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„Für mich zählen hier nur die Menschen“

Ilsede „Für mich zählen hier nur die Menschen“

Ilsede. In der Kleiderkammer an der Umformerstation nahe der Ilseder Gebläsehalle geben Ehrenamtliche Kleidung für Flüchtlinge aus. Sie erzählen, wie sie ihre Arbeit erleben.

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Marlis Kliemt vom DRK (in der Mitte mit der roten Weste) mit ihrem Team vor dem Kleidermobil vom DRK.

Quelle: uj

Es wirkt so, wie man sich eine Kleiderkammer vorstellt: Regale, in denen durch angeklebte Zettel die gespendete Kleidung grob unterteilt wird in „kleine Damen“, „mittlere Herren“, oder „Kinder“.In den Gängen dazwischen ordnen Frauen emsig Kleidungsstücke, packen Umzugskisten voller Kleiderspenden aus, das soeben Heike Langer mit dem bis zum Dach vollgepackte „Kleidermobil“ des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aus Peine angeliefert hat.

Die Stimmung ist gut, man ist sich einig, Menschen in Not helfen zu wollen. Martina Fischer zum Beispiel hilft zum zweiten Mal in der zur Garderobe umgestalteten Umformerstation ehrenamtlich mit. „Für mich zählen nur die Menschen“, sagt sie und dass ihr wie auch immer geartetes Politikergerede herzlich egal sei. „Frierende Menschen ohne Strümpfe in zerrissener Kleidung“, nein das ertrage sie nicht. Ihre Familie trage ihr Engagement mit, ihre Freunde, so ist sie überzeugt, „würden hier mit zupacken, wären sie nicht berufstätig.“ Unterbrochen hat sie ihre Arbeit nicht und zieht zufällig etwas aus einem der Kartons, was entfernt an einen Schal erinnert. „Hausmüll“, sagt sie trocken und legt das hoffnungslos zerlumpte Exemplar zur Seite. Marlis Kliemt, Ilseder DRK-Ortsvereinsvorsitzende deutet hingegen fast ehrfürchtig auf eine Stange mit einer besonderen Winterjacke: „Nagelneue Markenware - haben wir gestern hereinbekommen!“ Ein Fehlkauf vielleicht, vermutet sie, aber ein unerwartetes Fest für jenen durchgefrorenen Gebläsehallen-Gast, der sie demnächst als Schatz in seine 9-Bett-Parzelle tragen werde.

„Selbst anschauen und dann selbst zupacken“ war der Anspruch, den Ruth Adelt sich stellte. Inzwischen steht sie zum vierten Mal zwischen den Regalen. Leicht scheint die Arbeit aus Bücken, Strecken und Märschen zwischen den Regalen nicht zu sein. Trotz kühler Temperaturen hat sie ihre Jacke ablegt und arbeitet im T-Shirt. Mit ihren Erfahrungen könne sie nun diffusen Ängsten und „schlimmen Äußerungen“ gut entgegentreten. Viel Dankbarkeit habe sie bereits bei der Kleidungsausgabe erfahren und erinnert sich gerührt an die Frau, die ihr mittels Übersetzungsprogramm auf dem Smartphone „Ihr seid so wunderbar“ übermittelte. Ein junger Mann, dem wegen seiner zierlichen Statur lediglich eine lindgrüne aber warme Damenjacke passte, habe dankbar und sehr humorvoll reagiert. Dass der gesellschaftliche Riss sogar durch ihre eigene Familie gehe, berichtet eine andere Helferin traurig und ist entsetzt über „Blödsinn“ der sich im Schneeballsystem via Internet beängstigend schnell verbreite.

Völlig sicher fühlen sich alle indessen bei der ehrenamtlichen Hilfsarbeit, Georgine Görling, die seit Mitte Oktober keinen Hilfseinsatz auslässt, freut sich besonders auch über die Solidarität ihres Mannes: „Der kocht mir derweil zu Hause das Mittagessen“.

uj

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