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Gitarrenunterricht für Flüchtlinge

Ilsede Gitarrenunterricht für Flüchtlinge

Ilsede. Wer Profis suche, möge in den „Gelben Seiten“ fündig werden, sagt man. Das Glück, das Menschen zusammenführt, lässt sich hingegen nicht zielstrebig finden, sondern oft nur auf wirklich mühsamen und gefährlichen Umwegen.

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Die Schüler (v.l.) Yamen und Mustafa sowie die Gitarrenlehrer Michael Schröder und Richard Rech.

Quelle: uj

Mustafa (30) aus dem Iran und dem20-jährigen Yamen aus dem syrischen Aleppo gelang vor 14 beziehungsweise sechs Monaten der Glücksfall, sich aus Todesgefahr wegen politischer Verfolgung und Bürgerkrieg auf gefährlichsten Umwegen in Sicherheit zu bringen. Eine weitere glückliche Fügung ergab, dass sie am vorläufigen Ende dieses Weges Jutta Reuting, Stellmacherei-Intendantin und Musikförderin aus Gadenstedt, begegneten. Mehr oder weniger holperig sei man im Herbst des vergangenen Jahres ins Gespräch gekommen, wobei man auch auf das Musizieren kam.

Reuting wäre nicht sie selbst, würde sie nicht alle Hebel umlegen, um auch unausgesprochene musikalische Wünsche zu erfüllen: Freundliche Spender aus dem Peiner Land überlassen ihr kostenlos einige Gitarren, sie organisiert einen Gitarrenlehrer der die jungen Männer einige Wochen unterrichtet, bevor ihn die Berufstätigkeit am weiteren Ehrenamt hindert.

Seit gut einem Monat sind nun die Oberger „Fis-Moll“-Gitarristen Michael Schröder und Richard Rech wöchentlich mit Mustafa und Yamen verabredet, um ihrerseits ehrenamtlich das zarte Pflänzchen „Freude durch Musizieren“ behutsam zu hegen und zu pflegen.

„Es geht immer wieder um Grifftechniken und die Grundkenntnisse“, erklärt Schröder und staunt über die „ausgezeichneten Deutschkenntnisse“, das musikalische Talent und die teilweise deutlichen Fortschritte. Die gespendeten und meist lange nicht benutzten Instrumente habe er gereinigt, mit neuen Saiten versehen und in einen gut bespielbaren Zustand gebracht, um sie den beiden Schülern leihweise zu überlassen.

Mustafa wirkt gerade besonders glücklich. Nicht nur der Musikunterricht mache ihm Freude, sagt er lächelnd. Er sei auch sehr gespannt auf seinen demnächst anstehenden Arbeitsantritt im erlernten Beruf als Schweißer.

Yamen zeigt sich indessen als besonders gelehriger Schüler. Der Student der Chemie konnte erst die Hälfte der für ihn vorgesehenen Sprachkurse absolvieren, spricht aber bereits erstaunlich flüssig mit erstaunlichem Wortschatz. In Syrien habe er es sich nicht leisten können, ein Instrument zu erlernen. „Das kostet sehr viel Geld“, erzählt er. Das Studium der Architektur sei nun sein Traum, von dem er sich wünscht, dass er sich in Braunschweig erfüllt.

Sein Blick wird allerdings dunkel, als die Rede auf seine derzeit umkämpfte Heimatstadt Aleppo kommt. Er wisse seine Familie zwar in Sicherheit, die derzeitigen Nachrichten könne er allerdings trotzdem kaum ertragen. Gegen solch trübe Gedanken und Heimweh wirkt offenbar recht zuverlässig die Konzentration auf Akkordgriffe und Rhythmus, scheint es, denn sowohl die beiden Jung-Musiker als auch ihre Lehrer vertiefen sich ins Zusammenspiel.

Ob sie auch in ihren Unterkünften Gelegenheit zum Üben finden? Beide nicken und deuten hinter sich auf die Schutzhüllen für die Gitarren, die ebenfalls Jutta Reuting organisiert hat. Glücksfälle auf Umwegen.

uj

• Wer gerne in der Gitarrengruppe mitmachen möchte, möge sich telefonisch bei Jutta Reuting melden: 05172/370922.

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