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Eckehard Fröhmelt arbeitet als Bordpastor

Solschener Seelsorger auf Kreuzfahrten Eckehard Fröhmelt arbeitet als Bordpastor

An Bord der Kreuzfahrtschiffe gilt er als Künstler. Doch während sich Musicaldarsteller, Bordpianisten und Bauchredner um die Unterhaltung kümmern, ist Eckehard Fröhmelt aus Solschen vorrangig für das seelische und geistliche Wohlbefinden der Reisegäste zuständig.

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Ob an Bord oder an Land: Eckehard Fröhmelt hat als Bordpastor viele Aufgaben und erlebt auch viel auf seinen Reisen.

Ilsede. Manchmal greift der pensionierte Pastor aber auch selbst zum Mikrofon und gibt zusammen mit der Showband Songs von Elvis Presley zum besten. Früher sang er in einer Rockband. „Als Bordpastor muss man auch Entertainer sein, auf Menschen zugehen können und sich nicht verstecken“, erklärt Fröhmelt. Das schaffe Kontakte und bringe manchen zusätzlichen Gast in seinen Gottesdienst.

Nach der Pensionierung bewarb er sich bei der Bordseelsorgestelle der Hamburger Diakonie und wurde auf Anhieb genommen. Seitdem zählt Fröhmelt zu den von der Evangelischen Kirche beauftragten Geistlichen, die dazu beitragen, dass ein Teil christlicher Seefahrt auf Kreuzfahrtschiffen seinen Platz hat.

„Ich suche Herausforderungen, bin gern mit Menschen zusammen und sehe gern etwas von der Welt“, sagt Eckehard Fröhmelt über seine Motive. Die erste Reise führte ihn 2011 an das Nordkap. Letztes Jahr tourte er entlang der Südküste Afrikas, sah Griechenland und entdeckte Kuba. Zuletzt kehrte er Ende November von einer 16-tägigen Seereise mit der „MS Artania“ zurück, die ihn von Kapstadt über Madagaskar bis Mauritius geführt hat.

Gottesdienste und Andachten fanden dort sonntagmorgens um 9.15 Uhr statt, ganz oben auf Deck 9 mit Blick auf das Meer, Gleich neben der Bühne der Bordband und gegenüber die Bordbar. Nach 45 Minuten musste Fröhmelt seinen Gottesdienst auf der „MS Artania“ beendet haben, wenn Punkt 10 Uhr über Bordlautsprecher die Stimme des Kreuzfahrtdirektors ertönte, der das Tagesprogramm und die Wetterverhältnisse verkündete.

Eckehard Fröhmelt legt wenig Wert auf Talare und farbige Umhänge. In normaler Kleidung mischte er sich unter die 1.160 Gäste und suchte das Gespräch mit ihnen. Auch die Bordkünstler zeigten ihm, dass jeder seine Sorgen mit an Bord nimmt. Von Krankheiten über Enttäuschungen bis hin zu Eheproblemen und Scheidungen reichten die Themen. Alle waren immer dankbar, wenn der evangelische Pastor zuhörte und seine Erfahrungen weitergab.

Langweilig wurde es für Fröhmelt nie: Neben Andachten, Gesprächskreisen, Seelsorgegesprächen und Vorträgen standen auch englischsprachige Gottesdienste für die Crew, die sich mehrheitlich aus Philippinos zusammensetzte, auf dem Programm.

Ein Höhenpunkt der Reise war für den Bordpastor die Symboltrauung des Ehepaares Sonja und Willi Becker aus Zülpich bei Köln, das sich nach 30 Jahren erneut das Eheversprechen gab. Das Trauversprechen mit der Ringübergabe übernahm der Kapitän, den kirchlichen Teil mit dem Aussprechen des Segens der Bordpastor. „Das war eine sehr schöne neue Erfahrung für mich“, so Fröhmelt begeistert.

Er betreute die Passagiere auch bei vielen Landausflügen, die meist am frühen Morgen begannen. Zahlreiche Busse standen am Hafen bereit, einen davon begleitete er. Es konnte passieren, dass sich der Pfarrer wieder in einen Künstler verwandelte, wenn er im Bus zu bekannten Liedern selbst komponierte Texte trällerte. Das kam gut an bei den Reisenden. Zusammen mit ihnen erfreute er sich an den überwältigenden Naturschönheiten.

Beeindruckt war er von den Gegensätzen auf Madagaskar. Die Insel, die flächenmäßig so groß ist wie Frankreich, zeigte sich zum einen mit einer prächtigen Natur, zum anderen mit einer erschreckenden Armut der Landbevölkerung. „Viele dieser Menschen besaßen noch nicht einmal Schuhe, oft sah man sie in verdreckter, zerrissener Kleidung“, berichtet der Geistliche. Das hätte auch viele Ausflügler nachdenklich gemacht.

Die Kritik an Kreuzfahrtreisen kann er nur bedingt verstehen. Die Ausflüge brächten Geld ins Land und seien für viele Regionen lebenswichtig. Zudem schaffe die Kreuzfahrtindustrie viele Arbeitsplätze. „Ich meine, dass Reisen immer auch Völkerverständigung einschließt und ich erlebe, dass viele Reisende freundlich auf die Einheimischen zugehen und teils Geschenke überreichen“. Er selbst habe immer kleine Mitbringsel dabei. Auch wenn zwei Welten aufeinandertreffen, gebe es trotzdem nette Begegnungen. Zudem seien die Schiffe heute mit Filteranlagen versehen, was die Emissionswerte verbessere, so Fröhmelt.

Aktuell steckt er in den Vorbereitungen für seine nächste Reise: Ab April geht es weiter um die Welt. Eine Kreuzfahrt von Venedig über Istanbul und Odessa bis zurück nach Monaco steht auf dem Programm.

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