bürgern aus Solschen und anderen Ortschaften seine Pläne vor.

Quelle: cb

Ilsede-Solschen . Unter den 80 Zuhörern sind auch Mitglieder der Bürgerinitiative Ilsede-Lahstedt gegen Mastställe. Nach der Vorstellung steht Ehlers auf und stellt sich auch diesen Kritikern. Er erklärt zunächst, dass er früher Milchkühe hatte, die sich aber nicht mehr rentierten. „Dann bin ich auf die Hähnchenmast aufmerksam geworden.“ Nachdem er viele Hähnchenställe besucht hatte, reichte er im Sommer den Bauantrag beim Landkreis ein, sagt er ruhig und souverän.

Ehlers will gerade erläutern, wo der Stall hin soll, da wird er lautstark unterbrochen: „Werden Sie mit Wiesenhof oder dem Kraftfutterhersteller Rothkötter zusammenarbeiten?“, ruft ein Mitglied der Bürgerinitiative. Anstelle Ehlers knurren einige Solschener: „Erstmal ausreden lassen…“ Als es wieder ruhiger im Raum wird, sagt Ehlers: „Das weiß ich jetzt noch nicht.“ Dann fährt er fort, erklärt die Einzelheiten zum Aufbau der Anlage und zum Ablauf der Mast (siehe Hintergrund).

Die Zuhörer sind geteilter Meinung, der Ton ist anfangs rau. Vor allem die anwesenden Landwirte können Ehlers Standpunkt nachvollziehen. Ein Landwirt sagt: „Die Zeit der kleinen Ställe ist vorbei! Auch ich will, dass es dem Tier gut geht, am liebsten jeder Kuh noch etwas Stroh unter den Hintern legen – doch wenn wir wie früher arbeiten, können wir dicht machen!“

Die Mastgegner der Bürgerinitiative, unter ihnen auch Helga Laue aus Adenstedt, appellieren an das Gewissen: „Das ist barbarische Tierhaltung! Ich schäme mich, zur menschlichen Rasse zu gehören!“, ruft Laue. Außerdem werde die Hähnchenmast ein schlechtes Geschäft für Ehlers, warnt sie: „Es kommt null-komma-nix für sie heraus.“ Ehlers räumt ein, dass nur die ehrgeizigsten Hähnchenmäster gut verdienen – „und ich will zu den Ehrgeizigsten gehören“, sagt er. Das bedeute, schneller gutes Fleisch liefern: „Je besser es den Tieren geht, desto schneller nehmen sie zu.“

Auf die Frage eines Bürgers, wer im Raum partout gegen die Anlage sei, melden sich neben den Aktivisten nur eine Handvoll Bürger. Andere, darunter auch Günter Mohrholz, sagen, dass sie zumindest „Bauchschmerzen“ haben.

Ob Rückstände wie Ammoniak durch den Mist, der auf den umliegenden Feldern verteilt werden soll, ins Grundwasser kommen und ob Feinstaub zu befürchten sei, will ein Zuhörer wissen. „Sicher fällt etwas Feinstaub an. Aber durch die Entfernung zum Ort ist die Verdünnung so hoch, dass keine Gefahr besteht. Außerdem muss ich davon ausgehen, dass die vorgegebene Praxis geprüft und in Ordnung ist. “

Eine zusätzliche Filteranlage für die Abluft der Mastanlage anzubringen habe er nicht vor, antwortet Ehlers auf Nachfrage eines Aktivisten, räumt aber ein: „Der Einbau der Filter würde sich für mich noch rechnen, ist aber preislich nicht so charmant.“ Auf Drängen der Mitglieder der Bürgerinitiative sagt der Landwirt zu, Interessierte wenige Tage vor der Hähnchen-Keulung in den Stall schauen zu lassen. „Ich will ja selbst gesunde Tiere züchten – ich würde auch Essen, was ich produziere!“ Am Ende gab es Lob für die Veranstaltung und Dank für die Aussprache mit dem Landwirt.

Simon Polreich

Hintergrund

Solschener Mast

Landwirt Christoph Ehlers will den Maststall etwa einen Kilometer südlich von Klein Solschen bauen – vorgeschrieben sind etwa 300 Meter Abstand zur nächsten Siedlung. Der Bauantrag liegt derzeit noch beim Landkreis. Die Anlage soll aus einer 18 mal 104 Meter langen Halle, drei Futtersilos, einem Löschwassertank und einem Nebengebäude für die Belüftungs- und Füttertechnik bestehen. „Den Standort habe ich so ausgesucht, dass er außerhalb der Hauptwindrichtung liegt“, sagt Ehlers.

Etwa sieben Mal im Jahr werden 39500 Küken geliefert, sechs Wochen gemästet und zum Schlachthof abtransportiert. Danach wird der Stall ausgemistet. Den Mist verteilt er auf die umliegenden Felder und arbeitet sie innerhalb von 24 Stunden ein. Es fallen 300 Tonnen im Jahr an. Inklusive Tiertransporten und Futterfahrten komme man auf fünf bis sieben Lkw-Fahrten im Monat, überschlägt Ehlers.

sip

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